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Heroin-Projekt Aller Mühe wert

12.02.2007 ·  Brigitte Roth

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Das Suchthilfeangebot ist von Jahr zu Jahr differenzierter geworden. Eine ärztlich kontrollierte Heroinvergabe an einen kleinen Kreis Schwerstabhängiger wäre ein weiterer Schritt auf jene Menschen zu, die trotzdem nicht zu den verfügbaren Mitteln greifen. Doch der 2002 begonnene Bundesmodellversuch, an dem auch Frankfurt teilgenommen hat, ist abgeschlossen, eine Verlängerung trotz nachgewiesener Erfolge auf Ende Juni befristet. Das wollen die Projektstädte verhindern, indem sie die Fraktionen im Deutschen Bundestag in einer gemeinsam verabschiedeten Resolution aufgefordert haben, einer gesetzlichen Regelung zur Behandlung von Schwerstabhängigen mit Heroin doch noch zuzustimmen. Aber die Unionsfraktion im Bundestag lehnt das weiter ab. Anders in Hessen, wo Ministerpräsident Roland Koch (CDU) das Heroinprojekt befürwortet und das Werben Hamburgs um eine Bundesratsinitiative unterstützen möchte.

Koch scheint zu wissen, was manchem leicht aus dem Blick gerät: Drogen, die Sucht und das Elend liegen dicht beieinander. Kein Abhängiger, der auf der Straße lebt, getrieben von seiner Rauschgiftgier wie ein gehetztes Tier, hat daran Spaß. Von ihren Gefühlen schwärmen die Konsumenten von Suchtstoffen nur am Anfang, wenn Ängste, Sorgen, Mutlosigkeit oder Verzweiflung von den Drogen zum Schweigen gebracht werden.

Abgemagerte und zitternde Menschen

Doch aus der häufigen Wiederholung dieser künstlich erzeugten Euphorie entsteht oft die Sucht. Die schlimmsten Auswüchse davon werden sehr drastisch im Frankfurter Bahnhofsviertel offenbar, wo abgemagerte und zitternde Menschen sich von einer Spritze zur nächsten schleppen, nicht wissend, wo sie die nächste Nacht verbringen.

Druckräume, in denen sie sich das Rauschgift unter hygienischen Bedingungen injizieren können, Anlaufstellen, wo sie etwas Warmes zu trinken und zu essen bekommen, wo sie duschen und sich etwas ausruhen können, Schlafplätze, wo sie sicher sind: All das ist für diese Menschen mindestens Überlebenshilfe, vielleicht auch der Einstieg zum Ausstieg. Dass um die Druckräume vor noch gar nicht langer Zeit ein erbitterter Streit zwischen politischen Parteien tobte, ist fast in Vergessenheit geraten. Inzwischen sind sie ebenso etabliert wie akzeptiert, auch wenn die Süchtigen dadurch nicht aus Frankfurts Straßenbild weggezaubert wurden. Auch die Heroinvergabe wird keine Wunder vollbringen, aber doch realistische Fortschritte. Die lohnt es zu ermöglichen.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 11.02.2007, Nr. 6 / Seite R1
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