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Immunschwächekrankheit Aids : HIV-infiziertes Kind durch frühe Therapie „geheilt“

Ärztin Deborah Persaud aus Baltimore: „Säugling von HIV-Infektion geheilt.“ Bild: AP/dpa

Amerikanische Forscher haben ein mit dem HI-Virus infiziertes Kind für „geheilt“ erklärt. Die Mediziner therapierten das Kind, dem der Erreger von seiner Mutter übertragen worden war, unmittelbar nach der Geburt.

          Eine frühzeitige HIV-Therapie kann offenbar verhindern, dass sich das Aids-Virus im Körper dauerhaft festsetzt. Eine zumindest „funktionelle Heilung“, bei der das Virus vom körpereigenen Immunsystem kontrolliert wird, scheint möglich, selbst wenn die Behandlung unterbrochen oder sogar dauerhaft ausgesetzt wird. Zu diesem Ergebnis kommt Deborah Persaud vom Johns-Hopkins-Krankenhaus im amerikanischen Baltimore. Die Kinderärztin berichtete am Montag auf einer internationalen Konferenz in Atlanta über ein Kind, das bei der vorzeitigen Geburt von der Mutter mit dem HI-Virus infiziert wurde. Die Frau hatte bis dahin keine Behandlung bekommen.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Zur nachträglichen Prophylaxe wurde das Mädchen noch am zweiten Tag mit einer bei Kleinkindern ungewöhnlichen Kombination von gleich drei HIV-Medikamenten (AZT, Lamivudin, Nevirapin) behandelt. Üblich ist nur ein Medikament. Die Blutergebnisse vom selben Tag (31Stunden nach der Geburt) ergaben dann aber bereits eine HIV-Infektion und eine Viruslast von 20000 Kopien pro Mikroliter Blutserum. Die Behandlung des Kindes wurde darum nach einer Woche entsprechend umgestellt, Nevirapin durch Kaletra ersetzt. Nach knapp einem Monat war die Viruslast schon nicht mehr nachweisbar.

          „Der Weg scheint prinzipiell Erfolg versprechend“

          Die Mutter unterbrach nach 18 Monaten die Behandlung ihres Kindes, nach weiteren zehn Monaten erschien sie allerdings noch einmal zu einer weiteren Untersuchung. Trotz einer zehnmonatigen Therapieunterbrechung wurden nur vier Viruskopien pro Mikroliter Blut nachgewiesen, das Virus hatte sich also kaum vermehrt. Grund dafür sei wahrscheinlich, sagt Deborah Persaud, dass der Erreger sich durch die frühe Behandlung nicht in „schlafenden Zellen“ festsetzen konnte. In diesen sogenannten Virenreservoirs ist der Erreger für Immunsystem und Aidsmedikamente unerreichbar. Über das weitere Schicksal des Mädchens ist nichts bekannt, Mutter und Kind sind verschwunden.

          Vereinigte Staaten : Forscher melden Heilung von HIV-Baby

          Für Armin Schafberger vom Fachbereich Medizin der Deutschen Aidshilfe (DAH) bestätigt der Fall den schon länger verfolgten Forschungsansatz, mit einer Therapie möglichst früh nach der HIV-Infektion zu beginnen. Auch wenn nur selten eine Infektion - egal ob bei Neugeborenen oder bei Erwachsenen - so früh erkannt werde, „der Weg scheint prinzipiell Erfolg versprechend“. Nun müsse man forschen, ob sich für chronisch Kranke ein modifizierter Weg anbiete, zum Beispiel indem man latent infizierte Zellen medikamentös aufwecke. Schafberger warnt Eltern HIV-postitiver Kinder davor, die Therapie einfach zu unterbrechen. Er glaubt auch nicht, dass dieser Einzelfall im medizinischen Alltag viel ändern werde, außer dass vielleicht in solchen seltenen Fällen gleich eine Dreifach-Kombination eingesetzt werde.

          Quelle: F.A.Z.

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