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Frauen mit Spielsucht : Plötzlich landest du im Tunnel

Spielautomaten bergen im Vergleich zu allem anderen – zu Poker, Lotto oder Sportwetten – das höchste Risiko, abhängig zu werden. Bild: dpa

Seit einiger Zeit werben Spielhallen besonders um Frauen – mit zweifelhaftem Erfolg: Die Zahl der Spielerinnen ist tatsächlich gestiegen. Und mit ihr die Zahl der Süchtigen. Unterwegs mit einer Frau, die ihre Sucht in den Ruin getrieben hat.

          Drei Schwerter wären jetzt gut oder fünf Hunde. Die kommen, wenn sie hart und schnell genug drückt. Daran glaubt Ulrike Menne, sie hofft es zumindest, und klopft auf der Start-Taste herum, bis ihre Fingerkuppen taub sind. Die Symbole auf dem Bildschirm stoppen: zu wenige Hunde, gar keine Schwerter. Menne schiebt einen weiteren Fünf-Euro-Schein in den Schlitz, ihren letzten, drückt auf Start. Dieses Mal versucht sie es anders: Sie hält die Taste fest und mit der anderen Hand die Hälfte der Symbole am Bildschirm zu. „Du gibst doch, du bist doch im Gebermodus“, sagt sie zu dem Automaten. Der antwortet mit demselben Geklingel wie seit Stunden schon.

          Denise Peikert

          Freie Autorin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Wenn Menne später rauskommen wird aus dem Tunnel, in dem sie jetzt ist, wird sie das für Schwachsinn halten: dass es den Automaten interessiert, wie oft sie die Tasten drückt, ob sie nach jedem Freispiel das Gerät wechselt, ob Vollmond ist oder Monatsende. Ihr wird klar sein, dass sie keinen Einfluss auf das Zufallssystem hat, das dem Automaten einprogrammiert wurde. Jetzt aber, in dieser Halle, in der es komisch nach nichts riecht, glaubt Menne wenigstens über das Spiel die Kontrolle zu haben, wenn schon nicht mehr über ihr Leben.

          Schönere Hallen, besserer Service

          Ulrike Menne hat sich gewünscht, dass ihr richtiger Name in diesem Text nicht auftaucht. Man könnte meinen, dass sie als Frau eine Ausnahme in den Spielhallen ist. Bis vor zehn, zwölf Jahren war der Anteil weiblicher Spieler tatsächlich verschwindend gering. Aber dann haben viele der Spielhallen-Betreiber ihre Strategie geändert. Sie wollten, dass ihre Branche weiter wächst – und was sie taten, sprach vor allem Frauen und junge Menschen an. Es gab neue Spiele, hübschere Hallen und kostenlosen Latte macchiato statt nur der üblichen Softdrinks. Seither ist der Frauenanteil in den Spielhallen rasant gestiegen, auf mehr als 20 Prozent.

          Die Industrie hält das alles – die schöneren Hallen, den besseren Service – für das normale Verhalten normaler Unterhaltungsunternehmen. Es gebe einen natürlichen Spieltrieb, formulieren Vertreter der Branche, den könne man nicht verbieten, und nichts sei falsch daran, ihn zu bedienen. 10,89 Euro bezahlen die Kunden für eine Stunde in der Spielhalle im Durchschnitt, das hat das Fraunhofer-Institut ermittelt. So ein Besuch sei also kaum teurer als einer im Kino, argumentieren die Spielhallen-Betreiber.

          „Das sind die schlimmsten fünf Minuten, die man sich vorstellen kann“

          Für ihre Kritiker ist die Automatenindustrie dagegen alles andere als eine normale Wirtschaft. Spielautomaten bergen im Vergleich zu allem anderen – zu Poker, Lotto oder Sportwetten – das höchste Risiko, abhängig zu werden. Das hat eine selbst von der Industrie anerkannte Studie der Universität Greifswald ergeben. Wer einmal abhängig sei vom Automatenspiel, davon berichten die Suchtberater in den Hilfseinrichtungen, ruiniere sich finanziell und emotional, lüge und betrüge und werde manchmal kriminell, um sich Geld zu beschaffen. Und, so kritisiert es etwa die Drogenbeauftragte der Bundesregierung: Mit den Spielsüchtigen mache die Automatenindustrie 60 bis 80 Prozent ihres Umsatzes.

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