06.07.2011 · Der Beweis, dass Ehec aus Ägypten stammt, ist erbracht. Nach Spanien stehen nun auch in Ägypten Krisensitzungen auf dem Plan: Sie sind wohl eine Reaktion auf das Importverbot der EU für Saatgut und Sojabohnen.
Von Peter-Philipp SchmittSie wird ihre folgenschweren Sätze wohl mehr als einmal bereut haben. „Wir haben die Quelle gefunden“, sagte Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) am 26. Mai. Und weiter: „Die Quelle des Erregers ist eindeutig in Spanien.“
Nur Tage nach den ersten Ehec-Fällen schien die Ursache des Ausbruchs aufgeklärt zu sein. Tatsächlich hatte das Hamburger Hygiene-Institut eindeutig das Darmbakterium Escherichia coli an drei Salatgurken aus Spanien ausmachen können, die im Gemüsegroßmarkt der Hansestadt angeboten wurden. Doch die Erreger zählten zu einem ungefährlichen Typ des Keims, die Warnungen der Senatorin und in der Folge auch der zuständigen Bundesbehörden vor rohen Gurken, Tomaten und Blattsalaten erwiesen sich als unbegründet, wie man inzwischen weiß.
Gewarnt wird nun vor den Samen von Bockshornklee
Mehr als nur im Verdacht stehen nun Bockshornkleesamen aus Ägypten, die als ausgekeimte Sprossen an vielen Orten unter anderem auf Salat verzehrt wurden. Den letzten Beweis brachte ein eigener, von Deutschland unabhängiger Ehec-Ausbruch im französischen Bordeaux. Mitte Juni waren dort mindestens acht Fälle des hämolytisch-urämischen Syndroms (HUS) aufgetreten. Alle Patienten hatten am 8. Juni in einem Kindergarten anlässlich eines Tags der offenen Tür unter anderem auch Sprossen aus Bockshornkleesamen gegessen. Die Samen stammten aus 50-Gramm-Beuteln, die von einem Unternehmen in Ipswitch in Großbritannien verpackt worden waren. Der Händler auf der Insel wiederum hatte insgesamt 400 Kilogramm des Saatguts von einem Großhändler in Nordrhein-Westfalen gekauft, der auch 75 Kilogramm davon an den „Gärtnerhof“ im niedersächsischen Bienenbüttel geliefert hatte. Sprossen dieses Biohofs – das Robert-Koch-Institut (RKI) spricht nur von dem „Betrieb A“ – gilt seit dem 5. Juni als Hauptverursacher des Ehec-Ausbruchs in Deutschland.
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) mit Sitz im italienischen Parma, die in ganz Europa die Lieferwege der Samen verfolgt hat, kommt zu dem Schluss, das wohl insgesamt 15 Tonnen von ihnen per Schiff bereits im Jahr 2009 aus Ägypten über Antwerpen zu dem Großhändler in Nordrhein-Westfalen gelangten. Zehn Tonnen verblieben letztlich in Deutschland. Ein großer Teil davon könnte zwar inzwischen verbraucht oder mit anderen Samen vermischt sein. Trotzdem raten die Behörden dringend davon ab, Sprossen besonders aus Bockshornkleesamen zu verzehren.
Die Krisensitzungen finden nun in Ägypten statt
Allerdings sind seit der ersten offiziellen Verzehrwarnung am 10. Juni nur noch einzelne Neuerkrankungen in Deutschland aufgetreten. Der Erkrankungsgipfel wurde nach Angaben des RKI schon am 22. Mai überschritten. Bis zum Mittwoch waren der Behörde 3259 Ehec-Fälle gemeldet worden, 17 Patienten sind seit Ausbruchsbeginn am 8. Mai gestorben. Hinzu kommen 852 HUS-Fälle, 32 starben an der besonders schweren Verlaufsform der Infektion. Damit hat Deutschland den bislang größten HUS-/Ehec-Ausbruch überhaupt erlebt, und in Bezug auf die Anzahl der übermittelten HUS-Fälle handelt es sich zudem auch um den größten bislang bekannt gewordenen Ausbruch dieser Art auf der ganzen Welt. Mehr als 120 Menschen starben zudem in den vergangenen Wochen außerhalb Deutschlands an Ehec oder HUS, die meisten von ihnen in anderen EU-Ländern. Bis auf den Ausbruch in Frankreich ließen sich alle Fälle auf das Geschehen hierzulande zurückführen.
Am Dienstag verhängte die EU ein Importverbot bis Ende Oktober für Sprossensamen, Sojabohnen und Öl-Samen aus Ägypten, was nach Informationen der Zeitung „Al-Ahram“ die Behörden in Kairo auf den Plan rief. Das Handelsministerium rief für Mittwoch eine Krisensitzung ein. Dabei könnte es vielleicht auch um Vorwürfe gegangen sein, Abwasser gelange in Ägypten durchaus auch in die Bewässerungskanäle für die Felder. Wahrscheinlicher aber ist, dass die Ägypter vor allem massive Umsatzeinbußen für ihre Gemüsebauern befürchten. Immerhin war der Markt für vor allem spanische Gurken, aber auch Tomaten und Blattsalate nach der Mai-Warnung der deutschen Behörden sogleich zusammengebrochen. Ebenfalls am Mittwoch kündigte darum die spanische Landwirtschaftsministerin Rosa Aguilar an, ihr Land fordere 80 Millionen Euro Entschädigung von der EU für seine Bauern.
Lebensdauer des Erregers in trockener Umgebung?
Jana Jansen (janajan)
- 06.07.2011, 21:42 Uhr
praktisch
Daniel Grün (danielgruen)
- 07.07.2011, 01:09 Uhr
Alles Bio oder was?
Klaus Dieter (Leser2009)
- 07.07.2011, 04:41 Uhr
@Jansen
Gabriel Wolmert (Gawo2)
- 07.07.2011, 06:38 Uhr
Israel ist schuld...
Batlimus Suter (Batlimus)
- 07.07.2011, 11:34 Uhr
Peter-Philipp Schmitt Jahrgang 1967, Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.
Jüngste Beiträge