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Ernährung Hamburger statt Magerquatsch

22.09.2006 ·  Dank des Fernsehkochs Jamie Oliver gibt es an britischen Schulen jetzt gesünderes Essen. Das kommt aber nicht bei allen Schülern gut an. Mit dem Ergebnis, daß Eltern ihren Kindern die fettige Kost zur Schule karren.

Von Claudia Bröll, London
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Nach jahrelangen Kampagnen hatte es der britische Fernsehkoch Jamie Oliver endlich geschafft, daß in britischen Schulen gesünderes Essen serviert wird. Und jetzt machen ihm ausgerechnet diejenigen einen Strich durch die Rechnung, die von dem Gesundheitsprogramm profitieren sollten: die Schüler. Seit sie in den Schulen nicht mehr ihre Lieblingssnacks kaufen können, decken sich viele außerhalb der Schule mit Schokoriegeln und Chips ein.

Die Betreiber von Schulkantinen beklagen schon Umsatzeinbußen und fordern als Ausgleich mehr Geld vom Staat - sonst würden sie die Verträge kündigen. Einige Schulen sollen schon mit Imbißbudenbesitzern Gespräche führen: Die Nachfrage nach den verbannten Gerichten ist so groß, daß sie vielleicht bald vor den Schulen zu haben sind.

Müsliriegel statt Schokolade

Das Schulessen ist ein heißes Thema auf der Insel, seit Oliver in seinen Fernsehsendungen Schulen an den Pranger stellte, die den Kindern nur Fast food und selten ein warmes Essen servierten. Viele Kinder, die in den Sendungen auftraten, konnten Kartoffeln und Brokkoli nicht benennen. Die Appelle des marketingversierten Kochs fanden nach einer Unterschriftenaktion, an der sich 300 000 Eltern beteiligten, auch bei der Regierung Gehör.

Die Schulen erhalten jetzt mehr Geld vom Staat, wenn sie statt Hamburgern Gemüselasagne anbieten. Fast food, Süßigkeiten, Cola oder Chips sind vom Speiseplan verbannt. Zum Essen gibt es Brot und Wasser. Mindestens einmal alle drei Wochen bekommen die Kinder ölhaltigen Fisch serviert. Von September nächsten Jahres an muß auch die Schokolade in Automaten Müsliriegeln weichen. Die britische Regierung hofft, auf diese Weise die weitverbreitete Dickleibigkeit unter Jugendlichen einzudämmen. Jeder fünfte Junge und jedes vierte Mädchen auf der Insel kämpft mit Übergewicht.

Fast-food-Lieferung am Zaun

Doch der Wandel in den Schulkantinen trifft nicht nur unter den Schülern auf wenig Begeisterung, auch einige Eltern protestieren. Zwei Mütter von Schülern der Rawmarsh-Gesamtschule in Rotherham versorgen ihre Kinder und deren Freunde jeden Tag mit "Fish 'n' Chips", Burgern und Cola von einem nahe gelegenen Imbißstand. Schon morgens nehmen sie Bestellungen auf, karren die fettige Kost mittags in einem alten Supermarktwagen zur Schule und reichen sie den begierigen Schülern über den Zaun. Geld verdienen sie damit nicht.

Die Mütter wollen nach eigenem Bekunden nur sicherstellen, daß die Kinder etwas Anständiges zu essen bekommen. Den "überteuerten mageren Quatsch" in der Schule wolle doch keiner essen: "Es ist alles die Schuld von diesem Jamie Oliver. Er läßt unsere Kinder immer wählerischer werden, wenn es um das Essen geht. Seinen eigenen Kindern kann er ja geben, was er will, aber er sollte akzeptieren, daß andere Eltern anders denken." Der Service kommt gut an. Etwa 60 Schüler stehen jeden Mittag am Zaun und warten auf die Fast-food-Lieferung. Der Schuldirektor zeigt sich ratlos. Er könne nicht verstehen, weshalb Schüler das gesunde, frisch zubereitete Essen in der Schulkantine verschmähten.

Quelle: F.A.Z., 22.09.2006, Nr. 221 / Seite 7
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