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Grippeschutz Impfstoff mit drei neuen Stämmen

23.09.2008 ·  Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt eine komplett neue Zusammensetzung des dreigeteilten Grippeimpfstoffs in diesem Jahr. Das kommt selten vor, ist aber nach Angaben des Robert-Koch-Instituts nicht besorgniserregend.

Von Peter-Philipp Schmitt
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Selten empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine komplett neue Zusammensetzung des dreigeteilten Grippeimpfstoffs für die Nördliche Hemisphäre. In den vergangenen Jahren wurde meist nur ein Impfstamm ausgetauscht, manchmal waren auch zwei neue Komponenten vonnöten.

Grundsätzlich setzt sich die Vakzine aus zwei Influenza-A-Viren – einem H1N1- und einem H3N2-Subtyp – und einem Influenza-B-Virus zusammen. Bei ihrer Empfehlung stützt sich die WHO auf die Auswertungen der Nationalen Referenzlabore ihrer Mitgliedstaaten. Sie melden, welche Viren vermehrt im Umlauf sind. Daraus ergibt sich die Impfstoffzusammensetzung des folgenden Winters.

Rund 27,5 Millionen Menschen werden zur Risikogruppe gezählt

Dass gleich drei neue Impfstämme vorgesehen sind, ist nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) in Berlin weder besorgniserregend, noch ein Anzeichen dafür, dass es in der kommenden Grippesaison besonders viele Infizierte geben muss. Eine Grippeimpfung jedoch wird auch in diesem Herbst wieder dringend all jenen Personen empfohlen, die älter als 60 Jahre sind oder bei denen schon eine Grunderkrankung besteht – dazu gehören zum Beispiel chronische Atemwegs- und Herz-Kreislauferkrankungen, Diabetes und andere Stoffwechselerkrankungen, chronische Leber- oder Nierenerkrankungen und eine HIV-Infektion.

Auch Beschäftigte in Krankenhäusern und der Altenpflege sollten sich immunisieren lassen. Insgesamt werden rund 27,5 Millionen Menschen zur Risikogruppe gezählt.

Die „Spanische Grippe“ forderte 1918/20 rund 25 Millionen Todesopfer

Die Grippesaison 2007/2008 war eine eher schwache. Genaue Todeszahlen liegen zwar noch nicht vor. Doch geht das RKI von 1,2 Millionen zusätzlichen Arztbesuchen aus (während der schweren Grippewellen 2002/2003 und 2004/2005 waren es rund fünf Millionen gewesen), gut 4500 Personen wurden zusätzlich in ein Krankenhaus eingewiesen (2002/2003 und 2004/2005 waren es etwa 30 000 gewesen). Die Krankheitslast war nach RKI-Angaben im Süden und in der Mitte Deutschlands höher als im Norden und Osten.

Unter allen vom Referenzlabor isolierten beziehungsweise feintypisierten Viren überwog im vergangenen Winter Influenza-A mit 54 Prozent (zwei Prozent waren A/H3N2, 98 Prozent A/H1N1), Influenza-B wurde bei 46 Prozent der Proben nachgewiesen. Der Virus-Subtyp H3N2 ist weniger stark verbreitet, weil er erst seit den sechziger Jahren stark zirkuliert. Er war Auslöser der Pandemie 1968/69, der sogenannten Hongkong Grippe. Ein besonders virulenter Abkömmling des Subtyps H1N1 indes hatte schon 1918/20 zur „Spanischen Grippe“ mit mindestens 25 Millionen Todesopfern geführt.

Mehr als 90 Prozent der grippebedingten Sterbefälle bei den Übersechzigjährigen

Erst im Frühjahr war der Anteil der Influenza-B-Viren stärker angestiegen, nachdem es Ende 2007 zunächst eine Influenza-A/H1N1-Welle gegeben hatte. Erstmals wurden dabei H1N1-Viren in größerem Ausmaß nachgewiesen, die aufgrund einer Mutation gegen das Grippemittel Oseltamivir, einen Neuraminidase-Hemmer, resistent sind. Der Anteil in Deutschland betrug 13 Prozent – und nimmt weiter zu.

Die WHO will im Jahr 2010 eine Impfrate von 75 Prozent unter der älteren Bevölkerung erreichen. Mehr als 90 Prozent der grippebedingten Sterbefälle ereignen sich in der Altersgruppe der Übersechzigjährigen, ihre Impfrate liegt zur Zeit nur bei etwa 50 Prozent. Das RKI geht davon aus, dass zwischen 2001 und 2007 rund 31.000 Personen, die älter als 60 Jahre waren, in Deutschland direkt oder indirekt an der Grippe gestorben sind. Durch Impfungen konnten mindestens 5300 Grippetote verhindert werden. Wäre das WHO-Ziel von 75 Prozent in den sechs Jahren schon erreicht worden, hätten wohl weitere 2800 Menschen die Influenza überlebt.

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