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Aktualisiert: 29.11.2014, 13:14 Uhr

Homöopathen gegen Ebola „Je tödlicher die Krankheit, desto mehr Quacksalberei“


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„Wir werden uns mit den homöopathischen Freiwilligen dort per Telefon, Textnachricht, Skype und Mail in Verbindung setzen, um sie anzuleiten“, versicherten die Betreiber des Homöopathie-Portals „www.flusolution.net“. Obwohl die Forschung Hahnemanns medizinischer Alternative höchstens einen Placebo-Effekt beimisst, verspricht die Website, die erwarteten westafrikanischen Erkenntnisse auch mit der Weltgesundheitsorganisation zu teilen.

„Je tödlicher die Krankheit, desto mehr Quacksalberei“

Seit dem Aufschwung am Anfang des 20. Jahrhunderts, als Hahnemanns Theorien zwischen New York und Los Angeles an fast zwei Dutzend Universitäten gelehrt wurden und mehrere hundert Apotheken seine Kügelchen anboten, zeigte sich die amerikanische Homöopathie nicht mehr so selbstbewusst. Für den Fall, dass Ebola den Mittleren Westen erreicht, werden in Illinois und Wisconsin schon homöopathische Kurse angeboten. Zudem spezialisieren sich einige Globuli-Berater derweil auf die Infektionskrankheit - vorsichtshalber.

„Wenn der Ebola-Ausbruch in Afrika der Welt irgendetwas gezeigt hat, dann die gesamte Bandbreite der Quacksalberei. Je tödlicher die Krankheit, desto mehr Quacksalberei“, schimpft der amerikanische Onkologe und Blogger David Gorski. Laut WHO starben seit Ausbruch der Seuche im Dezember fast 5800 Ebola-Infizierte. Die Gruppe „Homöopathen ohne Grenzen“, von Gorski als Kopie von „Ärzte ohne Grenzen“ belächelt, wolle ihr „Wunderwasser“ daher auch in Westafrika vertreiben.

Behörden verbieten homöopathische Behandlungen

„Warum aber sollte die Medizin beim Kampf gegen eine echte Krankheit, die durch ein echtes Virus hervorgerufen wird, an vitalistischem Zauber interessiert sein?“, fragt der Professor der Wayne State University in Detroit (Michigan). „Die echte Medizin schafft es, vielleicht jeden zweiten Patienten zu retten. Wie wir wissen, führt eine unbehandelte Ebola-Erkrankung bei neun von zehn Infizierten zum Tod. Jeder Ebola-Patient, der auf Homöopathie hereinfällt, erhöht seine Chance, zu sterben, also von 50 auf 90 Prozent. Das ist ein gewaltiger Unterschied“, sagt Gorski.

Die Nachricht, dass die liberianischen Behörden einem Team von Homöopathen, unter ihnen auch der Kalifornier Richard Hiltner und die Deutsche Ortrud Lindemann, untersagten, Infizierte mit Arsen und Schlangengift zu behandeln, dürfte den Mediziner freuen. Wie ein Sprecher des Gesundheitsamts in Monrovia der „Daily Mail“ sagte, war erst nach Ankunft der Ärzte im Ganta Hospital aufgefallen, dass sie Patienten mit Globuli behandeln wollten.

Hiltner, Lindemann und zwei weiteren Homöopathen sei daraufhin verboten worden, die Pseudowissenschaft an Liberianern zu praktizieren. Auf Drängen der Weltgesundheitsorganisation soll dem homöopathischen Spuk nun zumindest in den westafrikanischen Ebola-Regionen ein Ende bereitet worden sein.

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