Home
http://www.faz.net/-guw-74bxr
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
50 plus

Forschung Menschen werden immer dümmer

Die Intelligenz der Menschen stieg nach Angaben eines Entwicklungsbiologen jahrtausendelang an. Ein amerikanischer Forscher relativiert diese Erkenntnis nun und schreibt den Menschen der Antike einen höheren Intellekt zu als der lebenden Bevölkerung.

© dpa Vergrößern Laut Gerald Crabtree büßt die Menschheit seit bereits 120 Generationen Intelligenz ein.

Die durchschnittliche Intelligenz des Menschen schwindet allmählich - das behauptet zumindest ein amerikanischer Forscher. Seine Begründung: Vor Tausenden Jahren, als die Menschen noch in kleinen Gruppen durch die Wildnis streiften, waren intellektuelle Fähigkeiten entscheidend zum Überleben eines jeden Menschen. Doch seit die Menschheit Ackerbau betreibe und in größeren Gemeinschaften zusammenlebe, sei die Intelligenz des Einzelnen weniger wichtig geworden, schreibt der Entwicklungsbiologe Gerald Crabtree von der kalifornischen Stanford University im Fachblatt „Trends in Genetics“.

Die menschliche Intelligenz hänge von rund 2000 bis 5000 Genen ab. Diese Erbanlagen für das Gehirn seien Studien zufolge besonders anfällig für Mutationen, schreibt Crabtree. Er vermutet, dass die Menschheit in den vergangenen 120 Generationen - also etwa 3000 Jahren - Schritt für Schritt an Intelligenz einbüßte. Bekämen wir heutzutage Besuch von einem Bürger aus dem antiken Griechenland, so wäre der Zeitreisende uns intellektuell weit überlegen: Er wäre einfallsreicher und hätte ein besseres Gedächtnis.

Crabtrees These: Wer sein Gehirn früher nicht nutzte, konnte sich nicht ernähren oder vor wilden Tiere schützen. Nur die Klügsten überlebten. Dieser Selektionsdruck ließ die menschliche Intelligenz stetig steigen. Nach der Entwicklung der Landwirtschaft lebten Menschen dagegen in größeren Gruppen zusammen, die auch schwächere Individuen unterstützten. Wichtiger als die Intelligenz war nun laut Crabtree für den Einzelnen die Eigenschaft, sich vor Krankheiten zu schützen, die in größeren Gruppen häufiger auftreten.

Er widerspricht damit Studien, denen zufolge der durchschnittliche Intelligenzquotient seit Anfang des 20. Jahrhunderts von Generation zu Generation stieg. Dieses Phänomen wurde nach dem Intelligenzforscher James Robert Flynn als Flynn-Effekt bekannt. Doch Crabtree relativiert dies: Die Steigerung gehe von einem niedrigen Niveau aus. Außerdem sei die Zunahme durch bessere Bildung bedingt, nicht durch genetische Mutationen.

Quelle: dpa

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Zukunft der Arbeit Aufmarsch der mechanischen Türken

Wo Computer patzen, beschäftigen Internetfirmen Millionen von Akkordarbeitern. Doch dieses Milliardengeschäft wird von Ausbeutern beherrscht. Ein Sammelband schlägt Alarm. Mehr Von Stefan Schulz

20.11.2014, 14:27 Uhr | Feuilleton
Kletterkünstler Machen wir’s den Geckos nach

Sie sind wahre Kletterkünstler. Mühelos wandern Geckos senkrechte Wände hoch, als ob es für sie keine Schwerkraft gäbe. Dank einer Erfindung werden auch wir Menschen womöglich bald diese Fähigkeit besitzen. Mehr Von Manfred Lindinger

19.11.2014, 22:42 Uhr | Wissen
Zweifel mit 29, 39, 49 Jahren Das Ende eines Lebensjahrzehnts lässt grübeln

Runde Geburtstage sind nicht für jeden ein Grund zum Feiern. Oft bilanzieren Menschen ihr Dasein in den Monaten davor besonders eindringlich, fanden Forscher heraus. Hinzu komme eine Neigung zu Extremen. Mehr

18.11.2014, 12:00 Uhr | Wissen
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 14.11.2012, 11:46 Uhr

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden