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Veröffentlicht: 18.06.2017, 11:43 Uhr

Unterschätztes Organ Drüse Alles auf Autopilot

Weinen, Schwitzen, Verdauen, Schlafen - ungezählte Abläufe in unserem Körper werden von vielen kleinen und einer Chef-Drüse gesteuert. Der Stress unseres Alltags kann sie immens fordern.

von Andrea Freund
© dpa Drüsen im Dauerbetrieb: Schwitzen unter der sommerlichen Hitze.

Für den Titel der "am meisten unterschätzten Organe" sind die Drüsen ein vielversprechender Kandidat. Vielleicht liegt es daran, dass sie im ganzen Organismus verstreut liegen, viele verschiedene Formen und Funktionen haben und auf den ersten Blick wenig gemein. Doch eines verbindet sie: Bei Bedarf sondern sie spezielle Flüssigkeiten oder einen biochemischen Botenstoff ab, damit in unserem Vehikel, dem Körper, alles wie geschmiert läuft. Und zwar wirklich: alles. Grob- und Feinmotorisches. Von der Temperaturregelung, den Herzschlag, das Knochenwachstum und die Aufbereitung des Nahrungsbreis bis hin zum Einschlafen, Aufwachen und Fortpflanzen. Sie geben uns das Gefühl, verliebt zu sein, sind aber auch zuständig für Emotionen wie Trauer oder Angst.

Wäre der Körper ein Auto, dann wären die Drüsen so etwas wie Einspritzdüsen, nur viel raffinierter. Denn sie stellen selbst her, was sie ausschütten, und gehen dabei sehr differenziert zur Sache. Zugleich tun sie dies ohne unsere bewusste Entscheidung, fast wie ein Autopilot. Doch was man allmählich zu verstehen beginnt: Wir selbst können davon mehr lenken, als wir meinen.

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Doch zunächst eine kurze Inspektion unserer Drüsen: Für physische Sekrete, die im Inneren der Körpers oder auf seiner Oberfläche benötigt werden, sind die "exokrinen" Drüsen zuständig. Sie sitzen in der Haut, produzieren Speichel und Tränen, Talg, Schweiß und, als "apokrine Drüsen", etwa unseren ganz individuellen Geruch, der uns für potentielle Partner sexuell attraktiv macht. Selbst im Körperinneren haben wir "exokrine" Drüsen. Unzählige von ihnen sind in Magen und Darm damit beschäftigt, Sekrete und Enzyme für die Verdauung bereitzustellen. Allein die Magenschleimhaut produziert täglich bis zu drei Liter Magensaft mit Salzsäure, die unsere zerkaute Nahrung zersetzt. Damit der Magen sich dabei nicht selbst vertilgt, wird zusätzlich Bicarbonat hergestellt, das die aggressive Flüssigkeit abschwächt.

Kleine biochemische Botenstoffe

Neben den Sekreten gibt es kleine biochemische Botenstoffe, die an das Blut abgegeben werden und so durch den Körper zu ihrem Bestimmungsort reisen - die Hormone. Ihr Name geht auf das griechische "hormao" zurück, was "Ich treibe an" bedeutet. Die Hormone werden von sieben großen "endokrinen" Drüsen hergestellt, die sich vertikal im Inneren des Körpers von oben nach unten aufreihen, und bringen den Körper auf Touren: Die Zirbeldrüse oder Epiphyse steuert im Gehirn etwa über das Hormon Melatonin unseren Schlaf-Wach-Rhythmus. Die Hirnanhangdrüse ("Hypophyse") lenkt unter anderem das Wachstum, lässt über das Hormon FSH die Eizellen reifen oder stimuliert die nachgeordnete Schilddrüse.

Und weiter: Die Thymusdrüse hinter dem Brustbein unterstützt das Immunsystem. Weil sie ihr Wachstum zur Pubertät stoppt, dachte man lange, dass sie nur für die kindliche Entwicklung wichtig ist. Seit einigen Jahren aber weiß man, dass sie auch bei Erwachsenen noch aktiv ist und spezielle Hormone herstellt, die wiederum für T-Zellen erforderlich sind, eine spezielle Gruppe der weißen Blutkörperchen. Die Nebennieren, die wie zwei Käppchen auf den Nieren sitzen, produzieren unter anderem die Stresshormone Adrenalin und Cortisol. Die Bauchspeicheldrüse kann sogar beides - ein Hormon und ein Sekret herstellen: Mit Insulin und Glukagon reguliert sie den Blutzuckerspiegel, ihre Enzyme zerlegen Eiweiße, Fette und Kohlenhydrate. Tief im Becken schließlich stellen die Eierstöcke der Frau die Sexualhormone Östrogen, Progesteron und Testosteron her, für Letzteres sind beim Mann die Hoden zuständig.

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