12.07.2004 · Was hilft im Kampf gegen Aids? Auf der 15. Internationalen Aidskonferenz streiten sich die Delegierten über Sinn und Unsinn von Forderungen nach ehelicher Treue oder Kondomen, um der Immunschwächekrankheit beizukommen.
Auf der 15. Internationalen Aidskonferenz in Bangkok ist ein Streit über Kondome und ihren Nutzen beim Kampf gegen die Immunschwäche entbrannt. Ausgelöst wurde er durch die Erklärung des ugandischen Präsidenten Yoweri Museveni, Abstinenz und Treue seien effektivere Wege zur Vermeidung einer Infektion. „Kondome sind nicht die ultimative Lösung“, sagte er am Montag, dem zweiten Tag der Konferenz.
Während Museveni damit im Einklang mit dem amerikanischen Präsident George W. Bush steht, provozierte er die Mehrheit der Wissenschaftler und Betroffenen in Bangkok. Sie verweisen auf Staaten wie Thailand, wo die Verwendung von Kondomen in der Sexindustrie und Prostitution die HIV-Rate um das Siebenfache reduziert haben. Gesundheitsexperte Tim Brown vom East West Center stellte fest, daß die dramatische Ausbreitung von Aids in China und Bangladesh vor allem durch Prostitution verursacht sei. „Ich muß Museveni widersprechen“, sagte er. „Wenn 50 Prozent mehr Menschen Kondome benutzen, werden sich 50 Prozent weniger anstecken.“
Erfolgsquote in Uganda
Doch der ugandische Präsident verweist auf die HIV-Infektionsrate, die in seinem Land von mehr als 30 Prozent zu Beginn der 90er Jahre auf noch etwa 6 Prozent gedrosselt worden sei. Im Kampf gegen Aids seien liebevolle Beziehungen von Mann und Frau von entscheidender Bedeutung, so Museveni. Bei Problemen in der Ehe sollte diese aber besser beendet werden, als daß ein untreuer Partner den Aids-Erreger ins Haus bringe. „Außerdem ist der Beischlaf in manchen Kulturen sehr kunstvoll, so daß Kondome dabei stören können“, erläuterte er vor dem Plenum weiter. Kondome sollten von denjenigen benutzt werden, die nicht zu Treue fähig seien oder sich nicht zurückhalten könnten.
Bush wurde von Delegierten kritisiert, weil ein Drittel des von Washington bereitgestellten Geldes für den Kampf gegen Aids für Programme ausgegeben werden muß, die Enthaltsamkeit vor der Ehe fordern. „Fünf Millionen Menschen infizieren sich jährlich mit HIV“, sagte die amerikanische Abgeordnete Barbara Lee. Mädchen und Frauen hätten oft keine Möglichkeit, abstinent zu bleiben, etwa weil sie in der Ehe zum Sex gezwungen würden. „Da sind Enthaltsamkeitsprogramme nicht nur unverantwortlich, sie sind unmenschlich.“
Zahl der Aids-Opfer steigt weiter
In Bangkok beraten 20.000 Wissenschaftler, Politiker und Betroffene eine Woche lang über den Kampf gegen die Immunschwächekrankheit. Weltweit sind 38 Millionen Menschen mit HIV infiziert, 30 Millionen von ihnen in Entwicklungsländern. Im vergangenen Jahr steckten sich fünf Millionen Menschen mit dem Virus an, drei Millionen starben. Das waren die höchsten Zahlen seit Entdeckung des Virus vor 23 Jahren.
Der Auftakt der Konferenz am Sonntag begann mit einer protokollarischen Panne. Der thailändische Ministerpräsident Thaksin Shinawatra verließ am späten Abend den Saal, ohne die Rede des mit HIV infizierten thailändischen Delegierten Paisan Swannawong anzuhören. Thaksin zündete vor dem Verlassen des Saals zur symbolischen Eröffnung der Konferenz eine riesige Kerze an. UN-Generalsekretär Kofi Annan und andere Konferenzteilnehmer folgten ihm daraufhin zum Buffet. Paisan sprach vor fast leerem Plenum.