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Alkohol Alcopops als Suchtmittel

22.04.2004 ·  Die Zahl der Drogentoten geht zurück, der Alkoholmißbrauch von Minderjährigen steigt aber weiter. Anteil an dieser Entwicklung haben die sogenannten Alcopops, die Kindern und Jugendlichen den Einstieg in den Alkohol versüßen.

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Die Zahl der Drogentoten ist im vergangenen Jahr in Deutschland auf den niedrigsten Stand seit 1989 gesunken. An den Folgen des Konsums illegaler Drogen seien 1477 Personen verstorben, sagte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marion Caspers-Merk, am Donnerstag in Berlin bei der Vorlage des Drogen- und Suchtberichts. Im Vergleich zum Vorjahrsei dies ein Rückgang um 2,4 Prozent.

Dagegen hätten die Fälle von Alkoholmißbrauch bei Minderjährigen stark zugenommen, fuhr die SPD-Politikerin fort. Von 2000 bis 2002 habe sich die Zahl der stationär behandelten Kinder und Jugendlichen mit Alkoholvergiftungen um 26 Prozent erhöht. Der Anteil der Mädchen habe unter ihnen zuletzt 50 Prozent erreicht. Im Jahr 2000 seien in Deutschland 10.661 Fälle mit Alkoholvergiftung bei Jugendlichen unter neunzehn Jahren registriert worden. In Flächenländern sei der Anteil stationär behandelter Kinder und Jugendlicher mit Alkoholvergiftungen überdurchschnittlich hoch, stellt die Beratungsgesellschaft Prognos fest. Jeder dritte stationär behandelte Patient sei jünger als fünfzehn Jahre.

Exzessives Trinkverhalten

Caspers-Merk nahm die steigende Tendenz bei Jugendlichen mit exzessiven Trinkerfahrungen als Beleg dafür, daß es richtig sei, eine Sonderabgabe für Alcopops einzuführen. Die Verfügbarkeit von Alkohol für Kinder und Jugendliche müsse erschwert werden. Die süßen Alcopops seien zum beliebtesten alkoholischen Getränk bei jungen Menschen unter achtzehn Jahren geworden, der Konsum habe sich seit 1998 vervierfacht. Das belege eine Repräsentativerhebung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Die Bundesregierung will die 275-Milliliter-Flaschen mit einer Sondersteuer von je 83 Cent belegen. Erfahrungen aus dem Ausland zeigen, daß die Nachfrage damit deutlich reduziert werden kann.

Mit einer höheren Besteuerung und Warnhinweisen auf Zigarettenpackungen will die Regierung auch den Tabakkonsum weiter eindämmen. Jährlich stürben mehr als 110.000 Personen vorzeitig an nikotinbedingten Krankheiten. Die Raucherquote müsse deshalb weiter reduziert werden. "Nichtrauchen muß der Normalfall werden", sagte Caspers-Merk. Schulen sollten zu rauchfreien Zonen werden - zu einer solchen wurde das Bundesgesundheitsministerium bereits erklärt. Nach wie vor sei Rauchen "das größte vermeidbare Gesundheitsrisiko in Deutschland".

Erfolgreiche Drogenpolitik

Jeder vierter Raucher rauche mehr als sechs Zigaretten am Tag und sei damit ein "riskanter Raucher". Männer griffen inzwischen immer weniger zur Zigarette. Der Anteil der Raucher sei binnen sieben Jahren von 43 auf 37 Prozent gesunken. Bei den Frauen liege der Anteil der Raucher unverändert bei 30 Prozent. Der Alkoholkonsum sei dagegen bei Männern und Frauen rückläufig. Dennoch stürben jährlich mehr als 42000 Menschen an den Folgen des Alkoholkonsums. Der volkswirtschaftliche Schaden werde auf 20 Milliarden Euro jährlich geschätzt, sagte die Staatssekretärin.

Als einen Erfolg der Drogenpolitik der Bundesregierung bewertete Caspers-Merk den neuerlichen Rückgang der Todesfälle nach illegalen Drogenkonsum. Deren Zahl sei nach 17,5 Prozent im Vorjahr erneut gesunken. Auffällig ist allerdings, daß jeder zehnte dieser Todesfälle einen Aussiedler betrifft. Die Prävention und Behandlung für diese Risikogruppe müsse verbessert werden. Dazu zählten auch diverse Integrationsprojekte der Bundesregierung.

Caspers-Merk warnte erneut davor, die Gefahren durch Cannabis-Produkte zu bagatellisieren. Haschisch sei weiterhin die am meisten konsumierte illegale Droge in Deutschland. Fast jeder Zweite im Alter von 18 bis 24 Jahren sei damit bereits mindestens einmal in Berührung gekommen. Dagegen sei der Konsum von Opiaten wie Heroin, Methadon, Codein, Opium und Morphium kaum verbreitet. Nur 1,4 Prozent der Bürger von 18 bis 59 Jahren hätten damit bereits einmal Erfahrungen gesammelt. Dagegen hätten drei Prozent der Altersgruppe angeben, Kokain konsumiert zu haben, bei der "Designer-Droge" Ecstasy betrage die Quote 2,4 Prozent.

Quelle: ami. / Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.04.2004, Nr. 95
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