Home
http://www.faz.net/-gum-77efj
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
50 Plus

Veröffentlicht: 04.03.2013, 16:25 Uhr

Immunschwächekrankheit Aids HIV-infiziertes Kind durch frühe Therapie „geheilt“

Amerikanische Forscher haben ein mit dem HI-Virus infiziertes Kind für „geheilt“ erklärt. Die Mediziner therapierten das Kind, dem der Erreger von seiner Mutter übertragen worden war, unmittelbar nach der Geburt.

© AP/dpa Ärztin Deborah Persaud aus Baltimore: „Säugling von HIV-Infektion geheilt.“

Eine frühzeitige HIV-Therapie kann offenbar verhindern, dass sich das Aids-Virus im Körper dauerhaft festsetzt. Eine zumindest „funktionelle Heilung“, bei der das Virus vom körpereigenen Immunsystem kontrolliert wird, scheint möglich, selbst wenn die Behandlung unterbrochen oder sogar dauerhaft ausgesetzt wird. Zu diesem Ergebnis kommt Deborah Persaud vom Johns-Hopkins-Krankenhaus im amerikanischen Baltimore. Die Kinderärztin berichtete am Montag auf einer internationalen Konferenz in Atlanta über ein Kind, das bei der vorzeitigen Geburt von der Mutter mit dem HI-Virus infiziert wurde. Die Frau hatte bis dahin keine Behandlung bekommen.

Peter-Philipp Schmitt Folgen:

Zur nachträglichen Prophylaxe wurde das Mädchen noch am zweiten Tag mit einer bei Kleinkindern ungewöhnlichen Kombination von gleich drei HIV-Medikamenten (AZT, Lamivudin, Nevirapin) behandelt. Üblich ist nur ein Medikament. Die Blutergebnisse vom selben Tag (31Stunden nach der Geburt) ergaben dann aber bereits eine HIV-Infektion und eine Viruslast von 20000 Kopien pro Mikroliter Blutserum. Die Behandlung des Kindes wurde darum nach einer Woche entsprechend umgestellt, Nevirapin durch Kaletra ersetzt. Nach knapp einem Monat war die Viruslast schon nicht mehr nachweisbar.

„Der Weg scheint prinzipiell Erfolg versprechend“

Die Mutter unterbrach nach 18 Monaten die Behandlung ihres Kindes, nach weiteren zehn Monaten erschien sie allerdings noch einmal zu einer weiteren Untersuchung. Trotz einer zehnmonatigen Therapieunterbrechung wurden nur vier Viruskopien pro Mikroliter Blut nachgewiesen, das Virus hatte sich also kaum vermehrt. Grund dafür sei wahrscheinlich, sagt Deborah Persaud, dass der Erreger sich durch die frühe Behandlung nicht in „schlafenden Zellen“ festsetzen konnte. In diesen sogenannten Virenreservoirs ist der Erreger für Immunsystem und Aidsmedikamente unerreichbar. Über das weitere Schicksal des Mädchens ist nichts bekannt, Mutter und Kind sind verschwunden.

© REUTERS, Reuters Amerikanische Forscher melden Heilung von HIV-Baby

Für Armin Schafberger vom Fachbereich Medizin der Deutschen Aidshilfe (DAH) bestätigt der Fall den schon länger verfolgten Forschungsansatz, mit einer Therapie möglichst früh nach der HIV-Infektion zu beginnen. Auch wenn nur selten eine Infektion - egal ob bei Neugeborenen oder bei Erwachsenen - so früh erkannt werde, „der Weg scheint prinzipiell Erfolg versprechend“. Nun müsse man forschen, ob sich für chronisch Kranke ein modifizierter Weg anbiete, zum Beispiel indem man latent infizierte Zellen medikamentös aufwecke. Schafberger warnt Eltern HIV-postitiver Kinder davor, die Therapie einfach zu unterbrechen. Er glaubt auch nicht, dass dieser Einzelfall im medizinischen Alltag viel ändern werde, außer dass vielleicht in solchen seltenen Fällen gleich eine Dreifach-Kombination eingesetzt werde.

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Epidemie in Lateinamerika Bedrohung Zika-Virus

Das Zika-Virus verbreitet sich ungehemmt in Lateinamerika und verbreitet Angst und Schrecken. Der Tropenmediziner Peter Hotez erklärt im Gespräch, vor welche Herausforderungen der Erreger die Wissenschaftler stellt. Mehr

01.02.2016, 10:32 Uhr | Wissen
Virus in Texas Erste Zika-Infektion durch ungeschützten Sex

Im amerikanischen Bundesstaat Texas ist ein Zika-Fall bekannt geworden, bei dem das Virus durch Sexualkontakte übertragen wurde. Die Seuchenschutzbehörde der Vereinigten Staaten geht zwei weiteren Zika-Fällen nach, die mit Sexualkontakten zu tun haben könnten. Schwangere können das Virus an ihre ungeborenen Kinder weitergeben, bei denen es offenbar Fehlbildungen wie Mikrozephalie verursachen kann. Mehr

03.02.2016, 17:32 Uhr | Gesellschaft
Kolumbien Mehr als 3100 Zika-Fälle bei Schwangeren

In Kolumbien ist die Zahl der Infektionen mit dem Zika-Virus bei Schwangeren abermals angestiegen. Das Land ist nach Brasilien am härtesten vom Ausbruch des Virus betroffen. Mehr

06.02.2016, 22:12 Uhr | Gesellschaft
Zentral- und Südamerika Zika-Virus breitet sich aus

Die Zahl der Infektionen mit dem Zika-Virus nimmt stetig zu. Und auch die Sorge wächst: Besonders betroffen sind Zentral- und Südamerika. Mehr

28.01.2016, 15:42 Uhr | Gesellschaft
Mercosur-Beschluss Aktionsplan gegen Ausbreitung des Zika-Virus

Nachdem sich das Zika-Virus immer weiter ausbreitet, hat der südamerikanische Wirtschaftsblock jetzt einen Aktionsplan beschlossen. Und auch in amerikanischen Bundesstaaten wird schon der Notstand ausgerufen. Mehr Von Christiane Heil, Los Angeles und Peter-Philipp Schmitt

05.02.2016, 15:33 Uhr | Gesellschaft
Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden