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Das Verbraucherthema : Eine Handvoll Klicks bis zum Termin

Auswahl: Hunderte Frankfurter Ärzte und solche aus dem Umland nutzen schon Doctena zur Terminvergabe Bild: Screenshot

Jeder Patient kennt das: Telefonisch einen Termin bei einem Arzt zu vereinbaren ist ein Geduldsspiel. Wer das nicht will, kann es online probieren. Ein Versuch in Frankfurt.

          Der Blick auf das Geburtsdatum ruft ins Gedächtnis: Es ist Zeit für die Vorsorgeuntersuchung. Die Telefonnummer zur Hand, ruft der Patient seinen Arzt an. Doch die Leitung ist besetzt. Der nächste Versuch ein paar Minuten später bringt das gleiche missliche Ergebnis. Die Idee, es am nächsten Tag noch einmal zu probieren, führt auch nicht weiter: „Leider rufen Sie außerhalb unserer Sprechzeiten an.“ Zu dumm, dass der Anrufbeantworter nur eine Mitteilungsmaschine ist, aber keine Terminanfragen speichert. Da kommt der Tipp einer Bekannten wie gerufen: Mittlerweile nutze so mancher Mediziner in Rhein-Main eine kundenfreundliche Software, mit der Patienten im Internet eine Terminanfrage abschicken könnten. Das sei einen Versuch wert.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Dabei handelt es sich um die Plattform Doctena, wie die Online-Recherche rasch ergibt. Auf dieser Seite können Patienten einen Arzt nach Stadt und Stadtteil, Fachrichtung und Spezialisierung auswählen. Die Liste reicht wie im richtigen Leben von Allgemein- und Hausmedizinern über Augenärzte und Frauenheilkundlern bis hin zu Neurologen, Kieferorthopäden und Zahnärzten. In der Rubrik „weitere Fachrichtungen“ findet sich der Arzt für Akupunktur ebenso wie der Androloge, der Endokrinologe, der spezielle Schmerztherapeut oder der Kinder-Rheumatologe. Wer bewusst einen ganzheitlichen Zahnarzt sucht, der wird ebenfalls fündig. Urologen nicht zu vergessen. Beim Klick auf die Notiz einer urologischen Praxis am Rande der Frankfurter Innenstadt eröffnet sich – wie bei anderen Einträgen auf dieser Internetseite auch – ein Dossier.

          „So sicher wie beim Online-Banking“

          Darin gibt die Praxis in wenigen, gut verständlichen Sätzen Auskunft über ihr Konzept. Dass sie dem Patienten eine entspannte Atmosphäre bieten wolle und auf möglichst schadstoffarmes Baumaterial geachtet habe, steht dort etwa zu lesen. Vor allem aber stellen sich die Ärzte mit einem tabellarischen Lebenslauf vor. Hier zeigt sich der Vorteil solcher Online-Angebote: Um eine entsprechende Offenheit auf anderem Wege zu gewährleisten, müsste ein niedergelassener Mediziner nicht nur für Aushänge in seiner Praxis sorgen, sondern auch Flugblätter breit streuen. Außerdem stellt sich das Praxis-Team auf der Internetseite mit Foto vor. Der Patient kann sich also im Wortsinne ein Bild von den Ärzten und Helferinnen machen. Und mitten auf der Seite ist, blau unterlegt, der nächste freie Termin vermerkt. Wobei zunächst der Tag erscheint, nicht die Uhrzeit.

          Nach einem Klick öffnet sich jedoch eine kleine Tabelle mit den verfügbaren Uhrzeiten. Einen weiteren Klick entfernt ist ein Online-Formular, auf dem der Patient außer seinem Namen auch seine Mail-Adresse und seine Mobilnummer eintragen muss. Außerdem muss er noch anklicken, ob er ein „Neupatient“ oder „Bestandspatient“ in dieser Praxis ist und ob er gesetzlich oder privat versichert ist. Der Besuchsgrund ist auszuwählen, also etwa Blutentnahme, Nierensteine oder eben Vorsorgeuntersuchung. Zu guter Letzt darf der Klick bei den Allgemeinen Geschäftsbedingungen nicht fehlen.

          Fünf Minuten für Terminvereinbarung

          Wer danach auf den grünen Button „weiter“ drückt, erhält umgehend eine SMS-Tan auf sein Handy gesendet. Aus diesem Grund sollte das Mobiltelefon eingeschaltet sein, dessen Nummer man auf dem Formular angegeben hat. Im Anschluss hat der Interessent fünf Minuten, um verbindlich nach einem Termin zu suchen. Eine rückwärtszählende Uhr zeigt, wie viele Sekunden jeweils dafür verbleiben. Die ganze Übung dauert weniger als zehn Minuten. In dieser Zeit muss sich der Patient nicht über Dauertuten in der Leitung oder eine Hotline ärgern. Das Ganze ist bequem und entspannend.

          Nun sind Online-Anfragen nicht jedermanns Sache. Um Zweiflern entgegenzukommen, weist die Doctena-Seite auf den eingeschalteten externen Datenschutzbeauftragten und eine SSl-Verschlüsselung hin, mit denen die Patientendaten übertragen würden („so sicher wie beim OnlineBanking“). Auch erinnere die Plattform unentgeltlich per SMS an den jeweiligen Termin.

          Letzteres machen aber auch Ärzte, die ohne eine solche Plattform auskommen, selbst schon seit Jahren – wenn sie etwas auf Kundenservice halten. Landauf, landab pflegen niedergelassene Mediziner zudem eigene Internetseiten. Auch dort vergeben sie Termine. Allerdings muss der Patient in solchen Fällen schon wissen, zu welchem Arzt er gehen will. Auf der Plattform findet er dagegen eine Auswahl – das ist von Vorteil für Patienten, die noch einen Arzt suchen. Zumal sie dort Bewertungen der jeweiligen Praxis finden, die andere Patienten abgegeben haben.

          In Frankfurt sind gut 250 niedergelassene Mediziner auf der Plattform gelistet. Unter ihnen ist auch ein Zahnarzt aus Sachsenhausen. Er nutzt Doctena seit zwei Jahren. Der Grund: Er habe ein unabhängiges System anbieten wollen, mit dem er auch außerhalb der Sprechzeiten Termine vergeben könne.

          Bei den Patienten muss sich der Service aber wohl noch herumsprechen. Der Zahnarzt aus Sachsenhausen berichtet von täglich einem Terminwunsch, der über das Portal einläuft.

          Quelle: F.A.Z.

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