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Suchtbericht vorgestellt : Cannabiskonsum in Deutschland nimmt zu

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Der neue Drogen- und Suchtbericht 2018 der Bundesregierung Bild: dpa

Weniger Tabak, dafür mehr Cannabis: Diese Tendenzen zeigt der neue Bericht der Drogenbeauftragten der Bundesregierung. Eine Legalisierung von Cannabis lehnt sie dennoch ab.

          Der Konsum von Cannabis unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist in Deutschland wieder angestiegen. Zwar ging der Konsum seit den früheren 2000er Jahren zunächst zurück, ist jedoch von 2011 an wieder angestiegen. Das zeigt der Drogen- und Suchtbericht 2018, den die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler, am Donnerstag in Berlin vorstellte. Eine Legalisierung der Droge wäre ein Schritt in die falsche Richtung, sagte Mortler. Damit kritisierte sie auch die Entscheidung Kanadas, Cannabis zu legalisieren. Dort kann man seit Mittwoch Cannabis legal für den Freizeitkonsum kaufen.

          „Ich halte die Entscheidung für eine Kapitulation“, sagte Mortler. Der Cannabis-Konsum und seine massiven gesundheitlichen Auswirkungen würden unterschätzt. Ihre Haltung sei unverändert: Die Antwort könne nicht Legalisierung sein. Statt über „freies Kiffen für alle“ zu diskutieren, verfolge sie einen ganzheitlichen Ansatz, der die gesundheitlichen Folgen als Kern des Problems betrachte. Das Ziel sei es, süchtigen Menschen früher gezielte Hilfestellung anzubieten. Auch die Präventionsmaßnahmen müssten verstärkt werden – denn gerade, wer im jungen Alter mit dem Konsum anfinge, müsse mit gesundheitlichen Schäden rechnen.

          Ebenfalls einen Aufwärtstrend gibt laut dem Bericht bei Wasserpfeifen und neuen Produkten wie E-Zigaretten. Vor allem jüngere Menschen zwischen 16 und 29 Jahren probieren die E-Zigarette aus, ein Fünftel von ihnen hat schon mal eine geraucht. Ein wichtiger Grund für den Umstieg auf die E-Zigarette ist dabei die Tabakentwöhnung – die bislang jedoch noch nicht wissenschaftlich bewiesen ist, wie der Bericht betont.

          Eine gute Nachricht gibt es dennoch: So ist der Konsum von Alkohol und Tabak unter Jugendlichen zurückgegangen. So ist der riskante Alkoholkonsum in den vergangenen zehn Jahren bei Jugendlichen um zwei Drittel zurückgegangen. Seit 2003 hat sich auch Anteil rauchender Jugendlicher um zwei Drittel verringert, bei den Erwachsenen ist die Raucherquote immerhin um 30 Prozent gesunken. Trotzdem gebe es jährlich nach wie vor 120.000 „Tabaktote“ in Deutschland, wie Mortler berichtet. „Wir dürften nicht auf halber Strecke stehen bleiben“, sagte sie. Als nächste Präventionsmaßnahme nach den Schockbildern auf Zigarettenschachteln strebt sie das Verbot der Außenwerbung für Tabakwaren an. Tabakwerbung spreche gezielt junge Menschen an, die dafür besonders empfänglich seien.

          Mortler forderte zudem, das Thema Drogen und Sucht breiter zu diskutieren und anzugehen. Sucht sei keine Randerscheinung, sondern eine Krankheit, die man gemeinsam angehen müsse. „Suchterkrankungen wirken sich auf unser Zusammenleben aus, in der Familie, am Arbeitsplatz, in der Nachbarschaft.“ Angesichts von geschätzt 13 Millionen Betroffenen und deren Angehörigen müssten die Themen „raus aus den Fachkreisen“. Die Gesellschaft müsse insgesamt konsequenter werden.

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