02.09.2004 · Die Krankheitsfälle steigen sprunghaft, und es trifft längst nicht mehr nur ältere Menschen. Im Gegenteil: Unser Lebenswandel fördert die Ausbreitung von Diabetes.
In Deutschland droht nach Ansicht von Experten eine regelrechte Diabetes-Epidemie: Schon heute sind mehr als sechs Millionen Menschen in der Bundesrepublik am sogenannten Altersdiabetes vom Typ II erkrankt, wie die Europäische Diabetesgesellschaft (EASD) am Donnerstag vor ihrer Jahrestagung in München berichtete. Bis zum Jahr 2010 seien zehn Millionen Patienten zu erwarten. Der jüngste Typ-II-Diabetiker sei ein fünfjähriger, übergewichtiger Junge in Leipzig, sagte EASD-Vizepräsident Eberhard Standl.
Angesichts immer mehr Übergewichtiger, Diabetiker und Herz-Kreislauf-Kranker sprach der Münchner Professor von einer weltweiten „dreifachen Epidemie“. EASD-Direktor Viktor Jörgens sagte, die genauen Ursachen seien völlig unbekannt. Wenn ein Forscher erklären könne, warum junge Menschen plötzlich ihre Beta-Zellen zerstörten, müsse er den Nobelpreis bekommen. Von den Genen bis zu Viren als Ursache gebe es „die wildesten Theorien“.
Neuerung für tägliche Behnadlung angekündigt
Einen zweiten Nobelpreis werde gewinnen, wer die Ursache des sogenannten Altersdiabetes aufklären könne, sagte Jörgens. Erbanlagen spielten eine wichtige Rolle. Die Insulin-Empfindlichkeit werde offenbar schon in früher Kindheit festgelegt. Viel Bewegung und vernünftige Ernährung könnten das persönliche Diabetes-Risiko aber deutlich senken, betonten die Ärzte.
Als „Knüller“ des EASD-Kongresses kündigten die Professoren eine Studie über die Behandlung von Diabetikern an, die einen Herzinfarkt erlitten haben. 1253 Patienten waren in drei Gruppen unterteilt und zum Teil kurzfristig mit einer Traubenzucker-Insulin-Infusion behandelt worden, zum Teil langfristig und zum Teil mit herkömmlichen Medikamenten. Das Ergebnis soll am Montag veröffentlicht werden und „erheblichen Einfluß auf die tägliche Behandlung von Millionen Patienten mit Diabetes mellitus“ haben.
Die Stoffwechselstörung Diabetes führt nicht nur zu erhöhten Zuckerkonzentrationen im Blut, sondern auch zu Durchblutungsstörungen, Herzinfarkt und Schlaganfällen. In den Industrieländern ist die Zuckerkrankheit die häufigste Ursache für Erblindung bei Erwachsenen sowie einer der wichtigsten Gründe für schwere Nierenschäden. Die meisten Patienten leiden am Typ-II-Diabetes, lediglich zehn Prozent der Betroffenen - vor allem junge Menschen - haben Diabetes vom Typ I.