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Gesundheit „Ab dreißig geht es beim Mann bergab“

Männer setzen sich mit ihrem Körper oft kaum auseinander. Sollten sie aber, um gesund zu bleiben. Ein Facharzt über Muskelübungen, gefährliches Bauchfett und das Königshormon Testosteron.

© dpa Vergrößern Wohl dem, der jenseits der 30 so fit ist - viele Männer machen sich aber kaum Gedanken über ihre körperliche Konstitution

Über Männer und ihr Verhältnis zum eigenen Körper lässt sich so einiges berichten. Frank Sommer ist Experte, wenn es um das „starke Geschlecht“ geht. Der Professor leitet den ersten Lehrstuhl für Männergesundheit an der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf.

Herr Sommer, Sie sind Urologe, Sportmediziner und waren mal Hessischer Fitness-Aerobic-Meister.

Das ist schon drei Tage her.

1997, wie ist es dazu gekommen?

Reiner Zufall. Ich fand es reizvoll. Für Fitness-Aerobic braucht man Kraft, Gelenkigkeit, Koordination und eine gewisse Ausdauer. Die Kür war immerhin zwei Minuten und zehn Sekunden lang, das ist wie ein 800-Meter-Lauf. Ich habe damals viel Sport gemacht und mit 30 gemerkt, dass man einfach nicht mehr so fit ist und mehr tun muss. Und da wollte ich’s noch mal wissen, bevor es zu spät ist.

Ab wann ist es denn zu spät?

Das Erschreckende bei Männern ist ja, dass es ab dem 30. Lebensjahr bergab geht. Und aus sportmedizinischer Sicht sogar ab 25. Die Schnelligkeit nimmt ab, Muskelkraft, Muskelmasse, Herz-Kreislauf- und Lungenkapazitäten, Testosteronwerte, das sind alles parallele Kurven, die nach unten gehen.

Kann man das durch Sport aufhalten?

Ich persönlich bin der festen Überzeugung, dass man durch geringe Bewegungsausmaße im Alltag diesen physiologischen Alterungsprozess immens reduzieren kann.

Was ist das Wichtigste dabei?

Muskulatur zu erhalten hat für mich den höchsten Stellenwert im Alterungsprozess. Warum? Muskulatur ist wichtig für eine Sturzprophylaxe, und je mehr davon vorhanden ist, desto höher ist der Grundumsatz und umso mehr Fett verbrennt man. Denn der allerschlimmste Feind des „alternden“ Mannes ist das viszerale Bauchfett. Es bildet unter anderem Entzündungshormone, vor allem aber wird das Königshormon des Mannes, das Testosteron, davon abgefischt und in weibliche Hormone umgewandelt.

Was kann der Mann dagegen tun?

Zweimal in der Woche für insgesamt 20 Minuten drei Muskelgrundübungen. Als erstes: Kniebeugen, die sind super und stabilisieren auch den unteren Rücken und den Bauch. Die zweite Übung für den Rücken, die muss man sich zeigen lassen: Etwa Koffer hochheben und zu sich heranziehen bis zum Bauchnabel - vorgebeugtes Rudern wird das genannt. Die dritte Übung ist der Liegestütz, angefangen auf Knien, bis die Beine ganz gestreckt sind, dann ein Bein in der Luft oder einarmige Liegestütz. Das trainiert die Brust, den Trizeps und stabilisiert den Rumpf. Wenn Männer diese drei Übungen vernünftig umsetzen, ein Leben lang, haben sie ein Fitnesstraining, was ausreicht. Als zusätzliches Herz-Kreislauf-Training reichen die kleinen Bewegungen im Alltag völlig aus.

Sie sind der Ruin der Fitnessstudios.

Ich glaub’, dort sind andere Leute. Es hängt vom Ziel ab: Will ich auf der Alster schneller rudern als andere - oder will ich gesund sein und so wenige Probleme wie möglich haben?

Wieso ist das ein Widerspruch?

Ich habe mehrere Patienten, die sehr viel joggen, einer läuft Marathon, sogar unter drei Stunden, der war mit 36 athletisch schlank, aber abgeschlagen und müde, mit einem Libidoverlust ins Bodenlose. Und was hat er gehabt? Testosteronmangel. Deswegen war er antriebslos, hat auch in der Firma keine guten Leistungen mehr gebracht. Durch zu viel Sport kann es passieren, dass das ganze hormonelle System überfordert wird. Das kann sogar zu depressiven Störungen führen.

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Veröffentlicht: 25.08.2013, 11:23 Uhr

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