Das Ziel der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die Masern bis 2010 in Europa zu eliminieren, ist verfehlt worden. Dabei stehen die westeuropäischen Länder nicht viel besser da als die osteuropäischen. Gerade in den deutschsprachigen Nationen in der Mitte des Kontinents kam es in den vergangenen Jahren zu mehreren Ausbrüchen der hochgefährlichen Virusinfektion. Europa umfasst nach WHO-Definition 53 Staaten - darunter Israel und Russland sowie alle anderen 14 ehemaligen Sowjetrepubliken. Als „ausgerottet“ gelten die Masern, wenn mehr als 95 Prozent der Kinder und Jugendlichen zweimal (im Abstand von mehreren Wochen) gegen das Virus geimpft sind. Nur ein Land erfüllt bislang das Kriterium voll und ganz: Finnland. Etwa 28 weitere Länder haben das Ziel nahezu erreicht.
Deutschland hatte sich ausdrücklich zur Maserneliminierung bis zu diesem Jahr bekannt, auch weil die Vorgabe eng mit den Millennium-Entwicklungszielen verbunden ist. Darin heißt es (unter Punkt vier), dass die Staatengemeinschaft zwischen 1990 und 2015 die Kindersterblichkeit von unter Fünfjährigen um zwei Drittel senken will - von 10,6 auf 3,5 Prozent. Die Gefahr einer Masernerkrankung wird dabei vielfach unterschätzt. Die von vielen als harmlos eingestufte Infektion ist eine Haupttodesursache bei Kindern und Jugendlichen. Nach WHO-Angaben starben 2008 etwa 164.000 Personen an Masern, das sind 450 Tote täglich - 18 Tote in jeder Stunde.
Geschwächte Patienten sterben leicht an Masern
Die meisten Todesfälle verzeichnen Entwicklungsländer, doch selbst in Industrienationen wie Deutschland sterben alljährlich Kinder an dem tückischen Erreger. Zu den schlimmsten Komplikationen gehören Gehirnentzündungen, die erst nach Jahren auftreten können, aber auch Lungenentzündungen und Erblinden. Geschwächte Patienten (zum Beispiel durch Mangelernährung oder eine HIV-Infektion) sterben leicht an Masern. Die Sterblichkeitsrate in unterentwickelten Ländern liegt bei bis zu 25 Prozent. In Deutschland kommt es aber ebenfalls immer wieder zu schwerwiegenden Komplikationen und Todesfällen vor allem bei unter Fünfjährigen und Erwachsenen, die älter als 20 Jahre sind. Insgesamt ging die Zahl der Masernerkrankungen in Europa zwar klar zurück: von mehr als 850.000 im Jahr 1980 auf etwa 37.000 im Jahr 2005 und zuletzt rund 9000 im Jahr 2008 - mehr als zehn Prozent davon in Deutschland. Nach ersten Berechnungen hat sich die Zahl 2009 in Deutschland noch einmal halbiert, nachdem sie 2007 schon bei 570 gelegen hatte. Trotzdem bereiten den Fachleuten vom Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin die zu geringe Impfquote und die lokalen Ausbrüche Sorgen. Zuletzt gab es in Nordrhein-Westfalen und in Hamburg gehäuft Masernfälle.
Vergesslichkeit (besonders auch in der Gruppe der Migranten) sei einer der Hauptgründe, dass es bei Kindern und Jugendlichen oft nicht zur zweiten Impfung komme. Nach RKI-Angaben sind in manchen Gegenden bis zu ein Viertel der unter Elfjährigen nur einmal und damit nicht genügend immunisiert.
Doch es gibt auch Impfgegner, die daran glauben, es sei gut, eine Kinderkrankheit „durchzumachen“. Wie viel besser eine Schutzimpfung ist, zeigen die Fortschritte bei der Maserneliminierung: Nach Angaben der WHO haben die verstärkten Impfkampagnen auf der ganzen Welt dazu geführt, dass inzwischen 83 Prozent der Kleinkinder bis zu ihrem ersten Lebensjahr zumindest einmal gegen das Virus geimpft werden - vor zehn Jahren waren es nur etwa 73 Prozent. Zugleich ging die Zahl der Todesfälle durch Masern um rund 78 Prozent zurück.
unverbesserlich
Thomas Friess (thomasfriess)
- 05.01.2010, 17:45 Uhr
Masern töten auch im 21. Jahrhundert viele ungeimpfte Kinder
Jörg Rengel (joergrengel)
- 05.01.2010, 17:58 Uhr
