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Veröffentlicht: 23.06.2009, 10:13 Uhr

Diabetikerwarnhunde Die Unterzuckerung erschnüffeln

Mischlingsrüde Finn hat eine feine Nase. Doch statt Rauschgift erschnüffelt er Unterzuckerung. Denn Finn ist ein Diabetikerwarnhund. Frauchen Simone Luca Barrett hat ihn selbst ausgebildet - er ist ihr Lebensretter.

von Arne Leyenberg, Osnabrück
© Michael Löwa Nasenarbeit: Finn riecht am Mund seiner Besitzerin Simone Luca Barrett

Finn schlägt Alarm. Lautlos, in Sekundenbruchteilen. Jetzt läuft die Zeit. Simone Luca Barrett geht zum Auto, holt ein Trinkpäckchen Orangensaft hervor und leert es. Gefahr gebannt. Andernfalls hätte es ihr schon wenig später schlechtgehen können. Simone Luca Barrett ist Diabetikerin. Typ-1, die schwerste Form der Erkrankung. Finn ist ihr Lebensretter, wie sie sagt, ihr Engel auf vier Pfoten, der sie vor Unterzuckerung warnen soll.

Der Mischlingshund hatte kurz an ihrem Mund geschnüffelt und mit seiner Nase ihre rechte Hand angestupst. Das war das Signal. „Durch ihn kann ich wieder leben“, sagt die 28 Jahre alte Osnabrückerin. Das beruht auf Gegenseitigkeit. Ihren zwei Jahre alten Hund rettete sie 2007 aus einer Tötungsstation in Spanien - und bildete ihn zum ersten Diabetikerwarnhund Deutschlands aus.

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Nur einer von tausend Hunden beweist die richtige Spürnase

Wer als Kunde zu Simone Luca Barrett kommt, hat Diabetes. So wie Sabine Gauding, bei der die Stoffwechselerkrankung erst unlängst diagnostiziert wurde. Sie leidet unter Typ-2-Diabetes, so wie rund 90 Prozent der Diabetiker in Deutschland. Sie absolviert mit ihrem drei Monate alten Welpen Linox gerade die ersten Trainingseinheiten auf dem Hundeplatz bei Osnabrück. Sabine Gauding ist selbst Hundetrainerin, aber die wichtigsten Fähigkeiten, die Linox künftig beherrschen muss, kann sie ihrem Hund nicht alleine beibringen. Dafür braucht sie die Hilfe von Simone Luca Barrett. Die hält Linox drei gleich aussehende Socken hin: einen getragenen, einen gewaschenen und einen, der von ihr während einer Unterzuckerung getragen wurde.

Diabetikerwarnhund 2 © Michael Löwa Vergrößern Noch etwas ratlos: Der Welpe Linox muss den richtigen Socken erkennen

Sobald der kleine Mischlingshund mit den langen Ohren an diesem Socken schnüffelt, bekommt er eine Belohnung: ein Stück Hundekuchen. Nasenarbeit nennt Simone Luca Barrett das. Der Welpe hat den Dreh im Nu heraus. „Er ist so gelehrig“, schwärmt die Trainerin. Aber das wusste sie ja schon vorher. Schließlich hat sie Linox, der mit seiner Mutter und seinen Geschwistern aus einem Tierheim in Salamanca geholt wurde, kurz nach seiner Ankunft in Deutschland getestet. Mit dem Ergebnis: Der Kleine kann ein Großer werden. Er bringt alle Veranlagungen für einen Diabetikerwarnhund mit. Das ist, sagt die Trainerin, nur bei einem von tausend Hunden der Fall. „Seine Nase muss funktionieren wie bei einem Drogenspürhund“, sagt Simone Luca Barrett.

„Ohne ihn müsste ich alle zehn Minuten messen“

Die Zahl der Menschen mit Diabeteserkrankung nimmt beständig zu. In Deutschland sollen etwa zehn Prozent der Bevölkerung, also acht Millionen Menschen, Diabetiker sein. „Wir gehen davon aus, dass jährlich eine Million Menschen dazukommen“, sagt Manfred Flore, Geschäftsführer des Deutschen Diabetiker-Bundes. Hans Hauner, Professor für Diabetologie am Else Kröner-Fresenius-Zentrum für Ernährungsmedizin der TU München, schrieb im „Deutschen Gesundheitsbericht Diabetes 2008“ schon von einer Epidemie. „Diabetes ist ja nicht ansteckend“, sagt Flore, „hat aber epidemischen Charakter.“

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