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Hautkrebs : „Kleinkinder sollten überhaupt nicht in die Sonne“

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Immer mehr Hautkrebs: Sonnenmilch bietet nur geringen Schutz Bild: dpa

Die meisten winken ab, wenn sie Warnungen vor der Sonne hören. Doch das ist leichtsinnig: Die Haut „vergißt“ nichts, wie der alarmierende Anstieg der Hautkrebs-Fälle belegt.

          Keine andere Krebsart nimmt derzeit so stark zu wie der Hautkrebs. „Im Moment haben wir jedes Jahr eine Zunahme von sieben Prozent“, sagte die Sprecherin der Deutschen Krebshilfe, Eva Kalbheim, dem Westdeutschen Rundfunk (WDR) am Montag. Die unablässigen Warnungen von Behörden und Ärzten sowie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) finden also offenbar kein Gehör - mit fatalen Folgen.

          Denn nicht nur die Anzahl der Fälle wird kontinuierlich größer, der Hautkrebs trifft auch immer jüngere Menschen. „Heutzutage sehen wir in den Kliniken auch den bösartigen schwarzen Hautkrebs schon bei Menschen, die gerade erst 30 sind.“ Diese Entwicklung sei das Resultat des unvorsichtigen Verhaltens vor 20 bis 30 Jahren. „Was wir sehen, ist alarmierend.“

          Sonnencreme reicht nicht aus

          Für einen Schutz sei Sonnencreme nicht ausreichend, betonte Kalbheim. Diese schütze zwar vor Sonnenbrand, aber nicht zuverlässig vor Hautkrebs, wie wissenschaftliche Studien in den vergangenen Jahren gezeigt hätten. „Schäden in der Haut passieren sehr viel früher als der Sonnenbrand“, erläuterte die Medizinerin.

          Die UV-Strahlung, die direkt an die Erbsubstanz in den Hautzellen gehe, könne schon sehr früh schaden. Das daraus resultierende Hautkrebsrisiko trage ein Mensch lebenslang mit sich herum. Einen besseren Schutz biete Kleidung. Kleinkinder, deren Haut für einen Eigenschutz noch zu dünn sei, sollten sich möglichst überhaupt nicht in der Sonne aufhalten.

          UV-Strahlung: Gefahr bisher sogar noch unterschätzt

          Nach einer neuen Studie ist die Gefahr der ultravioletten Strahlung in den Sonnstrahlen sogar noch größer als bisher angenommen. Der Grund: Der international gültige UV-Index ist Ausdruck für die sonnenbrandwirksame UV-Strahlung bezogen auf eine horizontale Fläche. Da der Mensch aber nunmal keine Fläche sei, könne die Strahlungsstärke leicht doppelt so hoch sein, wie vom Index angezeigt, sagt der Leiter der Geo-Risikoforschung bei der Versicherung Münchener Rück, Peter Höppe. Er hatte mit Kollegen an der Münchner Universität eine entsprechende Studie durchgeführt. Die Meßmethode für den UV-Index lasse die Belastung bei tiefstehender Sonne weitgehend unberücksichtigt - ein Umstand, der vor allem die Werte der Sonneneinstrahlung in nördlichen Breiten verfälscht.

          Vernachlässigt werde somit auch die Wirkung der Sonnenstrahlen auf stehende, laufende oder wandernde Menschen. Daher sei auch das Risiko für bestimmte Berufsgruppen, wie etwa im Freien arbeitende Bauarbeiter, höher als bisher angenommen. Körperpartien wie Gesicht, Nacken oder Dekolleté bekämen oft mehr Strahlung ab, als der Indexwert vermuten ließe, bestätigt Henning Staiger, Medizin-Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst (DWD) in Freiburg. Als klassische Sonnenterrassen gelten bislang Kopf, Schultern oder Nasenrücken.

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