Der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC) hat die Sauberkeit der deutschen Badeseen beanstandet. An jeder fünften von insgesamt 60 Messstellen in den Badeseen stellten die Prüfer zu hohe Keimkonzentrationen im Flachwasser fest, wie der Automobil-Club am Donnerstag mitteilte. Oft seien dort die vom Umweltbundesamt empfohlenen Grenzwerte für Badeverbote deutlich überschritten worden.
Testverlierer mit „mangelhaft“ war eine Messstelle im Strandbad Horn in Gaienhofen am Bodensee. Dort wurde eine sehr hohe Konzentration von sogenannten Intestinalen Enterokokken gemessen. Gesundheitsgefährdende Keimkonzentrationen dieser Art könnten gerade bei Kindern Infektionen auslösen, warnten die Experten. Für eine solche Verunreinigung sei häufig Tierkot verantwortlich.
Auf den ersten Platz kam der Badestrand vor dem Campingplatz Godau am Südwestufer des Großen Plöner Sees in Schleswig-Holstein. Der Strand wurde mit der Note „sehr gut“ bewertet. Weitere zwölf Seen erhielten die Bewertung „sehr gut“. 19 Mal wurde die Note „gut“ vergeben, 15 Mal „ausreichend“. Zwölf Messstellen wurden jedoch mit der zweitschlechtesten ADAC Benotung „bedenklich“ eingestuft (Ergebnisse im Detail).
Die Experten nahmen zwischen Juni und August 2011 jeweils drei Wasserproben pro Messstelle. Allerdings nicht wie die offiziellen EU-Messungen im sogenannten Schwimmbereich (ab einem Meter Wassertiefe), sondern in den von Kindern stark frequentierten Flachwasserzonen bis 30 Zentimeter Wassertiefe.
Die Gemeinde Gaienhofen am Bodensee wehrt sich indes gegen die Note „Mangelhaft“. „Seit Jahren wird uns durchweg eine gute bis ausgezeichnete Wasserqualität bescheinigt“, sagte Bürgermeister Uwe Eisch am Donnerstag auf Anfrage. Das Kreisgesundheitsamt habe einmal zufällig genau am selben Tag wie der ADAC am Strandbad Horn eine Probe entnommen. Während der ADAC die Wasserqualität mit „Mangelhaft“ bewertete, habe das Gesundheitsamt eine gute Wasserqualität festgestellt. „Ich halte das schon für ein bisschen fragwürdig“, sagte Eisch.
Das schlechte Testergebnis mache dem Ort schon jetzt massiv zu schaffen. „Das ist für uns eine immense Rufschädigung“, sagte der Bürgermeister. „Viele Menschen, die in den nächsten Wochen zu uns in Urlaub kommen wollen, rufen jetzt an und wollen wissen, ob sie hier überhaupt noch ins Wasser gehen können.“ Der ADAC wies die Vorwürfe zurück. Während die Behörden ihre Proben im tieferen Wasser entnähmen, habe der ADAC seine Proben bewusst im flachen Wasser genommen, wo vor allem die Kinder spielen.
