07.10.2005 · In den nächsten Tagen kann es zu einem Engpaß bei der Auslieferung des neuen Influenzaimpfstoffs kommen. Etwa vier Millionen Dosen fehlten. Grund sei die schwierige Anzucht eines der zur Zeit zirkulierenden Virusstämme.
Von Peter-Philipp SchmittIn den nächsten Tagen kann es vereinzelt zu einem Engpaß bei der Auslieferung des neuen Influenzaimpfstoffs kommen. Wie die Sprecherin des Paul-Ehrlich-Instituts, Susanne Stöcker, am Donnerstag auf Anfrage mitteilte, konnten bislang noch nicht die für Deutschland vorgesehenen 20 Millionen Dosen des von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Februar empfohlenen Impfstoffs für die Saison 2005/2006 hergestellt werden. Etwa vier Millionen Dosen fehlten noch.
Grund sei die schwierige Anzucht eines der zur Zeit zirkulierenden Virusstämme - A/California/7/2004, eines H3N2-ähnlichen Virus. Dieses im Jahr 2004 in Kalifornien isolierte A/H3N2-Virus hat einen Stamm abgelöst, der 2002 in Fujian isoliert worden war. Die anderen beiden Bestandteile des diesjährigen Impfstoffs (A/New Caledonia/20/99 und B/Shanghai/361/2002) entsprechen dem Vorjahr.
Patienten werden vertröstet
„Wir sind wegen des ,California'-Stamms einen Monat später dran als im vergangenen Jahr“, sagte Stöcker. Darum sei der Impfstoff möglicherweise noch nicht gleichmäßig in Deutschland verteilt worden, und einige Arztpraxen müßten zur Zeit noch ihre Patienten auf einen späteren Impftermin vertrösten. Sie rechne damit, daß Ende Oktober oder Anfang November die 20 Millionen vorgesehenen Dosen vollständig zur Verfügung stehen. Dann sei immer noch Zeit genug, sich impfen zu lassen: „Vierzehn Tage dauert es, bis die Impfung wirkt, und die saisonalen Influenzaviren erreichen Deutschland gewöhnlich nicht vor Ende November.“
Im vergangenen Jahr hatten sich 18 Millionen Menschen in Deutschland impfen lassen. Rund zwei Millionen Dosen des jeweils nur auf eine Saison beschränkten Impfstoffs mußten im Frühjahr vernichtet werden. Empfohlen allerdings wird die Grippeimpfung sogar für mindestens 23 Millionen Deutsche: für alle über Sechzigjährigen, für Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Asthma oder auch mit einem chronisch geschwächten Immunsystem sowie für alle Berufsgruppen, die viel mit anderen Menschen zu tun haben - etwa Busfahrer, Lehrer und Ärzte.
Drei bis vier - Millionen Dosen ungenutzt
Die schwierige Anzucht des „California“Stamms hat aber nicht nur zu einer Verzögerung geführt. Normalerweise werden von Jahr zu Jahr mehr Impfstoffdosen hergestellt. „In diesem Jahr erreichen wir aber nur die gleiche Anzahl wie 2004“, sagt Stöcker. Die Erfahrung zeige jedoch, daß am Ende der Saison stets einige - meist drei bis vier - Millionen Dosen ungenutzt blieben. Sollten sich, etwa aus Sorge vor der Vogelgrippe (gegen die der Influenza-Impfstoff aber ganz und gar wirkungslos ist), in diesem Winter tatsächlich deutlich mehr als 20 Millionen Menschen in Deutschland impfen lassen wollen, „bekommen wir ein Problem“.
Dann könne man, so Stöcker, höchstens versuchen, Impfstoff im Ausland zuzukaufen. Ungünstig sei die Verzögerung aber auch noch aus einem anderen Grund: „Viele Grippeimpfungen werden in diesem Jahr genau in die Erkältungszeit fallen. So werden einige nach der Impfung sicherlich an einem sogenannten grippalen Infekt erkranken, was nichts anderes ist als eine normale Erkältung.“ Die aber habe mit der Grippeimpfung überhaupt nichts zu tun. „Eine Influenzaimpfung schützt weder vor einer Erkältung, noch kann sie zu einer solchen führen.“
Peter-Philipp Schmitt Jahrgang 1967, Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.
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