http://www.faz.net/-gum-74bxr
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 14.11.2012, 11:46 Uhr

Forschung Menschen werden immer dümmer

Die Intelligenz der Menschen stieg nach Angaben eines Entwicklungsbiologen jahrtausendelang an. Ein amerikanischer Forscher relativiert diese Erkenntnis nun und schreibt den Menschen der Antike einen höheren Intellekt zu als der lebenden Bevölkerung.

© dpa Laut Gerald Crabtree büßt die Menschheit seit bereits 120 Generationen Intelligenz ein.

Die durchschnittliche Intelligenz des Menschen schwindet allmählich - das behauptet zumindest ein amerikanischer Forscher. Seine Begründung: Vor Tausenden Jahren, als die Menschen noch in kleinen Gruppen durch die Wildnis streiften, waren intellektuelle Fähigkeiten entscheidend zum Überleben eines jeden Menschen. Doch seit die Menschheit Ackerbau betreibe und in größeren Gemeinschaften zusammenlebe, sei die Intelligenz des Einzelnen weniger wichtig geworden, schreibt der Entwicklungsbiologe Gerald Crabtree von der kalifornischen Stanford University im Fachblatt „Trends in Genetics“.

Die menschliche Intelligenz hänge von rund 2000 bis 5000 Genen ab. Diese Erbanlagen für das Gehirn seien Studien zufolge besonders anfällig für Mutationen, schreibt Crabtree. Er vermutet, dass die Menschheit in den vergangenen 120 Generationen - also etwa 3000 Jahren - Schritt für Schritt an Intelligenz einbüßte. Bekämen wir heutzutage Besuch von einem Bürger aus dem antiken Griechenland, so wäre der Zeitreisende uns intellektuell weit überlegen: Er wäre einfallsreicher und hätte ein besseres Gedächtnis.

Crabtrees These: Wer sein Gehirn früher nicht nutzte, konnte sich nicht ernähren oder vor wilden Tiere schützen. Nur die Klügsten überlebten. Dieser Selektionsdruck ließ die menschliche Intelligenz stetig steigen. Nach der Entwicklung der Landwirtschaft lebten Menschen dagegen in größeren Gruppen zusammen, die auch schwächere Individuen unterstützten. Wichtiger als die Intelligenz war nun laut Crabtree für den Einzelnen die Eigenschaft, sich vor Krankheiten zu schützen, die in größeren Gruppen häufiger auftreten.

Er widerspricht damit Studien, denen zufolge der durchschnittliche Intelligenzquotient seit Anfang des 20. Jahrhunderts von Generation zu Generation stieg. Dieses Phänomen wurde nach dem Intelligenzforscher James Robert Flynn als Flynn-Effekt bekannt. Doch Crabtree relativiert dies: Die Steigerung gehe von einem niedrigen Niveau aus. Außerdem sei die Zunahme durch bessere Bildung bedingt, nicht durch genetische Mutationen.

Quelle: dpa

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Technologischer Fortschritt Macht uns Google dumm?

In einer smarten Welt muss man sich fragen, ob der Mensch intelligenter wird – oder ob er dabei ist, wichtige Kulturtechniken zu verlernen. Zum Beispiel, seinen eigenen Weg zu finden. Mehr Von Adrian Lobe

23.07.2016, 15:53 Uhr | Feuilleton
Fahrbericht Toyota Prius

Der Toyota Prius ist Vorreiter einer ganzen Generation Autos. Als Hybrid-Pionier führte der Prius lange die Spitze dieser Gruppe an. Doch die anderen Autobauer haben aufgeholt. Kann die vierte Generation Prius da noch mithalten? Mehr

25.07.2016, 14:22 Uhr | Technik-Motor
Tomaten aus dem Freiland Die Liebesäpfel sollen härter werden

Dank Genforschung könnten Tomaten bald wetterfest werden. Ob das große Produzenten zum Freiland-Anbau ermutigen wird, ist jedoch fraglich. Mehr Von Diemut Klärner

22.07.2016, 14:44 Uhr | Wissen
Waffengewalt Tote nach Schießerei in amerikanischem Nachtclub

In Fort Myers im Bundesstaat Florida sind mehrere Menschen durch Schüsse getötet oder verletzt worden. Sie hielten sich nachts vor und in einem Club bei einer Party für junge Menschen auf. Mehr

25.07.2016, 17:26 Uhr | Gesellschaft
Frankfurter Mainufer Junger Mann bei Messerstecherei schwer verletzt

Ein junger Mann ist am Frankfurter Mainufer durch Messerstiche schwer verletzt worden. Anlass soll ein Streit zwischen zwei Gruppen gewesen sein. Die Polizei forscht nach den Details. Mehr

25.07.2016, 15:07 Uhr | Rhein-Main
Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden