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Ehrenamt Hilfe für andere als Selbsthilfe

17.09.2006 ·  Menschen, die sich sozial engagieren, sind deutlich zufriedener als andere. Entscheidend ist jedoch nicht die gute Tat an sich, sondern der Dank und das Lob, das man erhält. Fast wie im richtigen Leben.

Von Nicola von Lutterotti
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Soziales Engagement scheint sich positiv auf die psychische Verfassung älterer Menschen auszuwirken - allerdings nur, wenn es hinreichend gewürdigt wird. Das ist das Ergebnis einer europäischen Studie, bei der Daten von mehr als 20.000 Männern und Frauen mittleren bis hohen Alter ausgewertet worden sind. Daß ehrenamtliche Tätigkeiten, Nachbarschaftshilfe und andere wohltätige Dienste das Wohlbefinden älterer Menschen fördern, legen zwar auch die Resultate anderer Studien nahe.

Inwieweit ein solcher Zusammenhang grundsätzlich oder nur unter bestimmten Umständen besteht, war bislang aber unklar. Dieser Frage sind Morten Wahrendorf von der Universität Hamburg sowie Olaf von dem Knesebeck und Johannes Siegrist von der Universität Düsseldorf nachgegangen.

Bei ihren Nachforschungen konzentrierten sich die drei Medizinsoziologen auf das Verhältnis zwischen dem persönlichen Engagement einerseits und der hierfür erhaltenen Anerkennung andererseits. Wie nämlich Siegrist und seine Kollegen schon in früheren Studien herausgefunden haben, kann ein als nicht lohnenswert empfundener persönlicher Einsatz - sei es nun am Arbeitsplatz oder im familiären Umfeld - die körperliche und seelische Gesundheit nachhaltig beeinträchtigen. So steigt in dem Fall das Risiko, an Depressionen und Herzattacken zu erkranken.

Arbeit mit Demenzkranken macht niedergeschlagen

Die Teilnehmer der neuen Studie waren mindestens 50 Jahre alt und stammten aus zehn unterschiedlichen europäischen Nationen, darunter auch Deutschland. Ein knappes Drittel der Teilnehmer war regelmäßig sozial aktiv. Diese Personen waren im Durchschnitt viel zufriedener und seltener niedergeschlagen als jene Männer und Frauen, die keiner wohltätigen Arbeit nachgingen. Soziales Engagement erwies sich allerdings nur dann als stimmungsaufhellend, wenn der Betreffende den Eindruck hatte, daß seine Bemühungen auf irgendeine Weise - etwa durch Lob oder Dankbarkeit - belohnt werden.

Ansonsten konnte Altruismus sogar das Gegenteil bewirken und das Wohlbefinden nachhaltig schmälern. Als ein Beispiel dafür nennt Siegrist die Versorgung von Demenzkranken. Personen, die sich um solche Patienten kümmerten, litten der vorliegenden Studie zufolge offenbar vergleichsweise häufig an Niedergeschlagenheit - möglicherweise, weil die von ihnen gepflegten Kranken nicht in der Lage waren, die Unterstützung zu würdigen.

Die Ergebnisse der europäischen Studie haben insofern praktische Bedeutung, als mit dem Anstieg der Lebenserwartung auch die Zahl der nicht mehr berufstätigen älteren Menschen zunimmt. Diesen Männern und Frauen sollte man aber die Gelegenheit geben, so Siegrist, sich sozial zu engagieren. Angesichts des wachsenden Sozialabbaus seien solche wohltätigen Dienste von unschätzbarem Wert, und auch die hilfeleistende Person selbst habe hiervon einen Nutzen, zumal sie mit einer größeren Zufriedenheit rechnen könne. Freilich müsse man immer darauf achten, daß die soziale Aufgabe den Betreffenden nicht zu stark belaste und dessen Wohlbefinden daher mehr schade als nütze.

Quelle: F.A.Z., 18.09.2006, Nr. 217 / Seite 36
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