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Ärzte-Kampagne Der Herr Doktor hat keinen, der ihn mag

 ·  „Wir arbeiten für Ihr Leben gerne“: Mit einer 15 Millionen Euro teuren Kampagne werben Deutschlands Ärzte für sich selbst. Nicht zu Unrecht sorgen sie sich um ihren Ruf. Doch können sie so Vertrauen zurückgewinnen?

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© Fricke, Helmut Vergrößern Ist die teure Kampagne notwendig?

Vorabendsendungen haben mit der Realität wenig gemein. Besonders weit von der Wirklichkeit entfernt scheinen aber mittlerweile die Arztserien des ZDF zu sein. Dass nicht jeder niedergelassene Arzt solch treue Augen und gewinnende Gesichtszüge wie „Der Landarzt“ hat, der jeden Freitag charmant und stets gutgelaunt im Zweiten seine Patienten versorgt, weiß jeder. Dass Ärzte in der Welt außerhalb des Fernsehens immer zur genau richtigen Zeit am Ort des Notfalles sind wie zufälligerweise am frühen Samstagabend „Der Bergdoktor“, der dann auch noch für die seltensten Erkrankungen die richtige Therapie aus dem Ärmel schüttelt, hat ebenfalls noch nie jemand erwartet. Dass aber die wahren Fach- und Hausärzte nun 15 Millionen Euro in die Hand nehmen, um ihr Image aufzubessern, überrascht.

“Landarzt“ wie „Bergdoktor“ werden von ihren Patienten aufgrund ihrer vertrauenerweckenden Ausstrahlung, ihrer bedingungslosen Zuwendung und ihres Fachwissens geschätzt. Da können ihre Kollegen in der Wirklichkeit nicht immer mithalten - und sie scheinen es zu wissen. Seit rund drei Wochen nämlich hängen in der ganzen Republik Werbeplakate. Darauf zu sehen sind die Gesichter von Burkhard Matthes und Ulrike Hackenberg, von Ina Metag und rund elf anderen Haus- oder Fachärzten. Unter ihren Konterfeis steht der Satz: „Ich arbeite für Ihr Leben gerne.“

Ärzte sind immer noch die angesehenste Berufsgruppe

Hinter der Kampagne, die bis ins Jahr 2017 laufen soll, steht die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), nach eigenen Angaben beauftragt von der Vertreterversammlung der Ärzte. So simpel die Botschaften der großen Plakate und der zur besten Sendezeit ausgestrahlten Schwarzweiß-Fernsehspots mit getragener Musikuntermalung, die an Spendenaufrufe für Menschen in Not erinnern, so ehrgeizig sind ihre Ziele: die Attraktivität des Arztberufs steigern, Ärzte und Patienten wieder näher zusammenbringen, sich von schwarzen Schafen unter der Ärzteschaft distanzieren und die Bedingungen des Arztberufes realistisch darstellen.

Doch steht es um den Ruf der rund 140.000 Fach- und Hausärzte in Deutschland wirklich so schlecht, dass sie für Millionen für sich werben müssen? Umfragen, etwa vom Allensbach-Institut, sagen: nein. Danach sind Ärzte immer noch die angesehenste Berufsgruppe. 82 Prozent der Befragten gaben 2011 bei der Frage, vor welchem Beruf sie besonders viel Achtung haben, den des Arztes an. Und die Partnervermittlung „Elitepartner“ verkündete im selben Jahr, Ärztin sei der attraktivste Frauenberuf.

Die Stimmung in der Bevölkerung kann es also eigentlich nicht sein, welche die Ärzte zu einer solchen Kampagne motiviert hat. Wer es stattdessen gewesen sein könnte, deutet eine Stellungnahme der Bundesärztekammer an: „Die Pauschalvorwürfe der Krankenkassen, mit denen Ärzte konfrontiert und verunglimpft werden, haben einen ganzen Berufsstand in der Öffentlichkeit in Misskredit gebracht.“ Die Köpfen hinter der Kampagne sehen bei Medien und Politik offenbar eine Mitschuld. Teile beider Gruppen „stellen den gesamten Berufsstand gerne als korrupt sowie als Pfuscher dar“, heißt es auf der Homepage.

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