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Cannabis-Studie : So stark gefährdet Kiffen die Gesundheit

Nicht so harmlos, wie viele meinen: Einstiegsdroge Cannabis. Bild: dpa

Sanfte Droge Cannabis? Eine Studie des Bundesgesundheitsministeriums belegt das Gegenteil. Demnach ist der Cannabis-Konsum besonders für Jugendliche gefährlich.

          Akuter und chronischer Gebrauch von Cannabis gehen mit zum Teil erheblichen gesundheitlichen Risiken einher. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie über den aktuellen Forschungsstand zum Thema Cannabis, die im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums angefertigt wurde. Die Auswertung von mehr als 2100 wissenschaftlichen Arbeiten, die in den vergangenen zehn Jahren in englischer und deutscher Sprache erschienen sind, ergab ein detailreiches Bild unterschiedlich ausgeprägter Risiken. So finden sich eindeutige Einschränkungen in der Gedächtnisleistung, der Aufmerksamkeit und der Psychomotorik.

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Organisch kann sich Cannabis negativ auf die Atemfunktion und das Herz-Kreislaufsystem auswirken. Cannabiskonsum steht auch im Zusammenhang mit Einbußen im Bildungserfolg und kann abhängig machen. Besonders hoch sind die Risiken, wenn Cannabis schon während der Adoleszenz gebraucht wird oder in hoher Frequenz. Das gilt vor allem für die Entwicklung von affektiven und Angststörungen. Ebenfalls erhöht ist das Risiko für das Auftreten psychotischer Störungen. Nach den Untersuchungen erhöht der Gebrauch von Cannabis das Risiko eines Verkehrsunfalls um den Faktor 1,25 bis 2,66. Kommt Alkohol hinzu, steigt das Unfallrisiko.

          Nach Angaben der Forscher haben in Deutschland in den vergangenen zwölf Monaten etwa sechs Prozent der Menschen zwischen 18 und 64 Jahren Cannabis gebraucht. Unter den jungen Erwachsenen im Alter von 15 bis 34 Jahren lag die Zwölf-Monats-Prävalenz bei 13,3 Prozent. Der Anteil von Personen mit cannabisbezogenen Störungen in der Gesamtbevölkerung zwischen 18 und 64 Jahren wird mit einem Prozent angegeben.

          Noch nicht umfassend abschätzen lassen sich die Effekte, die davon ausgehen, dass der Wirkstoffgehalt von Cannabis stetig steigt. Zunehmend kommen hochpotente synthetische Cannabinoide auf den Markt, die nachweislich zu Todesfällen geführt haben. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU), kommentierte die Ergebnisse mit den Worten, in der öffentlichen Debatte würden die Folgen des Konsums von Cannabis zu Rauschzwecken häufig verharmlost. Wichtig seien Aufklärung und eine bessere medizinische Versorgung cannabisabhängiger Personen.

          Drogen-Umschlagplatz Darknet

          Das Darknet wird nach Erkenntnissen der Europäischen Polizeibehörde Europol und der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EMCDDA) als Plattform für den weltweiten Handel mit Rauschgift zunehmend attraktiver. Herkömmliche Rauschgifte würden inzwischen ebenso über verdeckte Internetplattformen vertrieben wie neue Substanzen, darunter auch hochpotente synthetische Opiate wie Fentanyl, sagte EMCDDA-Direktor Alexis Goosdeel am Dienstag. Als Reaktion auch auf diese neue Form der Bedrohung der Gesundheit und der Sicherheit der Bürger widme sich die Europäische Union verstärkt dem Kampf gegen Kriminalität im Internet, ergänzte der Direktor von Europol, Rob Wainwright. Allerdings habe man es mit Kriminellen zu tun, die dem Verfolgungsdruck schnell auswichen beziehungsweise sich nach einem Fahndungserfolg schnell reorganisierten. Nach Schätzungen kommen Rauschgifte auf der Welt für zwei Drittel des Handelsvolumens auf Kryptomärkten aus. Auf Produzenten aus der EU entfallen demnach etwa 46 Prozent aller Online-Rauschgiftverkäufe weltweit. Den Umsatz schätzen die Behörden auf zur Zeit etwa 80 Millionen Euro.

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