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HIV-Infektion „Auch mit der Behandlung bleibt ein Restrisiko“

HIV hat durch neue Mittel seinen Schrecken verloren. “Wir können durch eine gezielte Therapie die Viruskopien unter die Grenze der Nachweisbarkeit senken“, heißt es am Uni-Klinikum Frankfurt. Aber ein Restrisiko bleibt.

© F.A.Z. Vergrößern

Ein HIV-positiver Mann hält sein gesundes Baby im Arm - mit diesem Plakat will die bundesweite Kampagne der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zum Weltaidstag am 1. Dezember auf Fortschritte in der HIV-Therapie aufmerksam machen. Auch der Nationale Aids-Beirat schreibt in einem Votum, dass „eine effektive Therapie eine HIV-Übertragung verhindert“. Die gestiegene Zahl der Neuinfektionen spricht eine andere Sprache: Laut neuesten Schätzungen des Robert-Koch-Instituts haben sich die Neuinfektionen seit den neunziger Jahren verdoppelt. Für 2012 erwartet das Institut 3400 HIV-Neuinfektionen, rund 100 mehr als im vergangenen Jahr.

“Wir können durch eine gezielte Therapie die Viruskopien unter die Grenze der Nachweisbarkeit senken“, sagt Markus Bickel, Leiter der HIV-Ambulanz am Frankfurter Universitätsklinikum. Damit tendiere die Gefahr einer Ansteckung, selbst bei Geschlechtsverkehr unter Männern, gegen null. Allerdings könne sich die Ansteckungsgefahr sehr schnell um das Vier- bis Fünffache erhöhen, zum Beispiel in Folge einer anderen Infektion.

„Ein falsches Bild vermittelt“

“Ausschluss anderer Infektionen, gute Therapie und regelmäßige Medikamenteneinnahme“ sind die Voraussetzungen, die laut Christian Setzepfandt von der Aidshilfe Frankfurt erfüllt sein müssen, damit die Gefahr einer Ansteckung auszuschließen ist. Deshalb sei ungeschützter Sex mit einem HIV-Infizierten nur auf Vertrauensbasis möglich. Auch der infizierte Bernd Aretz hat ungeschützten Geschlechtsverkehr nur in einer festen Beziehung. „In freier Wildbahn sollte man nicht zu arglos sein.“ Man müsse sich auch vor Syphilis und anderen Geschlechtskrankheiten schützen, das gelte auch für ihn als Infizierten. Mit seinem festen Partner benutzt er allerdings Kondome, aber nur, um ihm seine Angst zu nehmen. Aretz ist sich sicher: „Ich bin nicht ansteckend.“

“Aids hat durch die wirksamen Therapien in der Schwulenszene seinen Schrecken verloren“, sagt Dominik Düring von der Homosexuellenvereinigung der Lufthansa. Pharmakonzerne hätten Fotos von „gesunden, schönen Aidskranken“ in Schwulenmagazinen abgedruckt und so ein falsches Bild vermittelt. Als sicher gelte aber, dass eine Therapie zu 98 Prozent vor der Übertragung des Virus schütze, ein Kondom nur zu 97 Prozent. Das habe eine Studie belegt.

Oberarzt Bickel kennt diese Erhebung. „Sie kommt aus der Schweiz und ist nicht repräsentativ.“ Infizierte seien gefragt worden, ob sie zum Zeitpunkt der Ansteckung ein Kondom benutzt hätten. „Die meisten von ihnen geben an, das Kondom sei gerissen“, sagt der Oberarzt. „Dass sie keins benutzt haben, gestehen auch meine Patienten erst nach Jahren ein.“

Übertragung infolge Unwissenheit

Nach Angaben des niedergelassenen Infektiologen Peter Gute kommen Ansteckungen meist dadurch zustande, dass Infizierte nicht wissen, dass sie das Virus in sich tragen. Auch viele derjenigen, die vor Ablauf von drei Monaten einen Test machten, lebten in dem Irrglaube, sie seien negativ. „Jemand, der sich im Frühstadium befindet, hat rund zehn Millionen Viren im Blut“, sagt Gute. „Er zieht in dem Bewusstsein los, er sei negativ, und ist zu 100 Prozent ansteckend.“

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Dass trotz Kontrolle aller Risikofaktoren und bei regelmäßiger Einnahme der Medikamente ein Partner das Virus auf den anderen übertragen kann, zeigt ein Fall aus der Praxis von Gute im Jahr 2004. „Obwohl der HIV-Infizierte immer unter der Nachweisgrenze lag, hat er seinen Freund angesteckt“, sagt Gute. Jeder Infekt habe eine Art Fingerabdruck, deshalb habe man die Ansteckung innerhalb der Beziehung sicher nachweisen können. „Auch mit der Therapie bleibt ein Restrisiko.“

Quelle: F.A.Z.

 
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