23.02.2005 · Die Grippe geht um: Millionen Deutsche niesen, schneutzen, husten. Doch die Grippewelle, so sagen Experten, sei erst noch im Aufbau. Besonders für Kinder und alte Menschen kann eine Erkrankung gefährlich werden.
Die Aktivität der Grippeviren hat sich in der vergangenen Woche derart erhöht, daß das Robert Koch-Institut (RKI) am Mittwoch von einer heftigen Influenza-Welle sprach. Den Angaben zufolge wurden dem Institut in der Zeit vom 11. bis 18. Februar 854 Influenza-Nachweise gemeldet. In der Vorwoche waren es noch 429 Fälle.
Die Grippe läßt derzeit Millionen von Patienten leiden. Vor allem Kinder und Jugendliche hätten sich das tückische Virus eingefangen, sagte Ute Arndt von der Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) in Marburg. In allen Altersgruppen gebe es jedoch einen steilen Anstieg der Erkrankungszahlen.
Nicht so stark wie vor zwei Jahren
„Die Welle ist noch im Aufbau. Sie ist noch nicht ganz so stark wie vor zwei Jahren, aber es ist deutlich mehr als im vergangenen Jahr.“ In der Saison 2002/2003 war eine ungewöhnlich starke Grippewelle über die Republik gerollt. Der optimale Zeitpunkt für eine Impfung sei nun verstrichen. „Der Arzt muß es aber im Einzelfall sehen“, sagte AGI-Sprecher Michael Köllstadt. Der Impfschutz baut sich erst nach ein bis zwei Wochen auf. Wegen der hohen Viruszirkulation in der Bevölkerung sei die Wahrscheinlichkeit groß, sich in dieser Zeit anzustecken.
Nur Mecklenburg-Vorpommern sei bisher „relativ verschont“ geblieben, berichtete Arndt. Während einer Influenzawelle infizieren sich nach Köllstadts Darstellung einige Millionen Menschen mit dem gefährlichen Virus.
Kein außergewöhnlich aggressives Virus
In Deutschland sterben bei einer gewöhnlichen Welle zwischen 5000 und 8000 Menschen, in der vorletzten Saison gab es rund 16 000 Todesfälle. „In diesem Bereich könnten wir uns in diesem Jahr bewegen“, sagte Köllstadt. 1995/96 waren laut AGI sogar bis zu 30 000 Menschen an den Folgen der Grippe gestorben.
Ein außergewöhnlich aggressives Virus gebe es in dieser Saison nicht, sagte Arndt. „Alle Viren, die jetzt zirkulieren, waren auch im Impfcocktail drin. Das sind Viren, die wir seit Jahren haben.“ Die Grippe hat den Daten der AGI zufolge auch Belgien, Slowenien, die Schweiz und die Niederlande fest im Griff. „Dort gab es einen sehr starken Anstieg der Erkrankungszahlen“, berichtete Arndt. In Spanien und Portugal ist die Influenza dagegen allmählich auf dem Rückzug.