Home
http://www.faz.net/-gum-7528j
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
50 plus

Diabetes-Anstieg Mediziner fordert höhere Steuern für extrem Süßes

Die Kombination von Fett und Zucker führt zu einer rasanten Verbreitung von Diabetes. Vor allem Kinder sollen geschützt werden - notfalls über den Preis, fordert Ernährungsforscher Hans-Georg Joost. Das Bundesverbraucherministerium lehnt Strafsteuern jedoch ab.

© dpa Kleine Fettbombe

Extrem zuckerhaltige und kalorienreiche Produkte wie Bubble Tea sollen für Kinder und Jugendliche schwerer zugänglich sein. Dafür setzt sich der Potsdamer Mediziner Hans-Georg Joost ein. Denkbar sei dies über höhere Steuern, sagte der Chef des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung. „Wir müssen derartige Diskussionen führen“, sagte Joost der Nachrichtenagentur dpa. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung stellte am Freitag in Berlin ihren Ernährungsbericht vor.

Joost nannte als Vorbild für seine Idee die Sondersteuer für Alkopops: Um dem Konsum der süßen, alkoholhaltigen Mixgetränke entgegenzuwirken, kostet eine handelsübliche Flasche seit 2004 rund einen Euro mehr.

Das Bundesverbraucherministerium lehnt Strafsteuern für „vermeintlich ungesunde Lebensmittel“ ab. Man werde den Menschen nicht vorschreiben, was sie essen sollten, teilte das Ministerium am Freitag mit, sondern setze auf Transparenz und Aufklärung. Es sei nicht belegt, dass Strafsteuern auf bestimmte Lebensmittel der Gesundheit nützten.

„Anti-Raucher-Kampagne wirksamer als dargestellt“

Auch die extreme Verteuerung von Zigaretten hat nach Überzeugung des Mediziners zu einem erheblichen Rückgang des Rauchens geführt. „Die Anti-Raucher-Kampagne ist nach meiner Wahrnehmung wesentlich wirksamer, als es immer dargestellt wird“, sagte er. Joost räumte ein, dass Alkohol und Zigaretten leichter reguliert werden können als Nahrungsmittel, die zum täglichen Leben notwendig sind. „Wir müssen ja essen.“

Mehr zum Thema

Generell, so der Mediziner, sei er kein großer Freund derartiger Regulierungen. Zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor extremen Übergewicht sei dies aber offensichtlich erforderlich. „Wir haben Lebensmittel geschaffen, die wenig sättigen, aber sehr viel Energie liefern“, erklärte Joost.

Verantwortlich sei die Kombination von Fett, Zucker und Geschmacksverstärkern wie Salz und wenig Ballaststoffen. Typische Beispiele: die Currywurst oder Salz-Honig-Erdnüsse. Aber auch der „coffee to go“ könne sich als Kalorienbombe entpuppen. „Manche der Getränke aus dem Kaffee-Shop haben bis zu 500 Kalorien“, sagte Joost. Die Folge der modernen Ernährung sei eine rasante Verbreitung von Diabetes mellitus Typ 2. „Um diesen Trend zu stoppen, muss die Prävention von kindlichem Übergewicht intensiviert werden.“

Quelle: DPA

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Reizdarmsyndrom Eine Krankheit - viele Erklärungen

Reizdarmsyndrom ist ein Begriff für ein schweres Krankheitsbild, dessen Ursache noch nicht vollständig geklärt ist. In die Psychoecke stellt man die Betroffenen aber heute nicht mehr. Mehr Von Nicola von Lutterotti

26.06.2015, 14:28 Uhr | Wissen
Uttar Pradesh Indische Frauen rollen 1000 Zigaretten am Tag

Bidis sind in Indien ein Milliardengeschäft – doch die handgedrehten Billig-Zigaretten entstehen unter Bedingungen, die Hilfsorganisationen empören. Im nordindischen Bundesstaat Uttar Pradesh rollen Frauen täglich zwölf Stunden lang Glimmstängel. Mehr

28.04.2015, 11:45 Uhr | Gesellschaft
Tour de France Ein Fall für vier

Die 102. Tour de France verspricht so viel Spektakel wie selten zuvor. Die größten Favoriten auf den Gesamtsieg sind schillernde Figuren – verfügen aber nicht über den besten Leumund. Mehr Von Rainer Seele, Utrecht

03.07.2015, 17:51 Uhr | Sport
Warum helfen Menschen? Der Kinderschützer

Hans Gurdzel hat in mehreren Ländern als Katastrophenhelfer autarke Kinderdörfer gebaut und sich dabei extremen Gefahren ausgesetzt. Was treibt ihn an? Mehr

19.05.2015, 07:53 Uhr | Gesellschaft
Mediziner über Magersucht Es gibt keinen typischen Weg in eine Essstörung

Der Film Seht mich verschwinden wird die Diskussion über Magersucht neu entfachen. Hartmut Imgart behandelt essgestörte Jugendliche, deren Durchschnittsalter stetig sinkt. Was weiß die Medizin über Ursachen und Heilung? Mehr Von Melanie Mühl

03.07.2015, 21:49 Uhr | Feuilleton
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 14.12.2012, 14:28 Uhr

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden