http://www.faz.net/-gum-9118u

Gefährliches Oberrohr : Abgesang aufs Herrenrad

Oberrohr mit Pils: Ist das bald Geschichte? Bild: dpa

Lange galt eine eiserne Regel: Männer benötigen ein Herrenrad mit hoch sitzendem Oberrohr, Frauen ein Damenrad oben ohne. Ausgerechnet in den Niederlanden soll das jetzt ein Ende haben: Herrenräder seien zu gefährlich, sagen Kritiker.

          In keinem anderen europäischen Land hat sich die im 19. Jahrhundert entdeckte Spezies der Zweiräder mit Pedalantrieb besser ausbreiten können als in den Niederlanden. Für das Stahlross galt im Land der flachen Polder und der nicht allzu steil ansteigenden Deiche lange eine eiserne Regel: Männer benötigen ein mutmaßlich mehr Stabilität bietendes Herrenrad mit hoch sitzendem Oberrohr, Frauen dagegen ein Damenrad oben ohne – nicht nur für kleine Rockträgerinnen schon aus praktischen Gründen vorteilhafter.

          Michael Stabenow

          Politischer Korrespondent für die Europäische Union, die Nato und die Beneluxländer.

          Ausgerechnet in den „Fiets“-Stammlanden soll die klassische Zweiteilung bald der Vergangenheit angehören. Nicht, weil sie dem Grundsatz der Gleichberechtigung von Mann und Frau widerspräche. Vielmehr führen die niederländische Vereinigung für Verkehrssicherheit und die Jugendorganisation Team Alert, die dieser Tage gemeinsam den Abgesang auf das Herrenrad angestimmt haben, das Wohl der auch im Zeitalter zahlreicher hosentragender Frauen überwiegend männlichen Benutzer an.

          „Ein Kerl fährt einfach auf einem Männerrad“

          Ihre Forderung stützen die Herrenrad-Kritiker insbesondere auf Erkenntnisse des schwedischen Instituts für Verkehrssicherheitsforschung. Demnach hat, wer hoch zu Rad und mit Querstange daherkommt, ein größeres Risiko von Kopfverletzungen durch Stürze als Benutzer von Damenrädern. Besonders gilt dies offenbar für ältere Radler und – meist jüngere – Väter, die ihren Spross auf einem montierten Kindersitz transportieren. Erschwerend kommt dazu, dass bei klassischen Tourenrädern – anders als bei Rennrad oder Mountainbike – Schutzhelme in den Niederlanden nur selten zur Standardausrüstung zählen. Bei Stürzen mit Damenrädern treten im Allgemeinen eher Verletzungen am Becken oder den Schultern als am Kopf auf.

          Sicherheit gibt es auch auf dem Damenrad nicht

          Nicht nur in den Niederlanden, auch in Belgien sorgt die Debatte für und wider das Herrenrad für Wirbel. Dass Männer in der Unfallstatistik überdurchschnittlich häufig auftauchen, habe wenig mit der Form des Fahrrads zu tun, sagte Stef Willems vom belgischen Institut für Verkehrssicherheit. „Wer mehr Kilometer zurücklegt oder schneller fährt, hat ein höheres Risiko eines Unfalls mit Verletzungen“, sagte er dem „Standaard“. Im niederländischen „Dagblad van het Noorden“ ereiferte sich dagegen der Rentner und Herrenrad-Fan Gerrit Schuiltinga, er habe keine Zeit, sich mit dem Thema auseinandersetzen: „Ein Kerl fährt einfach auf einem Männerrad.“

          Fiets: Fahrradgarage in Utrecht

          Andererseits zeigt sich im Straßenbild, dass nicht wenige jüngere Geschlechtsgenossen dem Herrenrad abgeschworen haben. Yolanda Sjoukes, Redakteurin der Zeitung „BN De Stem“ und Mutter eines zwölf Jahre alten Jungen, hat längst eine Trendwende zum bequemeren Damenrad ausgemacht. „Jugendliche wissen das längst. Sie laufen massenhaft zum Oma-Rad über.“ Dennoch lobt sie die Vorzüge des Herrenrads: „Schön, bei dem starken Freund vorne auf der Stange zu sitzen nach einer Fete – romantischer kriegst du solche Augenblicke nicht hin.“

          Weitere Themen

          Ein Bild von den Bergen

          Fotograf in luftigen Höhen : Ein Bild von den Bergen

          Er ist eine Koryphäe in der Bergfotografie: Robert Bösch. Für seinen neuen Bildband hat er sich besonders viel Zeit gelassen. Dafür begleitete er viele Bergsteiger bei ihren Reisen – und einen ganz besonders intensiv.

          Topmeldungen

          Medizinartikel in der Praxis des Vereins A+G Armut und Gesundheit in Deutschland e.V. in Mainz.

          FAZ Plus Artikel: Krankenversicherung : Durch das Netz gefallen

          Das deutsche Sozialsystem gilt als engmaschig. Und doch gibt es sie, die Nicht-Krankenversicherten in Deutschland. Unter ihnen sind nicht nur Obdachlose und Drogenabhängige – viele kommen aus der Mitte der Gesellschaft.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.