12.07.2004 · Zuwenig Kontrolle: Der "Global Fund to Fight Aids, Tuberculosis and Malaria" hat nur die Aufgabe, große Summen zu sammeln und auszugeben.
Manche erzählen, der "Global Fund to Fight Aids, Tuberculosis and Malaria" sei gegründet worden, weil einige Regierungen mit der Arbeit der Vereinten Nationen (UN) nicht zufrieden gewesen seien. Dagegen spricht, daß der UN-Generalsekretär Kofi Annan als Gründungsvater gilt. Tatsächlich füllt der Global Fund, der erst seit 30 Monaten besteht, eine Nische: Er sammelt große Geldsummen und gibt sie wieder aus.
Die Projektarbeit vor allem in Afrika und Asien übernehmen hingegen die altbekannten Organisationen: die Vereinten Nationen, vor allem UNAIDS, die Weltgesundheitsorganisation und die Weltbank. Der Global Fund mit seinen gerade einmal 80 Mitarbeitern wäre zu einer umfassenden Hilfe in den Empfängerländern überhaupt nicht in der Lage. "Wir sind nicht viel mehr als eine Finanzierungsmaschine", sagt denn auch Richard Feachem, Direktor des Global Fund.
Behandlung mit einem Aids-Generikum
Spätestens auf der XIII. Internationalen Aids-Konferenz im südafrikanischen Durban wurde der Weltgemeinschaft klar, daß HIV und Aids nur effektiv bekämpft werden können, wenn innerhalb kürzester Zeit viel Geld zur Verfügung steht. Anfang 2000 kostete die antiretrovirale Therapie eines Patienten etwa 10.000 Euro im Jahr. Damals lebten allein in Afrika schon 20 Millionen Menschen mit Aids, täglich infizierten sich mehr als 10.000 Personen auf der ganzen Welt.
Um auch nur annähernd die etwa 35 Millionen Patienten im Jahr 2000 therapieren zu können, wären, wie WHO und UNAIDS ausrechneten, mindestens zehn Milliarden Dollar (acht Milliarden Euro) nötig gewesen. Mittlerweile wurden die Zahlen weit nach oben korrigiert, obwohl die Behandlung mit einem Aids-Generikum inzwischen weniger als 300 Dollar pro Patient und Jahr kostet: Nach neuen Schätzungen müßten von 2007 an jährlich mehr als 20 Milliarden Dollar zur Verfügung stehen.
Amerika, Europa und der Rest der Welt
Im Januar 2002 nahm der Global Fund seine Arbeit auf - zunächst mit nur fünf Mitarbeitern. Innerhalb kurzer Zeit - bis Oktober 2003 - wurden 2,1 Milliarden Dollar bereitgestellt. Festgelegt wurde, daß das Geld zu jeweils drei gleichen Teilen von den Vereinigten Staaten, von Europa und - wie es heißt - vom Rest der Welt stammen. Zum Rest der Welt gehören nicht nur Regierungen, sondern auch Wirtschaftsunternehmen oder sogar Privatpersonen (mit einem Anteil von bis zu zehn Prozent).
Die Ausbeute ist aber bislang bescheiden gewesen: Bis auf den bedeutendsten Philanthropen der Welt, Bill Gates, und seine Gates Foundation (100 Millionen Dollar) hat sich noch kein Großspender gefunden. Auch auf das von den einzelnen Nationen zugesagte Geld muß der Global Fund meist über Gebühr lang warten. Grundlage des zu zahlenden Beitrags ist ein nach dem Bruttosozialprodukt errechneter Anteil ("Equitable Contributions Framework"), dem aber einige Staaten nicht gerecht werden.
Eine erste Bilanz
Seine Projekte wählt der Global Fund anhand von Bewerbungsunterlagen aus. Ansprechpartner sind dabei meist die Länder (der sogenannte "Country Coordinating Mechanism"), die um Geld für eine Reihe von kleinen und auch regierungsunabhängigen Projekten nachsuchen können. Wenn der Global Fund zustimmt, bekommt ein verantwortlicher Adressat - die Regierung des Landes oder eine seiner Behörden, eine Nichtregierungsorganisation oder zum Beispiel das "United Nations Development Programme" als Vertreter - einen Teil der genehmigten Summe überwiesen. Wenn das Projekt reibungslos funktioniert, fließt weiteres Geld.
Auf der Internationalen Aids-Konferenz in Bangkok hat Richard Feachem am Sonntag eine erste Bilanz gezogen und einen Bericht vorgelegt. Für ihn wurden 25 Programme, die schon länger als ein Jahr laufen, überprüft: Zwölf wurden den eigenen Vorgaben gerecht, acht konnten den Zeitplan nicht ganz einhalten, fünf wiesen erhebliche Defizite auf.
Zuwenig Kontrolle
Der Global Fund befindet sich mittlerweile in seiner vierten Runde; 3,1 Milliarden Dollar wurden bislang genehmigt, 300 Projekte in 127 Ländern wurden ausgewählt. Der Global Fund hofft, daß nach Ablauf von fünf Jahren 1,6 Millionen Aids-Kranke eine antiretrovirale Therapie erhalten, daß 56 Millionen Menschen freiwillig auf HIV getestet wurden und daß mehr als eine Million Aids-Waisenkinder medizinisch betreut, unterrichtet und versorgt werden können.
Die Ziele sind hochgesteckt und wohl kaum zu schaffen. Von den angestrebten 20 Milliarden Dollar im Jahr 2007 ist der Global Fund weit entfernt. "Im Augenblick ist noch nicht einmal klar, ob Runde fünf planmäßig in diesem Jahr beginnen kann", sagt Katja Roll vom Aktionsbündnis gegen Aids mit Sitz in Tübingen. Das Geld für nächstes Jahr sei noch nicht einmal gesichert. Katja Roll gehörte zu den etwa 450 Delegierten, die vor der Aids-Konferenz in einem "Partnership-Forum" genannten Prozeß die Arbeit des Global Fund kritisch durchleuchtet haben. Insgesamt sei der Global Fund gelobt worden, berichtet Katja Roll. Kritisiert aber wurde unter anderem, daß die Empfängerländer zuwenig kontrolliert werden.
Schwierig für den Global Fund ist die Konkurrenz anderer Hilfsprogramme: So zieht es unter anderen der amerikanische Präsident George W. Bush vor, 15 Milliarden Dollar über USAIDS für bilaterale Aids-Programme auszugeben. Nicht ganz uneigennützig, wie Katja Roll erklärt. Die 15 Empfängerländer seien nicht immer danach ausgesucht worden, wie stark sie von HIV und Aids betroffen sind, sondern auch aus geostrategischen Gründen. Zudem kämen nur amerikanische und patentierte Medikamente zum Einsatz, sagt die junge Deutsche. "Da wird auf einmal viel Geld ausgegeben, fraglich aber ist, wie nachhaltig Bushs Programm ist."