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Freitag, 17. Februar 2012
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Chemie-Unfall Umweltkatastrophe in chinesischer Millionenstadt

23.11.2005 ·  Nach einer Explosion in einem Chemiewerk in der Nachbarprovinz sind die Menschen in der chinesischen Millionenstadt Harbin ohne Trinkwasserversorgung. Der Fluß Songhua ist mit enormen Mengen Benzol verseucht.

Von Petra Kolonko, Peking
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Als sich am Montag zum ersten Mal die Nachricht verbreitete, der nordchinesischen Metropole Harbin solle für vier Tage das Wasser gesperrt werden, sprach die Stadtverwaltung zunächst von „Rohrwartungen“. Daß diese in der ganzen Stadt und gleichzeitig vorgenommen werden sollten, fanden viele Bürger merkwürdig, die meisten chinesischen Zeitungen berichteten zunächst nicht über Vermutungen, nach denen es eine Verunreinigung des Trinkwassers oder einen Giftunfall gegeben habe, die Stadtverwaltung von Harbin wies solche Nachrichten als „Gerüchte“ zurück.

Doch bald ließ sich der wahre Grund nicht mehr verheimlichen, und am Mittwoch durften auch die chinesischen Zeitungen berichten: Grund für die Sperrung der Wasserversorgung in Harbin ist ein großer Chemieunfall in der angrenzenden Provinz Jilin, der den durch Harbin fließenden Songhua-Fluß mit Benzol verschmutzt.

Industriekomplex direkt am Flußufer

Die Explosion in dem Jilin-Chemieindustriekomplex des chinesischen Ölkonzerns Petrochina ereignete sich schon am 13. November, die Unfallstelle liegt etwa 350 Kilometer flußaufwärts von Harbin entfernt, der Industriekomplex liegt direkt am Flußufer. Bei der Explosion wurden fünf Arbeiter tödich verletzt, Zehntausende Anwohner mußten ihre Wohnungen verlassen.

Ursache der Explosion sei gewesen, daß Arbeiter die Chemikalien „falsch behandelt“ hätten, hieß es in einem Bericht der Nachrichtenagentur Xinhua. Es werde erwartet, daß das vergiftete Wasser an diesem Donnerstag die Millionenstadt Harbin erreicht, ließ jetzt die Stadtverwaltung vermelden. Bis jetzt sei noch keine Verschmutzung des Flußwassers nachgewiesen, hieß es in einer Stellungnahme vom Mittwoch. In einem Bericht der Umweltbehörde der Provinz Heilongjiang hieß es, der Fluß sei auf 80 Kilometer Länge verschmutzt.

Viele Menschen haben die Stadt verlassen

Der dreiste Versuch chinesischer Provinzbehörden, das Ausmaß eines Unfalls und die Gefährdung der Bürger zu verheimlichen, zeigt wieder einmal, daß in China Behörden und Ämter es mit der von oben verordneten Transparenz noch nicht ernst nehmen. Gerade in einer Zeit, da wegen der Gefahr der Vogelgrippe die chinesische Regierung immer wieder versichert, es werde alles berichtet und Offenheit sei Pflicht, zeigt die Stadtverwaltung von Harbin, daß man in China gern noch nach der bewährten alten Methode vorgeht: Schlechte Nachrichten verschweigt man lieber, so lange es geht.

Die Bürger von Harbin haben Wasser gekauft und abgefüllt. Es gab Panikkäufe von Trinkwasser. Abgefülltes Wasser ist in der Stadt ausverkauft. Das chinesische Fernsehen zeigte den stellvertretenden Bürgermeister, der aufgebrachten Bürgern versicherte, die Stadt habe genug Trinkwasser im Vorrat.

Trotzdem haben viele der vier Millionen Bewohner Harbins es offenbar vorgezogen, die Stadt zu verlassen. Züge und Flüge seien ausgebucht, meldeten chinesische Zeitungen. Schulen sind geschlossen, Krankenhäuser wurden angewiesen, sich auf die Behandlung von Vergiftungen vorzubereiten. Kaum jemand scheint der Versicherung der Stadtverwaltung, die Sperrung des Trinkwassers werde vier Tage dauern, Glauben zu schenken. Und bis jetzt hat auch noch niemand die Geheimhaltungsversuche der Stadtverwaltung von Harbin kritisiert.

Quelle: F.A.Z. vom 24. November 2005
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