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Mutter-Kind-Kuren : Wer hat Anspruch darauf?

  • -Aktualisiert am

Über 100.000 Mutter-Kind-Kuren werden pro Jahr gebilligt. Bild: dpa

Mutter-Kind-Kuren sind in Zeiten von Burn-out und Stress wieder gefragt, auch von Vätern. Ein Überblick über die wichtigsten Fragen und Antworten.

          Die ersten „Mütter-Erholungskuren“ unter dem Dach des Müttergenesungswerks gab es 1950, nachdem die gemeinnützige und spendensammelnde Stiftung von Elly Heuss-Knapp gegründet wurde, der Frau des ersten Bundespräsidenten Theodor Heuss. Aber erst 1989 wurde das Recht auf eine Kur auch gesetzlich verankert.

          Heute sind Kuren für Eltern wieder stark nachgefragt. Der ständige Zeitdruck, Selbstzweifel und der Stress, Job und Familie zu vereinbaren, rufen bei einigen Eltern Erschöpfungssyndrom und Überlastung hervor. Doch viele dieser belasteten oder gar kranken Eltern wissen überhaupt nicht, dass sie einen Anspruch auf eine Kur haben. Gerade Väter fragen nach so etwas nur selten. Dabei sprechen Experten heute immer häufiger nicht mehr von der Mutter-Kind-Kur, sondern von Eltern-Kind-Kuren. Wir beantworten deshalb hier die häufigsten Fragen zu dieser Form der Auszeit.

          Was ist eine Eltern-Kind-Kur?

          Eine medizinische Maßnahme für Eltern mit gesundheitlichen Problemen, die in Zusammenhang mit dem Alltag als Mutter oder Vater stehen. Das sind heute vor allem psychische Beschwerden, etwa durch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie die neue Rollenverteilung zwischen Mann und Frau. „Umfragen zeigen, dass junge Mütter und Väter sich eine Familie, Kinder und ein gleichberechtigtes, partnerschaftliches Zusammenleben wünschen“, sagt Anne Schilling, Geschäftsführerin des Deutschen Müttergenesungswerks. „Aber kaum ist das erste Kind auf der Welt, fallen viele Paare wieder in die traditionelle Rollenverteilung zurück.“ Ständige Verfügbarkeit, das Zurückstellen eigener Bedürfnisse und die gesellschaftlichen Erwartungen in puncto Berufstätigkeit belasteten dann doch vor allem Mütter.

          Welche Kuren gibt es?

          Stationäre Vorsorge- und Rehabilitationsmaßnahmen. Der Arzt verordnet die Maßnahme, die seiner Ansicht nach sinnvoller ist. Um eine Vorsorgemaßnahme handelt es sich, wenn aufgrund bestimmter Faktoren das Risiko besteht, dass ein Elternteil erkrankt oder die Kindesentwicklung beeinträchtigt wird. Rehabilitationsmaßnahmen sind für Eltern gedacht, die bereits gesundheitliche Beeinträchtigungen haben, die sich im Familienalltag auswirken. Eltern können sowohl mit Kind als auch ohne Kind in Kur gehen. Manche Kinder (bis 12 Jahren) sind nur begleitend dabei, andere werden ebenfalls zur Behandlung mit aufgenommen. Auch Väter können eine Kur beantragen, wenn sie Erziehungs- und Familienverantwortung haben.

          Wer hat einen Anspruch auf eine Kur?

          Laut Müttergenesungswerk haben derzeit rund 90 Prozent der behandelten Mütter ein Erschöpfungssyndrom bis hin zum Burn-out. Die meisten Eltern leiden zudem an Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen und Rückenbeschwerden, viele auch an Kopfschmerzen, Gereiztheit und Atemwegsbeschwerden. „Wichtig ist, dass die Symptome im Zusammenhang mit der Erziehungsverantwortung stehen“, so Schilling. „Wer ,nur‘ viel Stress im Büro hat, wird keine Kurmaßnahme bewilligt bekommen.“

          Wann wird eine Kur genehmigt?

          Gesetzlich Versicherte gehen als Erstes zu einem Arzt, der ein Attest ausstellen muss. Das wird an die Krankenkasse geschickt, die die Maßnahme komplett finanziert (mit Ausnahme einer gesetzlich geregelten Zuzahlung von 10 Euro pro Tag) und die Kur auch genehmigen muss. Die Kassen prüfen, ob die Voraussetzungen gegeben sind und es ausreichende Gründe gibt. Diese können zusätzlich zum medizinischen Bereich etwa in den Lebensumständen oder einer schwierigen Familiensituation liegen.

          Wie strikt sind die Krankenkassen?

          2015 betrug die Ablehnungsquote 11 Prozent, 2012 wurde mehr als ein Drittel der Anträge zurückgewiesen. Bis 2002 waren Mutter-Kind-Kuren nur freiwillige Leistungen der Krankenkassen. Seither wurde die Vollfinanzierung Pflichtleistung. 2011 beschäftigte sich der Bundesrechnungshof mit der damals hohen Ablehnungsquote der Kassen: „Es ist aus unserer Sicht problematisch, dass die Kassen, die die Kurmaßnahmen finanzieren, auch über die Bewilligung der Mutter-Kind-Kurmaßnahmen entscheiden.“ Die Zahl der genehmigten Kuren schwankte in den vergangenen Jahren zwischen etwa 110.000 und 135.000.

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