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Burnout-Syndrom : Erschöpft, ausgebrannt, arbeitsmüde

Gerade junge Akademikerinnen sind betroffen vom Burnout-Syndrom Bild: F.A.Z. - FOTO DIETER RUECHEL

Burnout heißt die neue Zivilisationskrankheit - jeder neunte Deutsche ist betroffen. Immer häufiger trifft es junge Akademikerinnen: Ehrgeizige Karrierefrauen, die alles auf einmal schaffen wollen und daran zugrunde gehen.

          Am liebsten wäre Mareike nur noch im Bett geblieben. Schon am frühen Morgen fühlte sie sich müde, erschöpft, ausgebrannt. „Ich hatte keinen Antrieb zu gar nichts, alles war mir zu viel“, sagt die junge Frau. Gerade 30 war sie geworden, als sie spürte, ihr High-Potential-Leben gerät aus den Fugen: „Ich war im Paradies, und in mir fühlte ich die Hölle.“

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Nichts erfreute sie mehr, obwohl alles zum Besten schien: glückliche Ehe, der Mann gut verdienender Akademiker wie sie, aufregender Job in einem Dax-Konzern. Immer wenn dort Pioniergeist gefragt ist, meldet sie sich. So geht es Projekt für Projekt nach oben. Zwei Dutzend Leute hat sie rasch in ihrem Team und den Zwang, jede Aufgabe perfekt zu erledigen: „Ich brauchte die Anerkennung, bekam mich nicht mehr runtergeregelt.“ Nur im Ausnahmefall verbringt die Jungmanagerin weniger als 14 Stunden in der Firma, den Takt aus der Arbeit hält sie auch abends. „Wenn ich mich in der Kneipe verabredet habe, dann mit drei Bekannten nacheinander.“

          „Ich habe nur noch geschrien“

          Der Stress nimmt zu, private Sorgen ziehen auf: Warum klappt es nicht mit der Schwangerschaft? Und falls das Baby kommt, wie geht’s dann weiter mit der Karriere? Der Körper sendet erste Alarmsignale. „Ich konnte nicht mehr richtig schlafen, bin von einem Arzt zum nächsten gerannt.“

          Bild: F.A.Z.

          Als sie an einen Mediziner gerät, der sie brutal mit der Wahrheit konfrontiert („Ihr Akku ist völlig leer“), bricht sie in der Praxis zusammen: „Ich hatte eine Stunde lang einen Weinkrampf.“ Fünf Wochen Auszeit werden ihr verordnet. Danach geht es weiter wie zuvor. Bis zum nächsten Zusammenbruch, „doppelt so heftig, ich habe nur noch geschrien“. Schließlich wird Mareike in eine Klinik eingewiesen. Diagnose: „schwerer Burnout“.

          Jeder Neunte ist betroffen

          Im strikten Sinn handelt es sich beim Burnout-Syndrom um keine Krankheit, sondern um einen „Zustand körperlicher, psychischer und geistiger Erschöpfung, der durch normale Erholungszeiten nicht mehr kompensiert werden kann“, wie der Frankfurter Psychoanalytiker Hansjörg Becker erklärt.

          Exakte Zahlen über die Verbreitung liegen nicht vor, alle Fachleute aber bestätigen: Burnout ist zu einem Massenphänomen geworden. Jeder Neunte leidet in Deutschland darunter, schätzen die Betriebskrankenkassen.

          Psychische Störungen sind einer der häufigsten Gründe für Arbeitsunfähigkeit. Jeder Vierte, der von der Allianz Geld aus der Berufsunfähigkeitsversicherung erhält, tut dies wegen psychischer Störungen: „Die Anzahl der Schadensfälle hat deutlich zugenommen“, sagt eine Konzernsprecherin. „Intensität wie Häufigkeit von Burnout-Fällen steigen“, bestätigt der auf dieses Gebiet spezialisierte Frankfurter Therapeut Hansjörg Becker. Der Trend sei so stark, dass „es den Unternehmen weh tut, da immer mehr Leute deswegen ausfallen“.

          Aufputschmittel und Alkohol beschleunigen den Verfall

          Die Arbeit in den Büros hat sich verdichtet, mit der Flut an Mails kommt der Kopf nicht mehr mit. Die Angst um den Job tut ein Übriges. „Um sich in der Firma unentbehrlich zu machen, geben die Leute das Letzte, oft mehr, als sie können“, schildert Pfarrer Hartmut Zweigle, Betriebsseelsorger im Großraum Stuttgart, die Zustände in IT- und Autoindustrie.

          „Viele haben außerhalb der Arbeit keine sozialen Kontakte mehr.“ Wenn er die Hilfesuchenden fragt, was sie nach Feierabend so treiben, nennen sie vielleicht noch das Fitness-Studio. „Viel mehr ist da nicht.“

          Unternehmer berichten davon, dass übereifrige Mitarbeiter sich weigern, Urlaub zu nehmen. Ein Dienstleistungskonzern in Frankfurt bezahlt einen Trainer eigens dafür, dass er die Leute spätabends nach Hause schickt: „Die glauben, wenn um 23 Uhr kein Licht mehr an ihrem Schreibtisch brennt, sind sie Schwächlinge.“

          Häufig kommt mit dem Burn-out der Alkohol. „Abends leeren sie die Minibars, morgens schlucken sie Aufputsch-Medikamente“, sagt der Hamburger Professor Matthias Burisch. „Das beschleunigt den Zerfall.“

          Immer auf der Suche nach dem nächsten Kick

          Fast jeder kennt heute Fälle aus dem Bekanntenkreis: Da ist die alleinerziehende Studentin, die das Examen erzwingen will und unter dem Druck verzweifelt. Oder der Qualitätsingenieur, der Tag für Tag 225 Mails abarbeitet, bis er zusammenklappt. Oder die überehrgeizige Teamleiterin, die sich, zurück aus der Elternzeit, auf dem Abstellgleis findet („Man gibt mir nur noch aussichtslose Projekte“) und einen Hörsturz erleidet, der oft einhergeht mit dem Burnout.

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