18.10.2005 · Vom „Ekelfaktor“ abgesehen, so Bayerns Umweltminister Schnappauf, habe es im bayerischen Fleischskandal keine Gesundheitsgefahr für Verbraucher gegeben. Wer Hühnersuppe aus Geflügelabfällen schon gegessen hat, hat da womöglich seine Zweifel.
Im Fleischskandal um falsch deklarierte Schlachtabfälle hat das bayerische Umweltministerium am Dienstag erstmals Produktnamen genannt. Zwischen Dezember 2004 und Februar 2005 habe die Firma Rottaler Geflügelprodukte im niederbayerischen Gangkofen Lebensmittel aus Geflügelabfällen hergestellt, sagte Umweltminister Werner Schnappauf (CSU) in München.
Die Produkte wurden vertrieben unter dem Handelsnamen „Gelha Hühnerklein“ und „Gelha Hühnersuppentopf“ und haben eine Haltbarkeit von 18 Monaten. Die Ware wurde an Abnehmerfirmen in neun Bundesländer geliefert.
Zurück in den Supermarkt
Verbraucher sollten die Produkte zurück in die Supermärkte bringen, empfahl Schnappauf. Ein Teil der Ware dürfte aber bereits verzehrt worden sein. Gesundheitsgefahr besteht im diesem Fall nicht. „Abgesehen von dem Ekelfaktor“ seien die Produkte gesundheitlich
unbedenklich.
Die niederbayerische Firma hatte die Ware von einer Deggendorfer Firma gekauft. Nach der Anlieferung sei das Material vom Veterinär kontrolliert worden, teilte die Firma Rottaler mit. „Wir sind der Überzeugung, daß zu keinem Zeitpunkt eine Gefährdung der Verbraucher bestand, da der Verarbeitungsprozeß sicherstellt, daß keinerlei Gesundheitsgefährdung entstehen kann“, sagte Schnappauf.
Ermittlungen in 50 Fällen
Die Produkte „Hühnerklein“ und „Hühnersuppentopf“ wurden an Firmen in Sachsen-Anhalt, Hamburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Thüringen und Baden-Württemberg geliefert. Bei den Ermittlungen zeige sich die Firma sehr kooperativ, betonte Schnappauf.
Am Montag hatte das Amtsgericht Memmingen schon Haftbefehl gegen den Hauptverdächtigen im Fleischskandal, den Geschäftsführer der Deggendorfer Firma, erlassen. Ihm wird vorgeworfen, in mehr als 50 Fällen ungenießbares Fleisch in den Verkehr gebracht und als genußtauglich an mehrere Firmen in Deutschland mit hohem Gewinn weiterverkauft zu haben. Er soll allein rund 120.000 Kilo Schweineschwarten in mehreren Lieferungen an eine Firma in Rheinland-Pfalz als eine zum menschlichen Verzehr geeignete Ware verkauft haben. Die Firma habe daraus Speisegelatine hergestellt und weiterverkauft. Namen und Anschrift der Firma sei den Behörden in Rheinland-Pfalz bereits mitgeteilt worden, sagte Schnappauf.
Weitere Namen nur bei konkretem Verdacht
Die Namen der übrigen beteiligten Firmen im Fleischskandal will das Umweltministerium zunächst nicht bekannt geben. „Wir können nicht mit Verdächtigungen arbeiten und den guten Ruf einer Firma auf Jahre hin beschädigen“, sagte Schnappauf. Nur wenn ein konkreter Produktname bekannt sei, könne dieser veröffentlicht werden. Um die Bekanntgabe der Namen war ein Streit zwischen dem Bund und Bayern entbrannt.