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Freitag, 17. Februar 2012
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Hessen Wo Rauch ist

15.10.2007 ·  Nach zwei Wochen Rauchverbot fällt eine erste Bilanz schwer. Man hört von Wortgefechten, wenn sich einer nicht das Qualmen in der Kneipe verbieten lassen will. Meist reicht aber ein Verweis, je sanfter, desto wirkungsvoller, meint Helmut Schwan.

Von Helmut Schwan
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Nach zwei Wochen Rauchverbot in Hessen fällt eine erste Bilanz schwer. Zahlen vorher/nachher stehen nicht zur Verfügung, nur Eindrücke, alles sehr subjektiv. Einige meinen, es sei ihnen ein Stück Kultur verlorengegangen, wenn sie sich am Tresen nicht mehr mysteriös in Schwaden hüllen können, um die Welt zu erklären. Wie so oft im Leben merken wohl die meisten - die schweigende Nichtrauchermehrheit - kaum, was sich geändert hat. Oder sie registrieren erst am nächsten Morgen, dass sie den Pullover nun noch einmal anziehen können, obwohl er am Vorabend mit in der Kneipe war.

Wenn Wirte gegen das Rauchverbot klagen wollen, mag das ihr Recht sein - ob es gut und erfolgversprechend ist, sei dahingestellt. Von einem dramatischen Schwund der Gäste zu sprechen, wie es manch ein Verbandsvertreter tut, muss man aber wohl eher zur Kategorie bewusste Übertreibung zählen. Vermutlich werden die Deutschen mit dem Rauchverbot typisch mitteleuropäisch umgehen: Nicht ganz so lässig wie die Spanier und Italiener und nicht ganz so vergrätzt wie die Pub-Puristen von der Insel. Dort ist angeblich der Guinness-Umsatz rapide zurückgegangen, seitdem es rauchfrei getrunken werden muss.

„Du, das finde ich jetzt aber nicht so gut“

Ohnehin taugt der Alkoholumsatz wenig als Gradmesser für ein Verbot, das die Gesundheit schützen soll. Dass sich der ein oder andere erkälten wird, wenn er in den schon sehr frischen Herbstnächten zum Paffen vor die Tür muss, ist ein Risiko, das man durch Verzicht vermeiden kann.

Wo Rauch ist, ist auch Feuer: Man hört von hitzigen Wortgefechten, wenn einer sich partout nicht das Qualmen in seiner Stammkneipe verbieten lassen will. Die rüde Attacke auf einen Raucher in Frankfurt, dem die Schulter gebrochen wurde, bleibt hoffentlich ein Einzelfall. Meist reicht ein Verweis, je sanfter, desto wirkungsvoller. Wer mag sich noch eine anstecken, wenn er hört: „Du, das finde ich jetzt aber nicht so gut.“

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 14.10.2007, Nr. 41 / Seite R1
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Jahrgang 1956, Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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