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Sagen Sie mal, Frau Doktor : Seit Jahren bin ich zu dick. Warum nehme ich nicht ab?

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Hilft das Hausmittel wirklich? Kann ich dem Gesundheitstipp meiner Nachbarin trauen? Die Ärztin und Bestsellerautorin Yael Adler antwortet auf Fragen, die Sie schon immer mal stellen wollten – ganz ohne Termin. Bild: Hans-Jörg Brehm

Übergewicht ist von vielen verschiedenen Faktoren abhängig. Neben der genetischen Veranlagung spielen auch Medikamente und Hormone eine wichtige Rolle für unsere Figur.

          Als einfache Antwort auf Ihre Frage genügen zwei kurze Sätze. Erstens: Unser Körper ist noch immer auf Steinzeit getrimmt, unser Essen aber nicht. Und zweitens: Wir bewegen uns zu wenig. Vermutlich ist das nicht wirklich neu für Sie, aber wenn wir diese zwei Gedanken verstehen und daraus kluge Verhaltensweisen ableiten, dann könnte es doch klappen mit dem Abnehmen, auch ohne Super-Power-Diät.

          Übergewicht ist von vielen Faktoren abhängig. „Der futtert einfach zu viel“ reicht als Erklärung nicht aus. Die Fettspeicherung wird von unseren Genen geprägt. Biologische Kinder übergewichtiger Eltern werden öfter dick als Kinder, die von dicken Eltern adoptiert wurden. Dennoch sind Mütter und Väter kein unausweichliches Schicksal. Die genetische Basisausstattung lässt sich durch gesunde Lebensführung günstig beeinflussen. Dazu gehört eine ausreichende Versorgung mit Mikronährstoffen – also Vitamine, essentielle Fettsäuren, Spurenelemente, Mineralien und sekundäre Pflanzenstoffe –, und dazu gehört eine ausgewogene Zusammensetzung der Darmkeime. Mit deren Effekten auf unsere Gene befasst sich die Epigenetik.

          Dr. Yael Adler, Fachärztin für Dermatologie, Venerologie, Phlebologie und Ernährungsmedizin. Sie ist die Autorin unserer Kolumne „Sagen Sie mal, Frau Doktor“
          Dr. Yael Adler, Fachärztin für Dermatologie, Venerologie, Phlebologie und Ernährungsmedizin. Sie ist die Autorin unserer Kolumne „Sagen Sie mal, Frau Doktor“ : Bild: Jenny Sieboldt

          Medikamente und Hormone verändern ebenfalls unsere Figur. Die Kraft der Hormone kann man gut in der Pubertät beobachten, wenn Östrogene dem gerade noch knabenhaften Mädchen zu weiblichen Rundungen verhelfen. Wer eine Schilddrüsenunterfunktion hat, also einen Mangel an Schilddrüsenhormonen, der nimmt zu. Auch das Wachstumshormon Insulin-like growth factor 1 kann uns dick machen. Es wird besonders dann ausgeschüttet, wenn sich unsere Kost sehr von der einstigen Steinzeitnahrung unterscheidet.

          Mehr als ein Glas Milch am Tag, reichlich Kohlenhydrate, Zucker und kalorienreiches Fastfood sind garantierte Dickmacher. Auch das Hormon Cortisol kann für eine kräftige Gewichtszunahme sorgen. Wer Kortisontabletten einnehmen muss, lagert nicht nur Wasser ein, er bekommt auch großen Hunger und setzt deshalb echtes Fett an. Mediziner nennen das Resultat sehr unschön Stammfettsucht, Stiernacken und Vollmondgesicht.

          Ab 30 Jahren beginnt der Körper langsam abzubauen

          Auch das körpereigene Cortisol kann Probleme verursachen. Es wird bei Dauerstress verstärkt aus der Nebenniere freigesetzt, ebenso bei schlechtem Schlaf und bei Menschen, die nachts schnarchen und Atemaussetzer haben. Diese nächtliche Belastung ist ein echter Dickmacher.

          Auch unsere Darmflora beeinflusst unser Gewicht. Antibiotika und zuckerhaltige industrialisierte Nahrung verändern die Zusammensetzung unserer Darmbakterien. Krankmachende Bakterien können sich vermehren und schützende werden zurückgedrängt. Viele fettleibige Menschen weisen im Stuhl eine bis zu zweihundertfache Konzentration der Bakterienart Firmicutes auf. Das sind besonders rege Gesellen, die aus kaum verwertbaren Ballaststoffen weiter fleißig Kalorien herauslösen. Da wird selbst das Salatblatt zur Kalorienbombe.

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