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Ebola in Westafrika : „Das Virus wird sich in Deutschland nicht verbreiten“

  • Aktualisiert am

Aufklärung in Liberia: Viele Einheimische wissen nicht, wie sie sich vor Ebola schützen können Bild: REUTERS

Die Angst wächst, dass sich Ebola weiter verbreitet – auch über die Grenzen Afrikas hinaus. Deutsche Fachleute und die französische Regierung versuchen, die Sorgen zu zerstreuen. Westafrika verschärft indes die Maßnahmen gegen das Virus.

          Während sich das tödliche Ebola-Virus in Westafrika ausbreitet, warnt der Tropenmediziner Stephan Günther vor Panikmache in Deutschland. „Das Ebola-Virus wird sich in Europa nicht verbreiten“, schreibt Günther, der am Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin arbeitet, auf der Internetseite des Instituts. „Es ist zwar möglich, dass das Virus mit einem Infizierten nach Europa importiert wird, aber es wird sich hier nicht weiter verbreiten.“

          Weil das Ebola-Virus nur bei engem Kontakt zu einem Erkrankten übertragen werde, bestehe nur ein geringes Risiko einer weiteren Verbreitung, erläutert Günther. In Afrika werde das Virus bei der Pflege von Erkrankten, bei der Waschung der Verstorbenen durch Familienangehörige und durch direkten Kontakt zum Verstorbenen auf Begräbnissen übertragen. „Wer das vermeidet und kein Affenfleisch isst, dem kann in Afrika nichts passieren“, beruhigt Günther. Die Einschätzung kommt zu einem Zeitpunkt wachsender Angst vor einer Verbreitung der tödlichen Infektionskrankheit auch außerhalb Afrikas.

          Länder verschärfen Maßnahmen

          In Westafrika wurden nach WHO-Angaben bislang mehr als 1200 Menschen infiziert, mehr als 670 von ihnen starben. Betroffen sind bisher Guinea, Liberia und Sierra Leone, die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen warnte aber bereits vor einem Übergreifen auf weitere Länder.  Die härtesten Maßnahmen hat bisher Liberia ergriffen, um eine weitere Verbreitung zu vermeiden: Am Mittwoch ordneten die Behörden die Schließung von Schulen und Märkten an, auch Fußballspiele sind verboten. Außerdem sollen alle abkömmlichen Staatsbediensteten für 30 Tage in Zwangsurlaub gehen. Am Freitag sollten alle öffentlichen Gebäude desinfiziert werden.

          Sierra Leone rief am Donnerstag den nationalen Gesundheitsnotstand aus. Ganze Gebiete im Osten sollen unter Quarantäne gestellt werden, wie der britische Sender BBC berichtete. Sierra Leones Präsident, Ernest Bai Koroma, ordnete zudem an, dass allen ankommenden Passagieren am Flughafen die Körpertemperatur gemessen wird. Hohes Fieber gehört zu den Symptomen der Infektionskrankheit, die zwei bis 21 Tage nach der Ansteckung ausbrechen kann. Die Sicherheitskräfte wurden angewiesen, für die Umsetzung aller Maßnahmen zu sorgen.

          Auch in Frankreich wächst die Angst

          Auch in Frankreich wächst indes die Angst vor Ebola. Die dortige Regierung hat zu erhöhter Wachsamkeit aufgerufen. Derzeit sei zwar „das Risiko einer Einschleppung des Virus nach Europa und Frankreich gering“, sagte die französische Gesundheitsministerin Marisol Touraine der Zeitung „Le Parisien“ vom Donnerstag. „Dennoch ist äußerste Wachsamkeit angesichts dieser sehr schweren und zugleich sehr ansteckenden Krankheit geboten, die in Afrika um sich greift.“

          Das medizinische Personal sei alarmiert worden, um im Falle von Ebola-Symptomen bei Rückkehrern sofort reagieren zu können, sagte Touraine. Die Ministerin versicherte, dass in Frankreich alle medizinischen Möglichkeiten zur Behandlung zur Verfügung stünden, falls ein Krankheitsfall auftreten sollte. Im Falle einer Infektion steigert frühzeitige Hilfe zwar die Überlebenschancen, doch bleibt eine gute Versorgung mangels wirksamer Medikamente schwierig. Bis zu 90 Prozent der infizierten Menschen sterben. Der Erreger greift das Immunsystem an, es kommt zu Blutungen, auch inneren.

          Amerika zieht Helfer ab

          Trotz aller Sicherheitsvorkehrungen stecken sich mehr und mehr Helfer mit der Seuche an. Am Dienstag starb der führende Arzt im Kampf gegen die Infektionskrankheit in Sierra Leone, Sheikh Umar Khan. Auch einer der leitenden Mediziner im Kampf gegen die Epidemie in Liberia, Samuel Brisbane, erlag der Krankheit. Zwei Amerikaner, die für eine Hilfsorganisation arbeiten, sind erkrankt.

          Den ersten Helfern, die nicht medizinisch in den betroffenen Gebieten tätig sind, wird die Lage offenbar zu gefährlich. Wie das amerikanische Friedenscorps am Mittwoch mitteilte, zieht es wegen der Ebola-Epidemie Hunderte Helfer aus Liberia, Sierra Leone und Guinea ab. Man wolle die Lage gemeinsam mit Fachleuten der amerikanischen Gesundheitsbehörde CDC sowie des Außenministeriums in Washington beobachten.

          Derzeit arbeiten den Angaben zufolge 102 Freiwillige der Entwicklungshilfe-Organisation in Guinea in den Bereichen Bildung, Landwirtschaft und Gesundheit. Weitere 108 Helfer sind in Liberia und 130 Freiwillige in Sierra Leone im Bereich Bildung aktiv. Die Organisation, die 1961 von Präsident John F. Kennedy ins Leben gerufen wurde, hat derzeit mehr als 7200 Freiwillige in 65 Ländern im Einsatz.

          Quelle: FAZ.NET/AFP/dpa/epd/nean.

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