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Aids Enttäuschung in Bangkok

09.07.2004 ·  In Bangkok wird am Sonntag die 15. Welt-Aids-Konferenz eröffnet. Eines der Hauptthemen und gleichzeitig Motto der Veranstaltung "Access For All" ist das Recht aller auf eine Behandlung mit Aids-Medikamenten.

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Mit einem Lächeln überspielte Sudarat Keyuraphan ihre Enttäuschung. Wenige Tage vor der Eröffnung der Internationalen Aids-Konferenz am Sonntag mußte die thailändische Gesundheitsministerin das von ihr geplante politische Gipfeltreffen in Bangkok absagen.

Nur der ugandische Präsident Yoweri Museveni folgt der Einladung Keyuraphans, eine Reihe weiterer Staats- und Regierungschefs - aus Botswana, Brasilien, China, Indien, Nigeria, Ruanda, Kanada, Rußland und der EU - haben ihre Teilnahme an einem "Aids-Gipfel" hingegen abgesagt. "Das wird den Ablauf der sechstägigen Konferenz nicht negativ beeinflussen", sagte Keyuraphan. Allerdings sei wieder einmal die Chance vertan worden, all diejenigen an einem Ort zu versammeln, die sich im Kampf gegen HIV und Aids auch verbünden sollten.

Recht aller auf Behandlung

Die Enttäuschung in Bangkok ist groß. Darüber können auch nicht UN-Generalsekretär Kofi Annan und der frühere südafrikanische Präsident Nelson Mandela hinwegtäuschen, die ihre Teilnahme fest zugesagt haben. Annan wird am Sonntag zusammen mit dem thailändischen Ministerpräsidenten Thaksin Shinawatra die fünfzehnte Internationale Aids-Konferenz eröffnen. Bangkok erwartet mehr als 20.000 Delegierte, unter ihnen vor allem Wissenschaftler und Repräsentanten von Hilfs- und Nichtregierungsorganisationen.

Diese haben in den vergangenen Tagen Bilanz gezogen. Demnach wurden im vergangenen Jahr mehr Menschen mit dem HI-Virus infiziert (knapp fünf Millionen) als jemals zuvor in einem Jahr. Drei Millionen Menschen starben 2003 an der Immunschwächekrankheit. Auf der ganzen Welt leben zur Zeit etwa 40 Millionen Menschen mit der Krankheit, 20 Millionen sind seit 1981 an Aids gestorben. Eines der Hauptthemen in Bangkok - und gleichzeitig Motto der Veranstaltung ("Access For All") - ist das Recht aller auf eine Behandlung mit Aids-Medikamenten.

Preiswertere Generika

Kaum jemand stellt mehr eine Behandlung mit wesentlich preiswerteren Generika in Frage - zumindest in den weniger entwickelten Ländern Afrikas und Asiens. Allerdings sind selbst dort die Nachahmerpräparate noch immer nicht für jedermann zugänglich. Erst vor wenigen Tagen hat Thailand darum bekanntgegeben, daß es nun auch Burma, Laos und Kambodscha mit dem von der Pharmazeutin Krisana Kraisintu entwickelten Generikum GPOVIR versorgen will.

Auch das Thema Prävention steht auf der Agenda, nachdem fast alle Regierungen in den vergangenen Jahren gerade an verhütenden Maßnahmen gespart haben. Damit einher geht die Zielsetzung, die Zahl der Neuinfektionen bis 2005 auf unter drei Millionen zu reduzieren. Mit Spannung werden zudem die neuesten Forschungsergebnisse erwartet: So gibt es auch in Deutschland seit einem Jahr schon eine Impfstudie. Allerdings wurde vorsorglich mitgeteilt, daß sich Erfolge erst in einigen Jahren einstellen werden.

Quelle: pps. / Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.07.2004, Nr. 158 / Seite 9
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