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Elektrosensibilität : Sind das jetzt die Webers, die mich grillen?

Frank Berner ist elektrosensibel. Die Strahlung von Handys und schnurlosen Telefonen macht ihn nach Meinung seiner Ärztin krank. Und weitere elf Prozent der Deutschen ebenfalls. Kann das sein?

          Es gibt Momente, in denen Frank Berner sich selbst überhaupt nicht mag. „Ich will nicht so sein, ich finde das ganz schrecklich“, sagt er. „Aber was ist die Alternative?“ In den Momenten, die er meint, verdächtigt der Fünfundvierzigjährige seine Nachbarn, ihm mutwillig Schaden zuzufügen, indem sie ihren WLAN-Sender einschalten oder nicht ausschalten, sobald sie das Haus verlassen. „Ich sehe dann: Okay, jetzt kommen die Müllers* nach Hause, jetzt werde ich gleich wieder getoastet. Oder ich überlege: Haben die Meiers ihren Sender eigentlich abgeschaltet, als sie vorhin weggefahren sind? Oder sind das jetzt die Webers, die mich grillen? Wo ist Licht an? Wo steht ein Auto auf dem Hof? Fürchterlich.“ Er schüttelt den Kopf darüber, wie weit es mit ihm gekommen ist.

          Katrin Hummel

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Nichts von dem war vorherzusehen. Hätte ihm jemand vor elf Jahren gesagt, dass er seine gutbezahlte Stelle als gastronomischer Leiter bei einem großen Frankfurter Eventcaterer aufgeben und bei seinen Eltern in Stuttgart wieder einziehen würde, hätte er nur gelacht. Seit November aber wohnt er tatsächlich im Gästezimmer seiner Eltern, seine eigenen Möbel sind eingelagert, seine Traumwohnung - hohe Decken, Eichendielen, weiß verputzte Wände und Ausblick - hat er gekündigt. Beruflich läuft es zwar, Berner ist inzwischen gemeinsam mit seinem Bruder Inhaber einer Firma für Glastrennwände. „Aber ich kann eigentlich mehr, als ich im Moment beruflich zeige. Ich bin nicht der, der ich normalerweise bin.“

          Er hat kalten Schweiß an den Beinen, heftiges Herzklopfen

          Berner ist elektrosensibel. Das hat eine Ärztin diagnostiziert. Sie glaubt, dass sein Körper von elektromagnetischer Strahlung krank wird. Berner hat Panikattacken, er schwitzt grundlos, ihm schwindelt, er schläft trotz totaler Erschöpfung nächtelang nicht, manchmal hat er Formulierungslücken. Er hat kalten Schweiß an den Beinen, heftiges Herzklopfen, Kopfschmerzen und ständigen Durst, er ist nervös, seine Arme und Beine kribbeln oft, und die Augen kneift er unbewusst zu kleinen Schlitzen zusammen, als müsse er sich vor grellem Licht schützen. Als er noch nicht wusste, was ihm fehlte, behalf er sich auf Rat seines Arztes mit zwei bis drei Valiumtabletten am Tag, mit der Erweiterung der Nasennebenhöhlen, der Entfernung von Gallensteinen, Hypnose und einer Psychotherapie. Dann kündigte er seinen Job. Nichts half. Erst als er in eine Wohnung ohne Elektrosmog zog, als er sich fernhielt von WLAN-Strahlen, von Handys, schnurlosen Telefonen und Mobilfunksendemasten, ging es ihm plötzlich besser. So lange, bis er neue Nachbarn bekam, die einen WLAN-Sender in ihrer Wohnung installierten.

          Er ist nicht allein mit seiner Elektrosensibilität. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) schätzt, dass sechs bis neun Prozent der Deutschen das gleiche Problem haben. Es nimmt die Beschwerden dieser Menschen ernst, doch glaubt man dort nicht, dass es wirklich die Strahlen sind, die krank machen. Vielmehr haben Studien des BfS ergeben, dass „bisher kein ursächlicher Zusammenhang zwischen dem Vorhandensein elektromagnetischer Felder und den gesundheitlichen Beschwerden festgestellt werden konnte“. Nach Ansicht von Alexander Lerchl, Mitglied der Strahlenschutzkommission und Berater des Bundesumweltministeriums in Sachen Mobilfunk, muss es gelingen, den Betroffenen „alternative Konzepte“ als Ursache ihrer Beschwerden plausibel zu machen, „ohne dass ihnen dabei der angenommene Umweltbezug leichtfertig bestätigt wird“, und zwar vorzugsweise im Rahmen einer „interdisziplinären Diagnostik und Risikokommunikation“.

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