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Grippesaison Die Welle kommt bestimmt

 ·  Dieses Jahr spricht einiges für eine frühere und stärkere Grippesaison als im vergangenen Winter. Noch fehlt es zwar an Grippeimpfstoff, doch für eine Impfung bleibt genügend Zeit.

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© Eilmes, Wolfgang Empfohlen wird die Grippeimpfung für junge Menschen mit einer bestehenden Grunderkrankung

In manchen Regionen Deutschlands hat die Grippesaison angeblich schon begonnen. In Baden-Württemberg zum Beispiel verzeichnete das Landesgesundheitsamt in den vergangenen Tagen die ersten sieben Fälle von „echter Grippe“ oder Influenza. Das ist nach Meinung der Sozialministerin Katrin Altpeter (SPD) möglicherweise ein Hinweis auf einen frühen Beginn der „Influenzawelle“. Die bricht gewöhnlich erst im Januar über Deutschland herein, manchmal auch schon vor Weihnachten. Gemeinhin bleibt also genügend Zeit, um sich zwischen September und November gegen die jeweils in Umlauf befindlichen Grippeviren impfen zu lassen.

Allerdings nur, wenn der Impfstoff rechtzeitig zur Verfügung steht. In diesem Jahr könnte es eng werden, und das nicht nur, weil einige Fachleute eine frühere und stärkere Influenzasaison als im vergangenen Winter heraufziehen sehen. Die Hersteller der Vakzinen haben Lieferschwierigkeiten. Schon seit Mitte September fehlt es ausgerechnet an einem Impfstoff, der in einigen Bundesländern (Hamburg, Schleswig-Holstein, Bayern) über eine gemeinsame Ausschreibung der Krankenkassenverbände bestellt wurde. Sie haben mit Novartis Vaccines aus Kostengründen einen Rabattvertrag geschlossen. Das Pharmaunternehmen kann seine Zusagen aber nun nicht einhalten.

Die Schuld liege beim Gesetzgeber

Zuletzt hieß es, dass der Impfstoff Begripal, bei dem die benötigten Impfviren noch aufwendig in Hühnereiern vermehrt werden, erst Ende Oktober oder im November im zugesagten Umfang zur Verfügung stünde. Nun gibt es zwar eine ganze Reihe anderer in Frage kommender Impfstoffe, die auch in der von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vorgegebenen Zusammensetzung vom Paul-Ehrlich-Institut (PEI) zugelassen wurden. Doch zum einen durften sie in Deutschland erst eingesetzt werden, nachdem die Kassen schließlich dem Druck nach- und alle Vakzinen freigegeben hatten. Zum anderen hatten die Hersteller dieser Konkurrenzimpfstoffe ihre Produktionen gedrosselt, als Novartis Vaccines den exklusiven Zuschlag erhalten hatte.

Die Kassenärztlichen Vereinigungen, die sowieso nicht glücklich darüber sind, dass die Kassen ihren Ärzten vorschreiben, welchen Impfstoff sie einzusetzen haben, bezeichnen die Vorgänge rund um die verzögerte Grippeschutzimpfung als „desaströs“. Die Patienten seien komplett verunsichert, die impfenden Ärzte hätten „nach wie vor keine klaren Aussagen über die Verfügbarkeit von notwendigen Impfstoffen“, ließ etwa die Kassenärztliche Vereinigung Bayern wissen. Die Schuld liege letztlich beim Gesetzgeber. Denn durch die Vorgaben bezüglich Rabattverträgen bei Arzneimitteln sei die richtige Verordnung für die Ärzte und Patienten inzwischen zu einem Glücksspiel geworden - „zu einem Glücksspiel, das wie im Falle der Grippeschutzimpfung allerdings nur Verlierer kennt“.

Der verspätete Start der Impfungen in Bayern könne auch dazu führen, dass die Zahl der Grippeerkrankungen in diesem und im nächsten Jahr merklich wachse. Tatsächlich spricht einiges für eine stärkere Grippesaison als im vergangenen Winter. So sind die Erkrankungszahlen auf der Südhalbkugel, zum Beispiel in Australien, wo der Winter gerade zu Ende geht, doppelt so hoch wie im Vorjahr, was auf eine stärkere Erkrankungswelle auch in unseren Breiten hindeuten könnte. Darüber hinaus enthält der diesjährige Grippeimpfstoff Varianten von gleich zwei Virus-Typen oder Subtypen, die neu sind.

Die Zusammensetzung des saisonalen Impfstoffs wird jedes Jahr von der WHO festgelegt. Im Verlauf der Saison 2011/2012 zirkulierte zunehmend eine Influenza-A(H3N2)-Variante, die nicht mehr optimal mit dem im Impfstoff enthaltenden Antigen für H3N2 übereinstimmte, wie das Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin mitteilt. Dadurch habe sich die Schutzwirkung des Impfstoffs verringert. Zugleich wurde ein steigender Anteil von Influenza-B-Viren nachgewiesen, die der sogenannten Yamagata-Linie angehören. Für den Impfstoff der Saison 2012/2013 wurde darum eine neue Zusammensetzung festgelegt.

Erstmals ein Lebendimpfstoff in Deutschland

Er enthält nun Antigene folgender Influenzaviren: A/California/07/2009 (H1N1)pdm09 - dies ist das Virus, das die Pandemie 2009/2010 ausgelöst hatte -, A/Victoria/361/2011 (H3N2), B/Wisconsin/1/2010. Alle in Deutschland erhältlichen Impfstoffe enthalten Antigene dieser drei genannten Virusstämme. Bis auf wenige Ausnahmen enthalten die Vakzinen keine Wirkverstärker („Adjuvanzien“). Adjuvantierte Impfstoffe bieten sich vor allem bei älteren Menschen an, weil diese oft eine verringerte Immunantwort haben. Besonders ältere und chronisch kranke Menschen sollten sich immunisieren lassen: Ihr Anteil bei den auf Influenza zurückgehenden Klinikeinweisungen und Todesfällen - in einigen Wintern sterben bis zu 20.000 Menschen in Deutschland an der Grippe - ist besonders hoch.

Aber auch bei jüngeren Erwachsenen sowie Kindern und Jugendlichen kann die durch Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch übertragene Influenza mit schweren Komplikationen verlaufen. In der aktuellen Influenzasaison steht in Deutschland erstmals ein Lebendimpfstoff (Fluenz) zur Verfügung, der für Kinder und Jugendliche im Alter von zwei bis einschließlich 17 Jahren zugelassen ist und als Nasenspray verabreicht wird. Der Lebendimpfstoff weist eine bessere Schutzwirkung vor einer laborbestätigten Influenza auf, zudem wirkt er stärker bei einem naiven Immunsystem, das bislang noch so gut wie gar nicht mit Grippeviren in Kontakt gekommen ist.

Empfohlen wird die Grippeimpfung für junge Menschen mit einer bestehenden Grunderkrankung. Und auch Schwangere sollten sich gegen Influenza impfen lassen. Noch ist genügend Zeit, sich gegen die Grippe immunisieren zu lassen. Darauf weist auch das RKI in Berlin hin. In Berlin geht man davon aus, dass alle Engpässe bis spätestens Mitte November überwunden sind. Nach der Impfung sollte das Immunsystem spätestens nach zwei Wochen einen wirksamen Schutz aufgebaut haben - also rechtzeitig vor der großen Grippewelle im Dezember. Ob der Gesetzgeber, wie von Kassenärztlichen Vereinigungen gefordert, den Paragrafen im Sozialgesetzbuch, der exklusive Rabattverträge für Schutzimpfstoffe ermöglicht, dann noch streichen wird, bleibt abzuwarten.

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Jahrgang 1967, Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

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