Bayern, Baden-Württemberg, Österreich, die Schweiz, die baltischen Staaten, Slowenien und die Tschechische Republik sind nach der Definition des Robert-Koch-Instituts in Berlin Risikogebiete der Frühsommer-Meningitiserkrankung FSME. Bayern gilt insgesamt als Risikogebiet, ebenso ist das gesamte Gebiet Baden-Württembergs eine FSME-Risikozone, abgesehen von drei Landkreisen im Osten.
Wer in diesen Risikozonen Urlaub macht oder lebt und sich häufig im Freien bewegt, sollte der Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) folgen und sich impfen lassen. Verglichen mit Österreich, wo mittlerweile etwa 80 Prozent der Bürger gegen den FSME-Erreger immunisiert sind, liegt die Impfquote in Deutschland immer noch bei 20 Prozent. Das ist zu niedrig, um die Zahl der Neuerkrankungen zu senken.
Impfschäden selten
Das Deutsche Grüne Kreuz informiert in diesen Wochen deshalb vor allem in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz, Hessen und Thüringen die Bürger über die Risiken der FSME und ruft zur Impfung auf. „Wir können die Krankheit nicht behandeln, die einzige wirksame Möglichkeit, sie zu bekämpfen, ist die Impfung“, sagt Peter Kimmig, Parasitologe an der Universität Stuttgart-Hohenheim. Impfschäden träten selten auf, das Land hafte für die Impfung, und die Krankenkassen zahlten die Immunisierung mit abgeschwächten FSME-Erregern.
Im vergangen Jahr war der Impfstoff knapp geworden, bei vielen Patienten habe es nur für die erste und die zweite Impfung gereicht. „Wer innerhalb eines Jahres die zweite Impfung bekommen hat, muss die Grundimmunisierung nicht wiederholen“, empfehlen die Ärzte. Nach drei Impfungen gegen FSME ist der Behandelte bis zu fünf Jahre immun. Der Verlauf der FSME werde heftiger, je älter der Patient sei, deshalb sollten Eltern nicht nur ihre Kinder zur Impfung anmelden. Die Mediziner erwarten einen Rückgang der Erkrankungen erst, wenn in Deutschland eine ähnlich hohe Impfquote erreicht wird wie in Österreich.
Zahl der Erkrankungen weiter steigend
Seit etwa 20 Jahren nimmt die Zahl der mit FSME-Erregern infizierten Zecken zu, auch werde die Zahl der Erkrankungen weiter steigen. 1980 erkrankten in Deutschland etwa 30 Menschen an FSME, 2002 zählten die Statistiker 185 Fälle. Den Rückgang von Erkrankungen im vergangenen Jahr halten die Wissenschaftler für einen unbedeutenden Ausrutscher. FSME und die allerdings mit Antibiotika therapierbare, ebenfalls durch Zeckenstiche übertragene Borreliose blieben ein großes Problem.
Jochen Süss vom Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit hält sogar Aussagen für widerlegt, nach denen die Zeckenpopulationen nach kalten Wintern weniger groß und weniger gefährlich seien. Im Januar haben Wissenschaftler den zentraleuropäischen FSME-Erreger sogar in Südkorea identifiziert. Warum sich die Zecken vermehren und zunehmend infiziert sind, ist wissenschaftlich wenig erforscht. Die globale Klimaerwärmung trägt zu dem Phänomen bei, denn höhere Temperaturen haben eine Erhöhung der Zeckeneierproduktion zur Folge.
Fadenwürmer gegen Plage
Etwa 40 000 Menschen erkranken in Deutschland jährlich nach einem Zeckenstich an Borreliose, jede fünfte Zecke ist Trägerin des Erregers. Einen Impfschutz gibt es nicht. Die baden-württembergische Landesstiftung fördert seit einigen Jahren ein Forschungsprogramm zur Eindämmung der Zecken-Populationen. Mit Versuchen auf der Schwäbischen Alb und in der Region Hohenlohe ist es gelungen, durch extensive Weidewirtschaft die Zeckenpopulation einzudämmen. Eine intensivere Landschaftspflege mit Weidetieren – Kühen, Schafen oder Ziegen – verkleinert nach den Erfahrungen der Wissenschaftler die Zeckenpopulationen. In ersten Feldversuchen bekämpfen die Wissenschaftler des Landesgesundheitsamtes Stuttgart und der Universität Hohenheim die Zeckenplage auch mit Fadenwürmern (Nematoden).
