http://www.faz.net/-gum-uqux

Cellulite : Die neue Beulenpest

  • -Aktualisiert am

Zu Rubens' Zeiten war Cellulite kein Problem Bild: dpa

Cremes, Knetmassagen oder chirurgische Eingriffe - im Kampf gegen die Cellulite ist offenbar jedes Mittel willkommen. Fast jede deutsche Frau ist betroffen. Mit unzähligen Wundermitteln werden Milliarden verdient. Ob davon aber irgendeines tatsächlich wirkt, ist eine andere Frage.

          Wer in eine Filiale der Parfümeriekette „Douglas“ geht und die Frage stellt: „Was empfehlen Sie gegen Cellulite?“, bekommt auf der Zeil in Frankfurt und auf dem Kurfürstendamm in Berlin von zwei verschiedenen Verkäuferinnen zunächst einmal dieselbe Antwort: „Es gibt eine Vielzahl von Mitteln. Persönlich empfehle ich aber ein ganz bestimmtes Produkt, das ich auch selbst verwende.“ Die Kundin wird daraufhin in beiden Geschäften zum Verkaufsdisplay einer Tube geführt, deren Hersteller auf der Verpackung verspricht, er als „Anti-Cellulite-Experte“ unterstütze „alle Frauen auf dem Weg zu einem harmonischen, verführerischen Aussehen“. Zweihundert Milliliter kosten 41 Euro.

          In Berlin erhält die unschlüssige Kundin aber noch ein Alternativangebot. „Wenn Sie etwas suchen, das wirklich sehr gut hilft, dann gibt es da natürlich noch etwas anderes“, sagt die freundliche Angestellte. „Das ist dann aber auch entsprechend teuer.“ Entsprechend teuer, das heißt in diesem Fall: 167 Euro für das Zweihundert-Milliliter-Fläschchen einer Firma, die mit dem Slogan wirbt: „Hautpflege an der Grenze zur Medizin“.

          Betroffen: Bis 98 Prozent aller Frauen

          Verglichen mit den Kosten, die für andere Behandlungsmethoden gegen die „Orangenhaut“ fällig werden, ist das ein Pappenstiel. Von den sechs Milliarden Dollar, die Frauen schätzungsweise jedes Jahr weltweit in Anti-Cellulite-Behandlungen stecken, entfallen nur 1,1 Milliarden auf Cremes, Gele, Öle, Pflaster und Wässerchen. Der Rest fließt in Laser-Operationen, Fettabsaugen, Knetmassagen oder Fitnesstraining auf speziellen Rüttelplattformen.

          Sport hilft, wenn auch nur vorübergehend

          „Vor allem junge Frauen, die wegen Cellulite in die Hautarztpraxen kommen, sind oft sehr verzweifelt. Sie wollen die Dellen auf Gesäß und Oberschenkeln einfach nur loswerden und fühlen sich hilflos, weil Cellulite etwas ist, das man sehr schwer beeinflussen kann“, sagt Christa-Maria Höring, Vorsitzende des Arbeitskreises Psychosomatische Dermatologie. Der Leidensdruck der Betroffenen - je nach Studie 85 bis 98 Prozent der Frauen über 20 Jahren, also fast alle - kann in Einzelfällen sehr hoch sein.

          Anatomische Gründe

          Dabei verursacht Cellulite keine Schmerzen und schränkt auch keinerlei lebenswichtige Körperfunktionen ein. Die betroffenen Frauen stören sich aus rein ästhetischen Gründen an den Dellen und Grübchen, die vor allem auf Außen- sowie Hinterseite der Oberschenkel und auf dem Po, seltener auch auf Bauch und Oberarmen zu finden sind.

          Dass nur Frauen Cellulite entwickeln, hat anatomische Gründe: Das Fett, das sich in der Unterhaut befindet, wird im weiblichen Körper von Bindegewebssträngen unterteilt, die senkrecht zur Hautoberfläche verlaufen. Das heißt, das Fettgewebe wird in Form kleiner Säulen zusammengehalten, die sich nach außen ausrichten. Die Unterhaut mit den eingebetteten Fettdepots ist von der dünnen Haut mit ihren Talgdrüsen und Haarfollikeln nur durch eine zarte Bindegewebsschicht getrennt. Die Fettsäulen zeichnen sich deshalb bis an die Oberfläche der Haut ab; ihre Zwischenräume erscheinen als Grübchen. Zunächst einmal hat also die absolute Menge des Fettgewebes durchaus Einfluss darauf, ob Cellulite entsteht. Aber auch Frauen, die immer dünn waren, können Cellulite entwickeln, wenn ihr Bindegewebe, namentlich die unterteilenden Stränge und die spinnwebfeine Schicht zwischen Haut und Unterhaut, besonders nachgiebig ist. Dazu kommt in vielen Fällen eine Störung der Mikrozirkulation. Flüssigkeit sammelt sich im Gewebe an und führt zu einer zusätzlichen Schwellung.

          Weitere Themen

          „Ich bin nicht tot, ihr Schlampen“

          „Roseanne“ kommt zurück : „Ich bin nicht tot, ihr Schlampen“

          Nach rassistischen Kommentaren der Hauptdarstellerin kommt die amerikanische Serie „Roseanne“ als „The Conners“ wieder zurück ins Fernsehen. Die erste Folge dreht sich um ihren Serientod. Die echte Roseanne findet das gar nicht komisch.

          Topmeldungen

          AfD-Kommentar : Kalte Heimat

          Auch die AfD übt jetzt Globalisierungskritik. Alexander Gauland sieht darin sogar den Sinn von Populismus. Seine Sympathie für das Volk speist sich aber aus der Verachtung für die Demokratie.
          Ein Archäologe zeigt an der Ausgrabungsstätte Pompeji auf eine Kohle-Inschrift, die auf die Eruption des Vulkans Vesuv im Oktober 79 nach Christus verweist.

          Sensationsfund in Pompeji : Wann brach der Vesuv tatsächlich aus?

          Eine Inschrift in Pompeji deutet darauf hin, dass der Untergang der Stadt neu datiert werden muss. Der Vesuv brach zwei Monate später aus als man bisher annahm. Italiens Kulturminister spricht von einer historischen Entdeckung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.