23.06.2004 · Muttermilch ist der beste Indikator, um die allgemeine Belastung durch Dioxin aufzuzeigen. In Deutschland ist die natürliche Babynahrung besonders stark belastet, doch der Trend ist positiv.
Deutschland hat nach wie vor die zweithöchste Dioxinbelastung der Muttermilch in Europa. Allerdings ist die durchschnittliche Dioxinmenge von 1988 bis 2002 erheblich gesunken: Von 37 auf 12 Pikogramm (ein Billionstel Gramm) Dioxin pro Gramm Milchfett. Das berichtete die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in einem „Atlas über die Gesundheit der Kinder und die Umwelt“, der am Mittwoch in Budapest zum Auftakt einer dreitägigen Ministerkonferenz vorgestellt wurde.
Die fettreiche Muttermilch ist sehr gut geeignet, Dioxin-Rückstände im menschlichen Fettgewerbe anzuzeigen. Die Werte sind daher ein guter Indikator für die Belastung des menschlichen Organismus mit dem sogenannten Seveso-Gift. Insgesamt zeigen sinkende Dixoin-Werte in der Muttermilch also eine allgemein abnehmende Belastung durch den Giftstoff an. Nach Vorgaben der WHO gilt eine Aufnahme von eins bis vier Pikogramm pro Kilogramm Körpergewicht und Tag als tolerierbar. Gesundheitliche Schäden sind dann Fällen nicht zu befürchten.
Vergleichsweise hohe Belastung in Westeuropa
Laut dem aktuellen WHO-Atlas ist in Westeuropa die Dioxin-Belastung der Muttermilch nach wie vor mehr als doppelt so hoch wie in Osteuropa, so daß man insgesamt von einer größeren Belastung im Westen ausgehen kann. Die am stärksten belastete Milch haben die Mütter in den Niederlanden mit 18 Pikogramm Dioxin. Die geringste Belastung - sechs Pikogramm 2002 und damit halb so viel wie 1988 - wurde in Kroatien gemessen, heißt es in dem Bericht weiter.
Grund für die verringerte Dioxin-Belastung in Europa seien fortschrittliche Techniken bei der Müllverbrennung, da dieses Gift vor allem dadurch in die Umwelt gelangt sei, erklärte ein Sprecher der WHO. Weil Dioxin aber schwer abbaubar sei, bleibe es über Jahrzehnte im Nahrungskreislauf erhalten.
Auch Vegetation belastet
Ein ähnliches West-Ost-Gefälle wie bei der Muttermilch spiegelt sich auch in der Dioxin-Belastung der Vegetation wieder. In Zentralesteuropa einschließlich Griechenland sind es mehr als 1,0 Pikogramm pro Gramm Vegetation, auf dem Balkan 0,6 bis 1,0. Am wenigsten belastet ist die Natur mit diesem Gift in Spanien, auf der skandinavischen Halbinsel und auf dem Gebiet der früheren Sowjetunion, mit weniger als 0,5 Pikogramm.