Home
http://www.faz.net/-guw-77efj
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
50 plus

Immunschwächekrankheit Aids HIV-infiziertes Kind durch frühe Therapie „geheilt“

Amerikanische Forscher haben ein mit dem HI-Virus infiziertes Kind für „geheilt“ erklärt. Die Mediziner therapierten das Kind, dem der Erreger von seiner Mutter übertragen worden war, unmittelbar nach der Geburt.

© AP/dpa Vergrößern Ärztin Deborah Persaud aus Baltimore: „Säugling von HIV-Infektion geheilt.“

Eine frühzeitige HIV-Therapie kann offenbar verhindern, dass sich das Aids-Virus im Körper dauerhaft festsetzt. Eine zumindest „funktionelle Heilung“, bei der das Virus vom körpereigenen Immunsystem kontrolliert wird, scheint möglich, selbst wenn die Behandlung unterbrochen oder sogar dauerhaft ausgesetzt wird. Zu diesem Ergebnis kommt Deborah Persaud vom Johns-Hopkins-Krankenhaus im amerikanischen Baltimore. Die Kinderärztin berichtete am Montag auf einer internationalen Konferenz in Atlanta über ein Kind, das bei der vorzeitigen Geburt von der Mutter mit dem HI-Virus infiziert wurde. Die Frau hatte bis dahin keine Behandlung bekommen.

Peter-Philipp Schmitt Folgen:    

Zur nachträglichen Prophylaxe wurde das Mädchen noch am zweiten Tag mit einer bei Kleinkindern ungewöhnlichen Kombination von gleich drei HIV-Medikamenten (AZT, Lamivudin, Nevirapin) behandelt. Üblich ist nur ein Medikament. Die Blutergebnisse vom selben Tag (31Stunden nach der Geburt) ergaben dann aber bereits eine HIV-Infektion und eine Viruslast von 20000 Kopien pro Mikroliter Blutserum. Die Behandlung des Kindes wurde darum nach einer Woche entsprechend umgestellt, Nevirapin durch Kaletra ersetzt. Nach knapp einem Monat war die Viruslast schon nicht mehr nachweisbar.

„Der Weg scheint prinzipiell Erfolg versprechend“

Die Mutter unterbrach nach 18 Monaten die Behandlung ihres Kindes, nach weiteren zehn Monaten erschien sie allerdings noch einmal zu einer weiteren Untersuchung. Trotz einer zehnmonatigen Therapieunterbrechung wurden nur vier Viruskopien pro Mikroliter Blut nachgewiesen, das Virus hatte sich also kaum vermehrt. Grund dafür sei wahrscheinlich, sagt Deborah Persaud, dass der Erreger sich durch die frühe Behandlung nicht in „schlafenden Zellen“ festsetzen konnte. In diesen sogenannten Virenreservoirs ist der Erreger für Immunsystem und Aidsmedikamente unerreichbar. Über das weitere Schicksal des Mädchens ist nichts bekannt, Mutter und Kind sind verschwunden.

© REUTERS, Reuters Vergrößern Amerikanische Forscher melden Heilung von HIV-Baby

Für Armin Schafberger vom Fachbereich Medizin der Deutschen Aidshilfe (DAH) bestätigt der Fall den schon länger verfolgten Forschungsansatz, mit einer Therapie möglichst früh nach der HIV-Infektion zu beginnen. Auch wenn nur selten eine Infektion - egal ob bei Neugeborenen oder bei Erwachsenen - so früh erkannt werde, „der Weg scheint prinzipiell Erfolg versprechend“. Nun müsse man forschen, ob sich für chronisch Kranke ein modifizierter Weg anbiete, zum Beispiel indem man latent infizierte Zellen medikamentös aufwecke. Schafberger warnt Eltern HIV-postitiver Kinder davor, die Therapie einfach zu unterbrechen. Er glaubt auch nicht, dass dieser Einzelfall im medizinischen Alltag viel ändern werde, außer dass vielleicht in solchen seltenen Fällen gleich eine Dreifach-Kombination eingesetzt werde.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Wie erkläre ich’s meinem Kind? Warum es Streit gibt über die Masern-Impfung

In Berlin sind die Masern ausgebrochen. Trotzdem sind manche Eltern weiter gegen Impfungen. Sind sie verantwortungslos, wie viele jetzt sagen — oder gibt es tatsächlich Impfnebenwirkungen? Mehr Von Christina Hucklenbroich

27.02.2015, 17:07 Uhr | Feuilleton
Videografik HIV - Angriff auf die Immunabwehr

Das Humane Immundefizienz-Virus (HIV) greift das Abwehrsystem des Körpers an. Infektionen und bestimmte Arten von Krebs haben damit leichteres Spiel. Unbehandelt führt eine HIV-Infektion früher oder später zu Aids. Mehr

01.12.2014, 14:43 Uhr | Wissen
Südostasien Resistenter Malaria-Erreger breitet sich aus

Wer nach Indien oder Myanmar reist, fühlt sich mit einem Notfall-Medikament gegen Malaria meist ausreichend gerüstet. Doch gegen einen neuen resistenten Keim kann eines der gängigsten Produkte nichts ausrichten. Mehr

20.02.2015, 16:49 Uhr | Gesellschaft
Videografik Ebola - tödliches Virus aus Afrika

Die Ebola-Epidemie in Westafrika gilt als die schwerste seit der Entdeckung des Virus vor fast vier Jahrzehnten. Der Erreger wird vor allem durch Blut und andere Körperflüssigkeiten übertragen. Infizierte leiden an Fieber, Muskelschmerzen, Durchfall bis hin zu inneren Blutungen und Organversagen. Je nach Erregertyp verläuft die Seuche in bis zu 90 Prozent der Fälle tödlich. Mehr

18.09.2014, 17:36 Uhr | Wissen
Masern-Welle Täglich bis zu 30 neue Masernfälle in Berlin

Masern breiten sich in der Hauptstadt weiter schnell aus: Allein von Mittwoch auf Donnerstag wurden knapp 30 neue Fälle registriert. Insgesamt sind es schon mehr als 600. Mehr

26.02.2015, 15:43 Uhr | Gesellschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 04.03.2013, 16:25 Uhr

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden