07.05.2004 · Nach der ersten gelungenen Nierentransplantation trotz unverträglicher Blutgruppen steigt die Hoffnung, die Wartezeiten auf Spenderorgane deutlich zu senken.
Erstmals in Deutschland haben Freiburger Ärzte eine Spenderniere erfolgreich einem Empfänger mit unverträglicher Blutgruppe eingepflanzt. Ein 62 Jahre alter Rentner erhielt an der Universitätsklinik Freiburg eine Niere von seiner Ehefrau, wie die Hochschule mitteilte.
Für Patienten sei diese sogenannte AB0-inkompatible Lebendtransplantation ein ermutigendes Zeichen, sagte der Leiter der Transplantationschirurgie, Professor Günter Kirste. Lebendspenden sind in Deutschland nur Verwandten und dem Empfänger sehr nahe stehenden Menschen erlaubt. Diese besitzen jedoch oft keine passende Blutgruppe, so daß die Spenderorgane vom Organismus des jeweiligen Patienten normalerweise abgestoßen werden.
Jahrelanges Warten auf Spenderorgan
Die Zahl der Transplantationen von Lebend-Nieren dürfte künftig stark zunehmen, die Wartezeiten schrumpfen, meint Kirste nach dem geglückten Versuch. In Deutschland müßten Patienten im Durchschnitt sechs Jahre auf eine Niere warten. „Diese Wartezeit ist entschieden zu lang“, sagte Kirste. „15 Prozent der Patienten in Europa sterben, bevor ihnen eine Spenderniere zugewiesen wird.“ Das in Deutschland erstmals angewandte Verfahren werde bereits in Japan, Schweden und den Vereinigten Staaten eingesetzt. Dort betrage die Wartezeit auf eine Nierentransplantation im Schnitt rund zwei Jahre, in Skandinavien sechs bis neun Monate.
Die Freiburger Transplantation erfolgte bereits am 1. April. Dem Empfänger geht es nach eigenen Angaben den Umständen entsprechend gut. Vor der Organübertragung habe sich der 62jährige einer speziellen Blutwäsche unterzogen, berichtete Kirste. Dabei seien die Antikörper, die sich gegen die Fremdniere hätten richten können, ausgewaschen worden. „Vor der Operation bekam der Patient zudem Medikamente, die die Zellen blockierten, die für die Nachproduktion der Antikörper zuständig sind.“ Auch nach der Operation sei es zu keiner Abstoßung des Organs gekommen, weil die roten Blutzellen des
Spenderorgans zerstört worden seien.
Auf Dauer seien mit dieser Methode auch bei anderen Patienten gute Erfolge möglich, sagte Kirste. Auch die Zahl der sogenannten postmortalen Transplantation müsse noch gesteigert werden. Dabei erhält der Patient ein Organ eines hirntoten Spenders mit passender Blutgruppe.