03.06.2011 · Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie zeichnet sich eine leichte Entspannung bei der gefährlichen Darmkrankheit Ehec in Deutschland ab. Aber die Wirksamkeit des Wirkstoffs Eculizumab zur Behandlung von Ehec-Patienten bleibt ungewiss.
Bei der Erkrankungswelle mit dem gefährlichen Darmkeim Ehec in Deutschland deutet sich nach Ansicht der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie eine leichte Entspannung an. „Die Lage ist so, dass sie scheinbar sich etwas beruhigt, was die Zahl der Neuinfektionen angeht“, sagte der Präsident der Gesellschaft, Prof. Reinhard Brunkhorst, am Freitag in Hamburg. Er hoffe, dass sich der Trend bestätige und es tatsächlich weniger Neuinfektionen gibt. Allerdings hatte es auch zuvor schon Hinweise auf ein Abflauen der Welle gegeben, die Infektionen hatten dann aber wieder zugenommen.
Nachdem das Erbgut des Erregers entziffert ist, sind Forscher aus Münster optimistisch, bald Hinweise zur Verhinderung weiterer Infektionen zu erhalten. Woher das Bakterium kommt, ist weiter unklar. Prof. Dag Harmsen vom Universitätsklinikum Münster sagte dem Radiosender HR-info: „Wir erhoffen uns im Laufe der nächsten Woche Hinweise zur Verhinderung weiterer Infektionen.“ Forscher aus Münster sowie aus Hamburg und China war es gelungen, das Ehec-Erbgut zu entziffern. Der Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR), Andreas Hensel, bezeichnete die Entzifferung des Ehec-Erbguts als einen wichtigen Schritt für die Behandlung der Patienten. So könnten die krankmachenden Eigenschaften erkannt werden, sagte er im ZDF-„Morgenmagazin“. „Und dann kann man daraufhin die Therapie ausrichten.“
Den Angaben zufolge besitzt der grassierende Ehec-Stamm eine seltene Kombination von Genen, die wissenschaftlich so noch nicht beschrieben worden ist. Diese Art Kreuzung vereint die Eigenschaften zweier Erregerstämme in sich. Als besonders schwerer Verlauf kann die Infektion das hämolytisch-urämische Syndrom (Hus) auslösen, an dem in Deutschland bereits mindestens 18 Menschen gestorben sind. Bundesweit leiden rund 500 Patienten an Hus. Zudem wurde bei mehr als 2000 Menschen eine Ehec-Infektion nachgewiesen oder es besteht der Verdacht darauf.
Die Wirksamkeit des neuen Wirkstoffs Eculizumab zur Behandlung schwer erkrankter Ehec-Patienten ist weiter ungewiss. „Man kann zur Effektivität bisher wenig sagen“, erklärte Prof. Ulrich Kunzendorf von der Universität Kiel am Freitag. „Es mag eine Tendenz zur Besserung geben unter dem Antikörper.“ Auch seine Kollegen aus Hamburg und Hannover, die den Antikörper Eculizumab ebenfalls bei manchen Patienten mit der schweren Komplikation hämolytisch-urämisches Syndrom (Hus) einsetzen, konnten keine Aussage zur Wirksamkeit machen.
„Wir werden einige Wochen warten müssen, bis wir eine gesicherte Datenlage haben“, sagte der Nierenspezialist Prof. Rolf Stahl vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). Derzeit stehe im Vordergrund, die Patienten „durch diese schwierige Situation“ zu bringen. Prof. Hermann Haller von der Medizinischen Hochschule Hannover betonte: „Es gibt keine Therapie zum jetzigen Zeitpunkt, die alle Patienten schlagartig gesund macht.“
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bestätigte am Freitag die Seltenheit des für die gefährlichen Darminfektionen in Deutschland und Europa verantwortlichen Ehec-Erregers. „Er ist bekannt, jedoch noch nie bei einem Ausbruch aufgetreten“, sagte eine Sprecherin am Freitag in Genf. Dies sei vom Referenz- und Forschungszentrum der WHO für Escherichia und Klebsiella, dem Staatlichen Serum-Institut in Dänemark, bestätigt worden. Die molekularen oder genetischen Eigenschaften dieses Erregers könnten den zuständigen Behörden wesentlich bei der Identifizierung von Fällen in anderen Ländern helfen, erklärte die WHO am Freitag weiter. Dies gelte auch für die Bestimmung der Quelle des Ausbruchs.
Die WHO empfiehlt „normale Hygienemaßnahmen“ einzuhalten, wie Händewaschen nach dem Toilettenbesuch und vor dem Kontakt mit Lebensmitteln. „Wer blutigen Durchfall und starke Bauchschmerzen bekommt und sich in jüngster Zeit in Norddeutschland aufgehalten hat, sollte dringend ärztlichen Rat suchen“, erklärte die UN-Organisation weiter. Handelsbeschränkungen, etwa für Obst und Gemüse, würden nicht empfohlen.