03.05.2006 · Die Bundesregierung zieht im Drogen- und Suchtbericht für das Jahr 2005 eine positive Bilanz. Die Zahl der Rauschgiftopfer ist weiter zurückgegangen. Doch der Cannabiskonsum unter Jugendlichen steigt.
Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung Sabine Bätzing (SPD) hat die Bundesländer aufgerufen, stärker gegen das Rauchen an den Schulen vorzugehen. Nur in acht der 16 Länder sei bislang ein gesetzliches Rauchverbot an Schulen erlassen worden, sagte sie am Mittwoch bei der Vorlage des neuen Drogen- und Suchtberichts in Berlin.
Darin zieht die Regierung eine positive Bilanz ihrer Bemühungen gegen den Gebrauch illegaler und legaler Drogen. Die Zahl der Rauschgiftopfer sei weiter zurückgegangen, doch bereite ihr der steigende Cannabiskonsum unter Jugendlichen Sorgen, sagte Bätzing. Die durch legale Drogen wie Alkohol, Tabak und Arzneimittel verursachten gesundheitlichen und volkswirtschaftlichen Schäden nannte sie alarmierend. Hier wolle sie einen Schwerpunkt ihrer Tätigkeit setzen.
Durch den Preis steuerbar
Die Tabakprävention nehme dabei eine Schlüsselstellung ein. „Wer keine Zigaretten raucht, wird auch nicht so schnell zum Joint greifen.“ Positiv merkte sie an, daß das Rauchen inzwischen bei Jugendlichen als „uncool“ gelte. Die Raucherquote in der Gruppe der Zwölf- bis Siebzehnjährigen sei in den vergangenen fünf Jahren von 28 auf 20 Prozent gesunken. Grund dafür seien das Abgabeverbot von Tabak an Jugendliche unter 16 Jahren, das Verbot der Kleinpackungen und der kostenlosen Abgabe von Zigaretten zu Werbezwecken. Bätzing nannte in dem Zusammenhang auch die dreistufige Tabaksteuererhöhung. „Es hat sich klar gezeigt, daß der Tabakkonsum durch den Preis gesteuert werden kann.“ Das habe auch eine begleitende Studie belegt. Zur Zeit seien keine weiteren Steuererhöhungen auf Tabak oder Alkohol geplant. Um den Tabakkonsum unter Jugendlichen einzudämmen, sollten die Bundesländer ihre Gesetzgebungskompetenz nutzen und das Rauchen auf den Schulhöfen verbieten, verlangte die Drogenbeauftragte.
Bislang sei das in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen nicht geschehen. Bätzing kündigte an, sich auch mehr um den Schutz der Nichtraucher kümmern zu wollen. Jährlich stürben 3.000 Personen allein durch Passivrauchen, die Zahl der auf Tabakqualm zurückzuführenden Todesfälle liege bei 110.000. Sie sei damit annähernd dreimal so hoch wie die der rund 40.000 Alkoholopfer. Bätzing rief die Betreiber von Gaststätten und Restaurants dazu auf, ihre Selbstverpflichtung für eine stetige Erhöhung der Zahl der Nichtraucherplätze einzuhalten. Andernfalls werde die Regierung aktiv. Bis 2008 solle in 90 Prozent der Lokale mindestens jeder zweite Tisch für Nichtraucher reserviert sein.
Niedrigste Zahl an Drogentoten seit 1989
An den Folgen des Konsums illegaler Drogen sind nach Angaben von Bätzing im vergangenen Jahr 1.326 Personen gestorben. Das sei die niedrigste Zahl seit dem Jahr 1989 und eine erfreuliche Nachricht. Mit dazu beigetragen hätten der Ausbau an Beratungsangeboten für Süchtige und die Verbesserung der Heroinersatzbehandlung. Bätzing hob hervor, daß sich die von der Union im Bundestag kritisierte Heroinabgabe an Schwerstsüchtige in Modellprojekten positiv ausgewirkt habe. Das „Modellprojekt heroingestützte Behandlung“ führte der Bund mit Ländern und Kommunen und in sieben deutschen Großstädten aus: Hamburg, Hannover, Bonn, Köln, Frankfurt, Karlsruhe und München. „Die heroingestützte Therapie dient dem Überleben der Schwerstabhängigen und ist ein wichtiger Mosaikstein in der Versorgung Opiatabhängiger“, sagte Bätzing. Zudem sinke die Beschaffungskriminalität.
Nach dem Drogenbericht ist Cannabis noch immer die am weitesten verbreitete illegale Droge. Mehr als ein Viertel der Jugendlichen habe schon Rauschmittel aus Hanf (Marihuana, Haschisch) konsumiert. Zudem sei das Einstiegsalter in den vergangenen Jahren gesunken und liege nun bei 16,4 Jahren. Bätzing warnte vor den durch Cannabis hervorgerufenen psychischen Abhängigkeiten. Nicht nur in Deutschland werde öfter als früher zum Joint gegriffen. „Überall in Europa ist die Entwicklung zu verzeichnen, daß die Jugendlichen die Risiken des Cannabiskonsums unterschätzen.“ In Elternhaus und Schule müsse offen und kritisch mit den Jugendlichen über die Risiken des Cannabiskonsums gesprochen werden.