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Deutsches Herzzentrum : Aus der Charité verwirrende Nachrichten

Das Neugeborene war im Deutschen Herzzentrum am Herzen operiert worden und anschließend gestorben Bild: dpa

Das im Deutschen Herzzentrum vermutlich an einer Infektion gestorbene Neugeborene war am Mittwoch plötzlich „verschwunden“. Die Klinik widersprach, wollte aber keine Angaben zum Aufbewahrungsort des toten Kindes machen.

          Der Fall des Neugeborenen, das im Deutschen Herzzentrum in Berlin vermutlich an einer Darminfektion starb, hat am Mittwoch Verwirrung hervorgerufen. Die Staatsanwaltschaft hatte Anfang der Woche Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung eingeleitet und wollte prüfen, ob es noch möglich sei, die Todesursache durch eine Obduktion zu klären.

          Andreas Nefzger

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Auf das Obduktionsergebnis angesprochen, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft der Deutschen Presse-Agentur: „Die Leiche ist nicht da.“ Einige Nachrichtenagenturen und Zeitungen erklärten den Leichnam daraufhin für „verschwunden“. Das Deutsche Herzzentrum widersprach dieser Darstellung, wollte unter Verweis auf die laufenden Ermittlungen aber keine Angaben zum Aufbewahrungsort des toten Kindes machen. Eine Sprecherin der Klinik sagte nur: „Der Weg des Leichnams des Kindes ist nachvollziehbar.“

          Die Charité kämpft noch immer mit den Keimen

          Die Charité wollte die Geschehnisse zunächst nicht kommentieren und verwies an das Herzzentrum, wo das Kind gestorben war. Am späten Nachmittag teilte die Charité dann aber mit: „Nach unserem vorläufigen Kenntnisstand wurde das Kind beigesetzt.“ Dies bestätigte am frühen Mittwochabend auch ein Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft. Das Kind sei am 12. Oktober auf einem muslimischen Friedhof am Berliner Columbiadamm beerdigt worden.

          Ursache der Verwirrung ist offenbar schlechte Kommunikation zwischen Kliniken und Behörden. Dass Kind war am 5. Oktober gestorben. Am Wochenende ist dann bekannt geworden, dass vermutlich die Darminfektion die Todesursache ist, und die Ermittlungsbehörden hatten sich des Falls angenommen. Ob das Kind exhumiert und obduziert werden muss, um aus dem „vermutlich“ bei der Todesursache ein „tatsächlich“ zu machen, stand am Mittwoch noch nicht fest. „Wir prüfen jetzt mit einem auswärtigen Gerichtsmediziner, ob eine Obduktion noch sinnvoll ist“, sagte ein Staatsanwaltschaftssprecher. Das Neugeborene war im Deutschen Herzzentrum am Herzen operiert worden und anschließend gestorben. Das Kind litt nach bisheriger Darstellung an einer Darminfektion, die es sich vermutlich in der Berliner Charité zugezogen habe. In zwei Frühgeborenen-Intensivstationen am Campus Virchow-Klinikum waren Serratien-Keime aufgetreten.

          Die Charité kämpft noch immer mit den Keimen. Wie das Klinikum am Dienstag mitgeteilt hat, werden derzeit sechs Frühchen mit Infektionen behandelt. Die Antibiotika-Therapie schlage gut an: Die Infektionszeichen seien rückläufig, keines der Kinder schwebe in Lebensgefahr. Nach den Angaben wurde bei 15 weiteren Neugeborenen eine Besiedelung mit den Darmkeimen festgestellt, ohne dass bei ihnen eine Infektion ausgebrochen wäre. Laut einer Sprecherin der Charité hat sich die Lage bis zum Mittwochnachmittag nicht verändert. Die erkrankten Kinder seien nach wie vor stabil, es sei nicht zu weiteren Infektionen gekommen. Insgesamt spricht die Charité von 22 Fällen. Wie die Keime in die Frühgeborenenstation gelangten, ist weiter nicht klar. Die Charité hat eine Kommission einberufen, um die Ursache des Befalls zu klären. Die Leiterin des Instituts für Hygiene, Petra Gastmeier, sagte am Dienstag, es gebe „einige interessante neue Spuren“. Auszuschließen ist auch nicht, dass eine Mutter den Keim in die Station eingeschleppt hat. Charité-Direktor Ulrich Frei sagte dem Sender RBB, dass 14 Prozent aller in der Klinik untersuchten Mütter Träger dieser Keime seien.

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