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In Europa : Zahl der Drogentoten nimmt weiter zu

Ein Drogensüchtiger spritzt sich einen Schuss Heroin in Frankfurt. Bild: dpa

Zum dritten Mal hintereinander ist die Zahl der Drogentoten in Europa gestiegen. Fast die Hälfte der Fälle gab es in Deutschland und Großbritannien. Besonders gefährlich sind hochpotente synthetische Opioide.

          Der Rauschgiftmarkt in Europa zeigt sich nach wie vor in bester Verfassung. Nach den Daten, die von der Drogenbeobachtungsstelle der Europäischen Union (EMCDDA) am Dienstag in ihrem Jahresbericht in Brüssel veröffentlicht wurden, ist das Angebot an Stimulanzien wie Kokain, Amphetamin und Metamphetamin („Ecstasy“) unverändert groß. Gleichzeitig ist der Wirkstoffgehalt höher denn je, die Nachfrage stabil bis steigend. Kein Mangel herrscht auch an Heroin sowie an synthetisch hergestellten Opiaten, die als Schmerzmittel die Wirkung von Heroin und Morphin imitieren. Heroin und verschreibungspflichtige Schmerzmittel sind in den Vereinigten Staaten inzwischen für rund 32.000 Todesfälle im Jahr verantwortlich. Europa ist von einer vergleichbaren Epidemie weit entfernt.

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Gleichwohl haben die zumeist hochtoxischen Fentanyle und bei der Behandlung von Heroinsüchtigen abgezweigte Ersatzopiate dazu beigetragen, dass die Zahl der bekannt gewordenen Todesfälle durch Überdosierung gestiegen ist. Europaweit hat sie sich im Jahr 2015 zum dritten Mal in Folge auf nunmehr fast 8450 erhöht (2014: 7950), fast die Hälfte der Todesfälle gab es in Deutschland und Großbritannien. Auf rund 1200 gesunken ist hingegen die Zahl der Neuinfektionen mit dem HI-Virus. Das entspricht einem Rückgang um 41 Prozent seit 2007.

          Die meisten Rauschgiftgebraucher in Europa bevorzugen nach wie vor Cannabis – allerdings bei ebenfalls steigendem Wirkstoffgehalt. Kiffer stellten 2015 vor Kokain-Gebrauchern auch die größte Gruppe derer, die in den 28 EU-Ländern sowie in der Türkei und Norwegen wegen gesundheitlicher Probleme im Zusammenhang mit dem Rauschgiftgebrauch erstmals professionelle Hilfe in Anspruch nahmen. Absolut hat sich ihre Zahl zwischen 2006 und 2015 von 43.000 auf 76.000 erhöht (Kokain 2015: 28.000). Da inzwischen etwa ein Prozent aller Erwachsenen in Europa täglich oder fast täglich Cannabis gebraucht, ist eine Umkehr dieses Trends nicht zu erwarten. Bei rauschgiftbedingten klinischen Notfällen hat Cannabis fast zu Kokain aufgeschlossen.

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