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Charité-Studie Therapie Pädophiler kann Kindesmissbrauch verhindern

 ·  Die Neigung, Sex mit Kindern haben zu wollen, ist nicht heilbar. Doch mit einer Therapie Pädophiler kann Missbrauch oft verhindert werden. Diese positiven Erkenntnisse schützen ein Studienprojekt der Charité nicht vor dem Aus.

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Sexueller Missbrauch von Kindern lässt sich nach einer Studie der Berliner Charité durch eine gezielte Therapie pädophiler Männer eindämmen. In dem nach Angaben der Klinik weltweit einmaligen Forschungsprojekt haben bisher 20 Männer, die sexuelle Neigungen gegenüber Kindern verspürten, eine Spezialtherapie beendet. Nach Ärzteangaben nahmen bei allen potentiellen Tätern Wahrnehmungsstörungen ab, wonach beispielsweise Kinder nach Sex verlangen. Trotzdem droht dem Projekt aus finanziellen Gründen nun das Ende

Als Konsequenz ihres zweijährigen Präventionsprojekts fordern die Mediziner nun mehr sexualmedizinische Ambulanzen in Deutschland. Auch Männer, die Kinderpornos drehten oder anschauten, gehörten in Behandlung, sagte Charité-Projektleiter Klaus Beier.

Das Projekt, das im Sommer 2005 begann, war sehr umstritten. Mit therapeutischen Hilfen für Kinderschänder - oder auch möglichen Tätern - rüttelte die Klinik an einem Tabu. Die Uni-Klinik argumentierte jedoch immer im Sinne des Kinderschutzes: Es gehe darum, pädophile Männer zu erreichen, bevor sie zu Tätern werden. Die Kinderschutz-Stiftung „Hänsel und Gretel“, die den neuen Ansatz finanziell unterstützte, sieht den ungewöhnlichen Weg durchweg positiv. Es gebe nun nachweislich Therapieformen, die Männer davon abhalten könnten, Kinder sexuell zu missbrauchen, sagte die Stiftungsvorsitzende Barbara Schäfer-Wiegand.

Nicht heilbar, aber kontrollierbar

Seit 2005 haben sich rund 550 Männer - und auch eine Frau - anonym bei der Charité gemeldet. Rund 90 von ihnen nahm das Institut für Sexualwissenschaften in das Programm auf. Die Hoffnung, von ihrer Neigung geheilt zu werden, mussten die Ärzte den Betroffenen nehmen. Der Wunsch nach Sex mit Kindern ist nach Angaben der Ärzte Schicksal - ähnlich wie zum Beispiel Homosexualität. Mit ihrer Therapie können die Ärzte bei ihren Patienten dennoch viel erreichen: Mitgefühl mit Kindern als Opfer und mehr Selbstkontrolle zum Beispiel. Im Notfall auch den Einsatz von Medikamenten.

In Gesprächen und Rollenspielen haben pädophile Männer während der Studie gelernt, sich in die Lage eines Kindes hineinzuversetzen. Sie haben verstanden, dass Kinder von sich aus keinen Sex wollen, sondern Erwachsene ihre eigenen Wünsche auf sie projizieren. „Es geht zum Beispiel darum, dass ein pädophiler Mann Warnsignale deutlich wahrnimmt“, erläutert Charité-Therapeut David Goecker. „Wenn er oft an ein Kind denkt, ihm Geschenke macht oder es einlädt, dann sind das Warnsignale.“ Die Charité-Ärzte können mit ihren Behandlungsmethoden aber nicht ausschließen, dass ihre Patienten in Zukunft Kinder missbrauchen. „Aber wir können das Risiko mindern, dass es passiert“, betonte Goecker.

„Sie haben alle Angst“

Die Charité geht davon aus, dass in Deutschland rund 200.000 Männer aus allen Altersgruppen und Bildungsschichten pädophile Neigungen haben. Weder in der Ärzte-Ausbildung noch in der Fortbildung spiele das Thema aber eine Rolle, kritisierte Institutsdirektor Beier. Es fehle auch an Ambulanzen. Außer in Berlin, Kiel und Franfurt am Main gebe es kaum Spezialisten.

Die Zukunft des Charité-Projekts ist offen. Die Volkswagen-Stiftung unterstützt die Studie bis Ende November. Wenn nicht schnellstens neue Fördermittel bewilligt würden, müsse die Arbeit dann eingestellt werden, erklärten am Mittwoch Vertreter der Charité und von „Hänsel und Gretel“. Krankenkassen übernehmen die Behandlungskosten bislang nicht. Allein am Charité-Institut aber warten 45 pädophile Männer auf einen Therapieplatz. „Sie alle haben Angst, dass sie einem Kind etwas antun könnten“, sagt Therapeut Goecker.

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