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Veröffentlicht: 23.02.2016, 17:09 Uhr

Erfolge in der Aids-Forschung Vaginalringe schützen vor einer HIV-Infektion

In vier afrikanischen Ländern konnten Forscher nachweisen, wie Vaginalringe beim Kampf gegen Aids helfen. Derweil haben deutsche Wissenschaftler einen vielversprechenden Gentherapie-Ansatz gegen Aids-Erreger getestet.

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© AP Ein Ring, der gegen Aids schützen kann: Forscher konnten diesen Effekt in zwei großen Studien nachweisen.

Vaginalringe, die nach und nach einen virenhemmenden Arzneistoff abgeben, können zumindest teilweise vor einer HIV-Infektion schützen. Das belegen gleich zwei neue Studien, die erstmals auch zu einem ähnlichen Ergebnis kommen. Damit ist nachgewiesen, dass das Mikrobiozid Dapivirin wirkt.

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An den beiden Studien nahmen insgesamt etwa 4600 Frauen in vier afrikanischen Ländern teil. Dank des Vaginalrings, der 25 Milligramm Dapivirin enthält und alle vier Wochen gewechselt werden muss, infizierten sich in der sogenannten Ring-Studie (Südafrika und Uganda) 31Prozent, in der Aspire-Studie (Malawi, Südafrika, Uganda und Zimbabwe) 27 Prozent weniger Frauen mit HIV als in der jeweiligen Vergleichsgruppe, die Placebos bekam.

Gerade jüngere Studienteilnehmerinnen infizierten sich dabei häufiger als ältere. Wie sich zeigte, neigten die jüngeren dazu, die Mikrobiozide nicht ordnungsgemäß zu verwenden, nachdem man ihnen gesagt hatte, sie könnten auch einen nicht wirkenden Ring erhalten. So war der HIV-Schutz bei Frauen, die älter als 25 Jahre waren, mit 67 Prozent wesentlich höher.

Mikrobiozide füllen eine wichtige Lücke

Für Renate Bähr, Geschäftsführerin der Stiftung Weltbevölkerung in Hannover, füllen Mikrobiozide eine wichtige Lücke. „Denn gegenüber Kondomen bieten sie den Vorteil, dass Frauen die Präparate unabhängig von der Zustimmung des Mannes anwenden können.“ Das sei vor allem in Afrika südlich der Sahara von zentraler Bedeutung, wo etwa 60 Prozent aller HIV-infizierten Erwachsenen – nach UN-Angaben lebten 2013 etwa 25 Millionen Infizierte im Süden Afrikas – weiblich sind.

Anders als andere vorbeugende HIV-Medikamente, die zum Beispiel in Tablettenform eingenommen werden, ist der Dapivirin-Ring noch ein experimenteller Arzneistoff, der bislang nicht zur Verfügung steht. Die Forschung müsse daher weitergehen, sagt Jared Baeten von der University of Washington, die eine der Studien leitete.

Denn auch die sogenannte Präexpositionsprophylaxe in Tablettenform erreiche die Frauen in armen Ländern bisher meist nicht. Daher müssten viele verschiedene Strategien überall auf der Welt in die Regale der Apotheken, „damit Frauen die Möglichkeit haben, frei zu wählen, was für sie wirkt und was sie einsetzen wollen“.

Neuer Gentherapie-Ansatz in Deutschland getestet

Unterdessen haben deutsche Forscher einen Gentherapie-Ansatz gegen Aids-Erreger erfolgreich im Labor getestet. Die Wissenschaftler entwickelten eine Genschere, mit der sie das Erbgut von HI-Viren aus infizierten Zellen von Patienten herausschnitten. Dies könnte die Therapie möglicherweise in einigen Jahren bereichern. Über die Arbeit berichtet das Team um Joachim Hauber vom Hamburger Heinrich-Pette-Institut und Frank Buchholz von der Technischen Universität Dresden im Fachblatt „Nature Biotechnology“.

Aids-Grundlagenforschung © dpa Vergrößern Erfolgsmeldung aus Deutschland: Der Molekularbiologe Frank Buchholz (links) und der Virologe Joachim Hauber bei der Arbeit.

Armin Schafberger, Medizinreferent der Deutschen Aids-Hilfe, bezeichnete diese Forschung als verheißungsvoll. Mit Blick auf angedachte Studien am Menschen sagte er: „Die Frage ist: Wen nimmt man da? Man braucht Menschen, die auch gewillt sind, für die Forschung Risiken einzugehen.“ Bei Eingriffen ins Erbgut bestehe immer die Befürchtung, dass das mittel- oder langfristig zu einer Krebserkrankung führen könne. Er gibt zu bedenken: „Wenn es gelingt, heißt das noch nicht, dass die Patienten kein HIV mehr haben.“

„Das ist zwar noch Grundlagenforschung, aber es wurde präklinisch an den besten verfügbaren Modellen getestet“, kommentierte Prof. Boris Fehse vom Hamburger Universitätsklinikum Eppendorf, der an der Studie nicht beteiligt war. Die genutzten CD4-Zellen des Immunsystems seien zwar nicht das einzige, aber das Hauptziel des Aids-Erregers. Versuche an Patienten könnten - sofern alles gut laufe - fünf bis zehn Jahre dauern, schätzt Fehse.

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