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FAZ.NET-Spezial Koreanischer Klonforscher der Fälschung überführt

23.12.2005 ·  Der südkoreanische Klonforscher Hwang Woo-suk hat eingestanden, die Ergebnisse seiner im Mai veröffentlichten Studie über Stammzellen manipuliert zu haben. Die Fälschung ist ein Rückschlag für all diejenigen, die große Hoffnungen in die Forschungsergebnisse zur Behandlung schwerer Krankheiten gesetzt hatten.

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Der koreanische Klonforscher Hwang Woo-suk ist der vorsätzlichen Fälschung von wissenschaftlichen Daten überführt und von seinem Führungsposten an der Nationaluniversität von Seoul zurückgetreten. Das ist das Folge eines ersten Berichtes, den das von der Universität eingesetzte siebenköpfige Untersuchungsgremium am Freitag vorgestellt hat.

Hwang entschuldigte sich „für den Schock und die Enttäuschung“, die er verursacht habe. Gleichzeitig betonte er jedoch, er habe die Technik entwickelt, um Stammzellen von Patienten zu isolieren. „Das werden Sie sehen“, sagte der Forscher. Die Veröffentlichung Hwangs und seiner amerikanisch-koreanischen Gruppe im Mai diesen Jahres in der Zeitschrift „Science“, in der zum erstenmal über die Herstellung von „patientenspezifischen embryonalen Stammzellen“ und damit der erste Nachweis für die Machbarkeit des sogenannten therapeutischen Klonens berichtet wurde, ist nach Auffassung der Prüfkommission „vorsätzlich manipuliert“ worden.

Mitarbeiter zur Manipulation gedrängt

Wochenlang waren immer neue Gerüchte und zuletzt konkrete Hinweise von Mitarbeitern Hwangs bekannt geworden, die auf Manipulationen hindeuteten. Vor drei Wochen schließlich hatte der zweiundfünfzigjährige Wissenschaftler, der wegen seiner wissenschaftlichen Durchbrüche beim Klonen innerhalb kürzester Zeit weltberühmt geworden war und in seiner Heimat zahlreiche Privilegien genoß, ein erstes Lügengeständnis abgelegt. Er hatte von den ethisch fragwürdigen Eizellspenden zweier seiner Mitarbeierinnen entgegen früheren Beteuerungen längst Bescheid gewußt.

Nachdem dann vor knapp einer Woche darüber spekuliert wurde, daß Hwang mindestens einen seiner Mitarbeiter zur Manipulation von Zellkulturen und Fotografien gedrängt hatte und zudem einer der Mitautoren der „Science“-Veröffentlichung öffentlich über die Manipulation von neun der elf durch Klonen erzeugten Stammzelllinien sprach, setzte Hwangs Arbeitgeber eine Untersuchungskommission ein.

Weitere Arbeiten überprüfen

Die kam nun in ihrem Zwischenbericht zu dem Ergebnis, daß zum Zeitpunkt der Veröffentlichung tatsächlich nicht elf, sondern nur zwei Stammzellinien vorhanden gewesen waren. Nur deren Existenz sei durch genetisches Fingerprinting belegt worden. Ob die Stammzellen allerdings tatsächlich durch Klonen aus den Hautzellkernen von Patienten gewonnen wurden, ist nach wie vor unklar. Das soll nun durch weitere Analysen geprüft werden. Die Zellkulturen waren offenkundig im Labor geteilt und unterschiedlichen Patienten zugeschrieben worden.

Hwang gab nach der Enthüllung seinen Rückzug von der Universität bekannt, bestand jedoch darauf, die Technik des therapeutischen Klonens als solche entwickelt zu haben. Die Seouler Kommission will nun auch die anderen Arbeiten Hwangs überprüfen, wozu die erste Klonierung eines Hundes zählte.

Kein „Top-Wissenschaftler“ mehr

Die Regierung kündigte indes disziplinarische Schritte an. Der stellvertretende Minister für Wissenschaft und Technologie, Choi Seong Sik, sagte, es sei unmöglich, die an Hwang gezahlten 405 Milliarden Won (knapp 34 Millionen Euro) zurückzubekommen.

Man werde jedoch die Finanzierung anderer Projekte prüfen und Hwang die Auszeichnung als „Top-Wissenschaftler“ entziehen, die er als erster Forscher überhaupt erhalten hatte. Komplett zurückziehen aus der Stammzellenforschung will sich Seoul aber nicht.

Wie ein Popstar gefeiert

Hwang wurde in Südkorea in den vergangenen Jahren wie ein Popstar gefeiert. Die Regierung verlieh im den Titel „Top-Wissenschaftler“, die Medien bezeichneten ihn als „Stolz Koreas“. Die staatliche Fluggesellschaft Korean Air spendierte ihm und seiner Ehefrau zehn Jahre lang Gratisflüge in der ersten Klasse.

Der Forschungszweig ist mit vielen Hoffnungen verbunden, weil sich Stammzellen in jede beliebige Zelle des Körpers verwandeln können. Experten hoffen, daß sich mit Stammzellen schwere Krankheiten wie Alzheimer und Parkinson behandeln lassen könnten.

Quelle: jom. / Frankfurter Alllgemeine Zeitung, 24.12.2005 / FAZ.NET
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