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Alzheimer Die Vergesslichen nicht vergessen

Eine Million Demenzkranke gibt es mittlerweile in Deutschland – und wenn die Forschung nicht in absehbarer Zeit ein Heilmittel für die Alzheimer-Krankheit findet, werden es im Jahr 2050 mehr als doppelt so viele sein.

© dapd Vergrößern „Viele definieren sich ausschließlich über den Intellekt und haben eine diffuse Angst, die Kontrolle über ihr Leben zu verlieren“, sagt Heike von Lützau-Hohlbein von der Deutschen Alzheimer-Gesellschaft.

Alzheimer macht Angst: „Aus Studien wissen wir, dass viele Menschen recht gut über die Krankheit informiert sind“, sagt Heike von Lützau-Hohlbein, die Vorsitzende der Deutschen Alzheimer-Gesellschaft. Die Menschen kennten die Symptome, etwa den Verlust des Kurzzeitgedächtnisses und Orientierungsschwierigkeiten auch in vertrauter Umgebung. „Aber wenn es sie selbst oder ihre Angehörigen trifft, ist das etwas ganz anderes. Viele definieren sich ausschließlich über den Intellekt und haben eine diffuse Angst, die Kontrolle über ihr Leben zu verlieren.“

Derzeit gibt es eine Million Demenzkranke in Deutschland. Wird kein Heilmittel gefunden, kann diese Zahl im Jahr 2050 auf zweieinhalb Millionen gestiegen sein, schätzt die Deutsche Alzheimer-Gesellschaft e.V., der Dachverband für 133 auf Landes- und Regionalebene organisierte Alzheimer-Gesellschaften.

Von Lützau-Hohlbein sieht die Krankheit als Aufgabe für die gesamte Gesellschaft. „Bei der Lösung kommt es auf das Miteinander an. Nur wenn Mediziner und Therapeuten, Angehörige und Kranke zusammenarbeiten, kann das Leben mit Demenz gelingen“, sagt sie, und der Kongress der Deutschen Alzheimer-Gesellschaft im hessischen Hanau stand so unlängst unter dem Motto „Zusammen leben - voneinander lernen“.

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Von Lützau-Hohlbein nennt als Beispiel für mehr Aufmerksamkeit die Kassiererin im Supermarkt, der auffällt, dass ein Stammkunde auf einmal Unmengen unsinniger Dinge einkauft. Oder Nachbarn und Vereinskameraden, die merken, dass sich jemand immer mehr zurückzieht. Ein Bankangestellter, der sieht, wie ein Kunde plötzlich verwirrt vor dem Geldautomaten steht oder nicht mehr weiß, welchen Betrag er auf das Überweisungsformular schreiben wollte. Die etwa 450 Mehrgenerationenhäuser in Deutschland sind für die Vorsitzende der Deutschen Alzheimer-Gesellschaft Orte, an denen das „Miteinander“ von Gesunden und Demenzkranken gelingen kann. Drei Jahre lang hat das Bundesfamilienministerium das Vorhaben gefördert, Mehrgenerationenhäuser auch für Demenzkranke und ihre Angehörigen nutzbar zu machen. Achtzig solcher Häuser hatten Interesse an dem Demenz-Projekt gezeigt, zehn von ihnen wählte die Deutsche Alzheimer-Gesellschaft schließlich dafür aus.

Im Haus „Fontanetreff“ in Königs Wusterhausen etwa probierte man es mit einem offenen Tanztee für Bewohner mit und ohne Demenz. Ein anderes Haus organisierte einen Strandtag für gesunde und demenzkranke Bewohner, zu denen dann auch die Kinder einer örtlichen Kindertagesstätte stießen. Wieder ein anderes richtete eine Gruppe ein, die Demenzkranke betreute, während sich pflegende Angehörige in einer Selbsthilfegruppe austauschten. Auch bei den 50 Projekten der Initiative „Unterwegs zur demenzfreundlichen Kommune“ der Aktion Demenz e.V. setzt man auf das „Miteinander“, ob das nun ein Musical ist, wie es Schüler und Demenzkranke in der brandenburgischen Gemeinde Kloster Lehnin gemeinsam aufführten, das Projekt „Making Memories“ der Arbeiterwohlfahrt Bremen und der Kunsthalle Bremen, das für Demenzkranke und ihre pflegenden Angehörigen Ausstellungsbesuche ermöglicht, oder die „Kulturpaten“ der Stadt Kiel, die Demenzkranke auf Wunsch zu kulturellen Veranstaltungen mitnehmen.

„Gerade im Frühstadium der Demenz brauchen die Patienten eher Begleitung als Pflege“, hebt Heike von Lützau-Hohlbein hervor. Sie hofft, dass erfolgreiche Modellprojekte, die vom Bundesfamilienministerium und vom Bundesgesundheitsministerium unterstützt wurden, jetzt von Ländern, Kommunen oder Krankenkassen aufgegriffen und finanziert werden.

Quelle: F.A.Z.

 
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